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Grünen-Fraktionschef Petersdotter kündigt Abschied an

Lasse Petersdotter gibt sein Spitzenamt auf – nicht wegen Streit oder Jobangeboten. Warum zieht es ihn wirklich weg aus Kiel, und was hat Dänemark damit zu tun?

22.06.2026

Lasse Petersdotter hört als Fraktionschef im Landtag auf. (Archivbild)Christian Charisius/dpa

Lasse Petersdotter hört als Fraktionschef im Landtag auf. (Archivbild)Christian Charisius/dpa

© Christian Charisius/dpa

Schleswig-Holsteins Grüne brauchen im kommenden Jahr einen neuen Fraktionschef im Landtag. Amtsinhaber Lasse Petersdotter zieht sich nach der Landtagswahl zurück. „Zum Ende einer Legislatur fragt man sich: Will man das weitere fünf Jahre machen? Und ich bin zum Schluss gekommen: Ich will mich noch einmal verändern“, sagte Petersdotter den „Kieler Nachrichten“.

Petersdotter gehört dem Landtag seit 2017 an. In seiner ersten Wahlperiode war er bereits stellvertretender Fraktionschef. Seit 2022 führt er die Fraktion im Landtag. Der Politik- und Islamwissenschaftler wurde damals einstimmig zum Nachfolger von Eka von Kalben gewählt. Sie trat nicht wieder an und ist mittlerweile Landtagsvizepräsidentin.

Petersdotter wird Vater

„Mir ist wichtig klarzustellen: Ich bin nicht krank, ich bin nicht mit irgendwem zerstritten, und ich habe auch keinen schicken Lobbyjob in der Hinterhand“, sagte der 36-Jährige dem Blatt. „Meine Verlobte ist schwanger, wir erwarten im November unser erstes Kind. Es fühlt sich richtig an, einen neuen Lebensabschnitt zu starten.“

Er verlasse freiwillig einen Top-Job in der Politik, sagte Petersdotter. „Das kann’s auch mal geben.“ Wie es weitergehe, könne er noch nicht nicht sagen. „Ich habe zwar Ideen, aber nichts Spruchreifes. Jeder hat doch einen Plan B oder C oder D.“ In Schleswig-Holstein bleibe er aber „wahrscheinlich erst einmal nicht. Es schadet mir nicht, etwas anderes von der Welt zu sehen. Ich war zum Beispiel immer schon ein großer Dänemark-Fan.“

Reaktionen

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) äußerte großen Respekt vor der Entscheidung von Petersdotter. „Ein solcher Schritt, der in der Politik eher ungewöhnlich und zudem mutig ist, verdient Anerkennung.“ Er bedauere den Abschied aus Landtag und Landespolitik. „Er ist ein kluger Kopf und brillanter Redner mit klaren Überzeugungen und Positionen - und zugleich jemand, mit dem die Zusammenarbeit auch bei unterschiedlichen Auffassungen immer konstruktiv und vertrauensvoll ist.“ Für Schwarz-Grün sei er eine wichtige Stütze.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Serpil Midyatli betonte, Petersdotter habe die Grünen im Norden über viele Jahre maßgeblich geprägt. „Auch wenn wir politisch häufig unterschiedliche Auffassungen vertreten haben, habe ich ihn stets als engagierten und leidenschaftlichen Parlamentarier erlebt.“

Ihr FDP-Kollege Christopher Vogt sprach von einem Verlust für die Landespolitik. Er schätze ihn als klugen, humorvollen und vertrauenswürdigen Kollegen. „Wir haben zu Zeiten der Jamaika-Koalition fair, konstruktiv und respektvoll zusammengearbeitet und so ist der Umgang miteinander trotz deutlicher politischer Unterschiede auch in dieser Wahlperiode geblieben.“

Der SSW-Fraktionsvorsitzende Christian Dirschauer betonte, dass dazu Mut gehöre, sich bewusst für einen neuen Lebensabschnitt zu entscheiden. „Deshalb habe ich Respekt vor dem Schritt“, erklärte er. Für die kommenden Monate und alles, was danach komme, wünschte er dem Grünen-Fraktionschef und seiner wachsenden Familie „alles Gute“.