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Grabungen fördern jüdische Spuren in Erfurt zutage

Vom Parkplatz zum Welterbezentrum: Wie Archäologen derzeit Erfurts jüdische Geschichte freilegen. Und was verbirgt sich noch im Untergrund der Erfurter Altstadt?

05.08.2026

Bei den freigelegten Mauerresten handelt es sich um Teile der Ostwand des früheren jüdischen Tanzhauses.Jacob Schröter/dpa

Bei den freigelegten Mauerresten handelt es sich um Teile der Ostwand des früheren jüdischen Tanzhauses.Jacob Schröter/dpa

© Jacob Schröter/dpa

Bei archäologischen Grabungen zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Erfurt sind bereits kurz nach Beginn erste Mauerreste freigelegt worden. Das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie untersucht im Auftrag der Stadt zunächst eine rund 100 Quadratmeter große Fläche auf dem Parkplatz hinter dem Rathaus. 

Die Arbeiten sollen voraussichtlich bis Mitte September dauern. Eine weitere Grabung ist für das kommende Jahr vorgesehen. Damit sollen bisherige Erkenntnisse zur Siedlung der zweiten jüdischen Gemeinde Erfurts präzisiert werden, wie die Beauftragte für das Unesco-Welterbe, Karin Sczech, sagte.

Das Areal in der Altstadt gehörte von 1354 bis 1454 zum Zentrum der zweiten jüdischen Gemeinde Erfurts. Im Mittelalter standen auf dem Gelände unter anderem ein jüdisches Tanzhaus, Wohnhäuser und ein Gemeindebrunnen. In dem Tanzhaus wurden nach bisherigen Erkenntnissen Hochzeiten und andere Feste gefeiert. Die bisherigen Kenntnisse beruhen vor allem auf historischen Schriftquellen, Fotografien, Bauakten und geophysikalischen Untersuchungen. Bereits in den ersten Tagen der Grabung wurden Teile der Ostwand des Tanzhauses zutage gefördert.

Pläne für neues Welterbezentrum

Die Stadt plant auf dem Gelände ein Besucher- und Informationszentrum zum jüdisch-mittelalterlichen Erbe. Die Untersuchungen sollen klären, welche archäologischen Strukturen im Untergrund erhalten seien und ob sich diese später als archäologische Zone im künftigen Welterbezentrum integrieren lassen, erläuterte Sczech. „Wir wollen so die jüdische Geschichte weitererzählen.“ 

Mit dem Besucherzentrum sollen nach bisherigen Vorstellungen auch eine Ausstellungsfläche für Sonderschauen, ein neues Gemeindezentrum für die jüdische Landesgemeinde und ein jüdisches Restaurant entstehen. Die Unesco hatte 2023 die Alte Synagoge, die mittelalterliche Mikwe und das Steinerne Haus in Erfurt als Zeugnisse des jüdisch-mittelalterlichen Erbes in die Welterbe-Liste aufgenommen.

„Welterbe-Schaufenster“ für Besucher

Die Grabungen sind auch deshalb von Bedeutung, weil die Fläche beim Bau des Parkplatzes in den 1990er Jahren großflächig abgetragen und nur in kurzer Zeit notdürftig dokumentiert wurde. Damals wurden Mauerzüge aufgenommen und wenige oberflächennahe Funde geborgen. Die aktuellen Untersuchungen sollen jetzt eine belastbare Grundlage für die weitere Planung und die Beantragung von Fördermitteln schaffen.

Vom Dach des Containers haben Besucher einen Blick auf die Grabungsfläche.Jacob Schröter/dpa

Vom Dach des Containers haben Besucher einen Blick auf die Grabungsfläche.Jacob Schröter/dpa

© Jacob Schröter/dpa

Die Grabungsfläche wird nach Abschluss der Arbeiten wieder verfüllt und der Parkplatz bis Ende September oder Anfang Oktober in seinen vorherigen Zustand versetzt. Freigelegte Mauerreste könnten ohne schützende Überdeckung innerhalb weniger Jahre zerfallen, hieß es. Über die Grabungen informiert ein neuer Container am Rathausparkplatz. Das „Welterbe-Schaufenster“ dient zugleich als Aussichtsplattform und informiert über die Arbeiten, das Welterbe und die Geschichte des Umfelds.