Götterdämmerung? Luka Modric muss im Jubiläumsspiel liefern
Die Lobeshymnen auf den 40-Jährigen schlagen nach seinem schwachen Auftritt gegen England in Kritik um. In seinem 200. Länderspiel steht Modric daher stark unter Druck.
Luka Modric (l) erlebte einen WM-Start zum Vergessen.Julio Cortez/AP/dpa
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Mit fast 41 Jahren hat Luka Modric in seinem Fußballer-Leben nahezu alles erlebt. Doch sein vermaledeiter WM-Start bescherte dem kroatischen Superstar auf den letzten Metern seiner ruhmreichen Karriere nochmal zwei Premieren, auf die er nur zu gerne verzichtet hätte.
Beim 2:4 gegen England wurde Modric so früh ausgewechselt wie nie zuvor bei einem großen Turnier mit der Nationalmannschaft (58. Minute). Und den heimischen Medien zufolge hat der Kroate zum ersten Mal in seiner mehr als zwei Jahrzehnte langen Profikarriere einen Elfmeter verursacht. Und seine 33 Ballkontakte? Ein zumindest rekordverdächtig schlechter Wert für den sonstigen Ball-Magneten.
„Modrics Abschied muss würdig sein“
Die weltweite Bewunderung über den 40-Jährigen vor Turnierstart droht nach seinem erschreckend schwachen Auftritt gegen England in Mitleid umzuschlagen. Auch in der Heimat. „Modrics Abschied muss würdig sein“, stand in einem Kommentar der kroatischen Zeitung „Sportske Novosti“ geschrieben.
Die Zeitung „24 Sata“ stellte eine Online-Abstimmung auf ihrer Seite mit der Frage: „Ist Modric in der Startelf noch unverzichtbar?“ Und tatsächlich stimmte eine kleine Mehrheit (54 Prozent) mit Nein ab. Sind all das schon Zeichen der Götterdämmerung in Kroatien?
Modric: Es wird „viel besser“
Natürlich wird innerhalb des Teams vor dem zweiten Gruppenspiel in Toronto gegen Panama am Mittwoch (1.00 Uhr MEZ/MagentaTV) nicht an Modrics Ausnahmestellung gerüttelt. Zumal der Kapitän, der die „Vatreni“ (Feurigen) 2018 zum zweiten und 2022 zum dritten Platz bei Weltmeisterschaften geführt hat, sein 200. Länderspiel bestreitet und damit einen weiteren Meilenstein setzt.
„Es war eine großartige Reise“, hatte der Offensivstar der AC Mailand vor Turnierstart gesagt. Aber endet sie auch großartig? In einem vom Verband via Social Media veröffentlichten Brief an die Fans zeigte sich Modric gelassen über den verpatzten Start. „Ich bin mir sicher, dass wir unser Minimalziel erreichen werden“, wird Modric dort zitiert. Es sei genug Zeit, „um die Dinge zu beheben und ich bin mir sicher, dass wir das tun werden, dass es viel besser wird“.
„Wie ein Debütant“
Viel besser muss vor allem er selbst spielen. Seine schwache Leistung überrascht auch deswegen, weil er im Mailand-Trikot eine starke Saison gespielt hat. Allerdings fiel er Anfang Mai mit einem Jochbeinbruch aus, ihm fehlt es sichtlich an Spielrhythmus.
Nur so ist auch sein fast schon dilettantisches Verhalten beim verursachten Elfmeter zu erklären, bei dem Modric seinen berühmten Rundum-Blick für einen kurzen Moment verlor. Er traf den von hinten heranstürmenden Noni Madueke bei einem Klärungsversuch am Bein und ermöglichte so Harry Kanes Führungstor im zweiten Versuch. Bei der Aktion habe der einstige Weltfußballer ausgesehen „wie ein Debütant“, schrieb die „Gazzetta dello Sport“.
Schafft das „Genie“ die Wende?
Beschreibungen, die so gar nicht zu denen passen, die über Modric vor Turnierstart gefallen sind. „Modric ist ein Genie. Wenn er auf den Platz kommt, spielt er nicht Fußball - er ist Fußball“, sagte zum Beispiel Schwedens Fußball-Idol Zlatan Ibrahimovic. Und Ex-Teamkollege Vinícius Júnior aus Brasilien schwärmte über Modric: „Er ist der Beste der Welt, er war es letztes Jahr bei Real Madrid und jetzt auch bei Milan.“
Die Spiele gegen Panama und später gegen Ghana werden zeigen, ob Modrics fünfte WM-Teilnahme die eine zu viel war. Ob sein Fußball-Denkmal in den womöglich letzten Spielen seiner Karriere Risse bekommt. Medienberichten zufolge plant der sechsmalige Champions-League-Sieger, unmittelbar nach der WM seine Laufbahn als Profifußballer zu beenden. Über eine Rückkehr zu Real Madrid in einer anderen Funktion wird spekuliert.
Trainer Zlatko Dalic (r) hält an Modric fest. Julio Cortez/AP/dpa
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