Gesetz ermöglicht mehr medizinische Daten für KI-Training
Auch in der Medizin ruhen große Hoffnungen auf Künstlicher Intelligenz (KI). Die braucht aber sehr viele Daten zum Trainieren. Deshalb wurde in MV ein Gesetz angepasst. Das zeigt Wirkung.
Als eine Art Fenster zum Körper kann die Netzhaut Hinweise auf Krankheiten und gesundheitliche Risiken jenseits der Augen liefern. Bernd Wüstneck/dpa
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Künstliche Intelligenz (KI) könnte in Zukunft noch stärker als Hilfsmittel in der Medizin eingesetzt werden. Das auf große Datenmengen angewiesene KI-Training profitiert in Mecklenburg-Vorpommern inzwischen von einer 2024 vorgenommenen Überarbeitung des Landeskrankenhausgesetzes. Allein die Forschungsdatenbank der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) umfasse aktuell aus gut 2 Millionen klinischen Fällen knapp 8,9 Millionen Diagnosen und etwa 8,4 Millionen Messbefunde, sagte der Greifswalder Bioinformatiker Lars Kaderali.
Grund für die gewachsene Datenbank sei vor allem, dass die Datenverarbeitung zu Forschungszwecken nicht mehr auf aktiver Einwilligung, sondern auf einer Widerspruchslösung basiert. Dabei wird laut zuständigem Landesbeauftragten weiterhin dem Datenschutz Rechnung getragen. „Ein starkes Widerspruchsrecht ist ähnlich wirksam wie eine Einwilligung, entkoppelt den Datenschutz aber zeitlich von der medizinischen Behandlung“, erklärte Sebastian Schmidt. Dadurch könnten sich Patientinnen und Patienten viel besser mit ihren datenschutzrechtlichen Belangen auseinandersetzen.
Widerspruch jederzeit möglich
Die neue Regelung beinhalte eine kontrollierte, pseudonymisierte Nutzung von Patientendaten innerhalb klar geregelter Strukturen. Patienten können auch im Nachhinein jederzeit widersprechen. Das in der Vergangenheit aktive Einholen der Zustimmung von Patienten scheiterte laut Kaderali meistens am Aufwand, weshalb dann auf die Daten verzichtet wurde.
An der UMG arbeiten Forscher unter anderem daran, mittels KI anhand von Netzhautaufnahmen Hinweise auf Krankheiten und gesundheitliche Risiken zu liefern. Ein anderes Projekt unter Beteiligung auch der Universitätsmedizin Rostock (UMR) zielt auf eine bessere Früherkennung von Sepsis ab. Diese sei eine der häufigsten Todesursachen in deutschen Krankenhäusern, erklärt Kaderali. Ein erheblicher Anteil der Todesfälle gelte als vermeidbar, wenn Sepsis frühzeitig erkannt und gezielt behandelt werde.
Aufnahmen der Netzhaut machen wesentlich weniger Aufwand als beispielsweise ein MRT.Bernd Wüstneck/dpa
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Die feinen Netzhautgefäße können Hinweise etwa über Herz-Kreislauf oder auch Nierenprobleme geben.Bernd Wüstneck/dpa
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