Norwegischer Fischer stoppt deutsche Rakete
Europas Raumfahrtindustrie blickte hoffnungsvoll auf den geplanten Testflug einer deutschen Rakete in Norwegen. Der Flug fand nicht statt - es schwelt ein Streit örtlicher Fischer mit der Startbasis.
Der Weltraumbahnhof Andøya liegt an der Küste der gleichnamigen Insel im Norden Norwegens. Örtliche Fischer fürchten um ihre Fanggründe.Soeren Stache/dpa
© Soeren Stache/dpa
Der von Raumfahrt- und Rüstungsindustrie mit Spannung erwartete zweite Testflug einer deutschen Weltraumrakete in Norwegen ist an einem norwegischen Fischer gescheitert. Skipper Olafur Einarsson räumte in der Zeitung „Kyst og Fjord“ (Küste und Fjord) ein, dass er mit seinem Boot die maritime Sicherheitszone um den Weltraumbahnhof Andøya nicht rechtzeitig verlassen hatte. Deswegen war der Start am Mittwochabend um 21:21 Uhr abgebrochen worden.
„Wir hatten grundsätzlich einen Startversuch, der super lief“, sagte Daniel Isar Aerospace-Vorstandschef Daniel Metzler der Deutschen Presse-Agentur. „Kurz vor dem Start hat sich ein unautorisiertes Boot in die Sicherheitszone begeben, so dass wir den Countdown anhalten mussten.“ Das Zeitfenster für den Start war nach Metzlers Worten nur 15 Minuten lang. „Es ist sehr schade für uns und für unsere Kunden.“ Das in Ottobrunn vor den Toren Münchens ansässige Unternehmen ist nun dabei, den nächsten möglichen Starttermin zu klären. „Das Wetter in den nächsten Tagen sieht eher nicht so gut aus“, saget Metzler.
Countdown musste angehalten werden
Fischer Einarsson bestritt in dem Gespräch mit der Zeitung eine absichtliche Sabotage des Starts: „Wir wollten eigentlich etwas früher fertig sein, aber wir hatten Probleme mit der Strömung und ein Durcheinander mit dem Fanggerät.“. Der Zeitung zufolge soll Einarsson bereits in der Vergangenheit eine Militärübung in der Gegend gestört haben, der Fischer weist jedoch böse Absichten zurück. Isar Aerospace behält sich mögliche Schadenersatzansprüche vor: „Das sind Themen, die wir prüfen“, sagte Vorstandschef Metzler dazu.
Fischer fürchten um ihre Fanggründe
Im Hintergrund schwelt ein Konflikt der ortsansässigen Bevölkerung mit dem Weltraumbahnhof. Andøya ist eine nördlich der Lofoten gelegene große Insel, Einarsson fürchtet Einschränkungen bei der Nutzung ihrer Fanggründe. „Für uns Fischer ist das hier unser Arbeitsplatz, und dann kommen sie her und wollen dasselbe Gebiet nutzen“, sagte Einarsson der Zeitung. „Man könnte sagen, wir haben einen schlechten Nachbarn bekommen.“ Isar Aerospace sucht nach Angaben des Unternehmens aktiv das Gespräch mit den örtlichen Fischern, die Lokalbevölkerung stehe dem Projekt positiv gegenüber.
Auf der Rakete ruhen große Hoffnungen
Auf der „Spectrum“ getauften Rakete ruhen große Hoffnungen. Sie soll nach der Serienreife zivile und militärische Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen wenige hundert Kilometer über dem Erdboden bringen. Nach Worten von Isar Aerospace-Chef Daniel Metzler ist das Unternehmen jetzt schon bis zum Jahr 2028 ausgebucht, obwohl die Rakete nicht serienreif ist. Wie wichtig das erst 2018 gegründete Jungunternehmen auch für die deutsche Politik ist, zeigte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der das Gelände in Andøya am 13. März gemeinsam mit dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Støhre besuchte.
Europa im Hintertreffen
Grund des großen Interesses ist die derzeitige weitgehende Unfähigkeit Europas, Satelliten mit eigener Technik ins All zu schießen. Seit langem wird die große Mehrheit der europäischen Satelliten von Space X ins All befördert. Nach Worten Metzlers starteten die USA im vergangenen Jahr 198 Raketen, der Rest der Welt 124, Europa lediglich acht.
Wäre alles glatt gegangen, hätte die „Spectrum“-Rakete nach drei bis vier Minuten eine Höhe von 100 Kilometern über dem Erdboden erreicht und nach acht Minuten im vorgesehenen Orbit mit einer Geschwindigkeit von 28.000 Stundenkilometern.