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Geplante Stromnetzregeln spalten Energiebranche in Sachsen

Neue Netzregeln sollen Milliardenkosten senken und Strom günstiger machen. Doch in Sachsen warnen Versorger und Branche vor Investitionsrisiken - während andere die Reform für überfällig halten.

21.02.2026

Für Sachsen geht es um günstigen Strom, neue Anlagen und den Anschluss von Unternehmen an das Netz (Archivbild) Jan Woitas/dpa

Für Sachsen geht es um günstigen Strom, neue Anlagen und den Anschluss von Unternehmen an das Netz (Archivbild) Jan Woitas/dpa

© Jan Woitas/dpa

Die geplanten neuen Regeln für den Netzanschluss bei der Energiewende stoßen in Sachsen auf ein gemischtes Echo. Das geht aus Rückmeldungen des sächsischen Energieministeriums, von Netzbetreibern, kommunalen Versorgern und Branchenverbänden hervor. Während einige Akteure vor Investitionsrisiken und einem gebremsten Ausbau von Wind- und Solarenergie warnen, sehen andere in den Vorschlägen eine notwendige Steuerung, um Kosten zu begrenzen und Netze zu entlasten.

Hintergrund ist das sogenannte Netzpaket von Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche (CDU). Es sieht unter anderem vor, Regionen mit hoher Ökostromerzeugung zu definieren. Neue Anlagen bekämen dort bei Abschaltungen keine Entschädigung mehr. Ziel ist es, teure Eingriffe ins Stromsystem zu reduzieren und den Ausbau stärker an vorhandenen Netzkapazitäten auszurichten.

Ministerium: Debatte „überfällig“

„Diese Diskussion ist notwendig und überfällig, um auch künftig ausreichend Energie erzeugen und transportieren zu können sowie diese für alle Verbraucher und Unternehmen bezahlbar zu halten“, sagte Sachsens Energieminister Dirk Panter (SPD) auf Anfrage. Zugleich dürften zusätzliche Belastungen den Ausbau der Erneuerbaren nicht ausbremsen. Der Freistaat liegt laut Ministerium beim Ökostromausbau im Bundesvergleich zurück. Zudem seien in einigen Regionen die Netzkapazitäten bereits knapp. Das erschwere den Anschluss neuer Anlagen und Unternehmen.

Versorger und Branche warnen vor Investitionsrisiken

Der Chemnitzer Versorger Eins sieht durch den möglichen Wegfall von Ausgleichszahlungen die Wirtschaftlichkeit neuer Projekte gefährdet. Vorhaben könnten neu bewertet, verschoben oder ganz aufgegeben werden. Auch Bürgerenergieprojekte - also gemeinschaftliche Anlagen mit Beteiligung von Bürgern vor Ort - könnten an Attraktivität verlieren, wenn Kosten steigen und Renditen sinken. Der Branchenverband VEE Sachsen erwartet ebenfalls, dass sich Finanzierungen verteuern und ein Teil der Projekte unwirtschaftlich wird. Der Bundesverband Windenergie warnt vor einem möglichen „Ausbaustillstand“ in betroffenen Regionen. 

Zustimmung kommt dagegen aus Leipzig. Die dortigen Stadtwerke halten die geplanten Instrumente „in weiten Teilen“ für eine systemische Notwendigkeit. Häufige negative Strompreise zeigten, dass der Ausbau von Erzeugung und Netzen bislang nicht ausreichend aufeinander abgestimmt sei.

Auswirkungen auf Strompreise offen

Kurzfristig könnten geringere Redispatchkosten den Druck auf die Strompreise mindern, langfristig hängt nach Einschätzung vieler Akteure jedoch viel davon ab, ob weiter in neue Anlagen investiert wird. Für Sachsen sei eine „sichere, bezahlbare und heimische Energieversorgung“ entscheidend, betonte das Energieministerium.

Netzengpässe führen immer wieder zu Abschaltungen oder Drosselung von Wind- und Solaranlagen (Archivbild) Jan Woitas/dpa

Netzengpässe führen immer wieder zu Abschaltungen oder Drosselung von Wind- und Solaranlagen (Archivbild) Jan Woitas/dpa

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Windräder liefern oft mehr Strom, als die Netze aufnehmen können (Archivbild) Jan Woitas/dpa

Windräder liefern oft mehr Strom, als die Netze aufnehmen können (Archivbild) Jan Woitas/dpa

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Kritiker warnen: Höhere Risiken könnten den Ausbau von Wind- und Solarprojekten bremsen (Archivbild) Manuel Genolet/dpa

Kritiker warnen: Höhere Risiken könnten den Ausbau von Wind- und Solarprojekten bremsen (Archivbild) Manuel Genolet/dpa

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