Gelbes Blütenmeer - Sonnenblumenanbau boomt
Noch vor Jahren war sie eine Rarität auf Thüringens Feldern: Die Sonnenblume. Nun erstrahlen viele Äcker im Gelb ihrer Blüten - warum eigentlich?
Die Anbaufläche für Sonnenblumen ist stark gestiegen (Illustration). Jens Büttner/dpa
© Jens Büttner/dpa
Die in Gelb getauchten Felder mit den großen Blumen, die ihre Blüten in eine Richtung drehen, stehen für Sonne und Sommer: Auf immer mehr Agrarflächen im Freistaat wachsen Sonnenblumen. In diesem Jahr wurden sie auf 12.400 Hektar angebaut - fast eine Verdopplung allein im Vergleich zu 2025, wie das Statistische Landesamt in Erfurt mitteilte.
Exakt erhöhte sich die Anbaufläche um 5.800 Hektar oder 88 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit hält der vor einigen Jahren eingesetzte Boom beim Kultivieren der großen Blumen mit den ölhaltigen Kernen an.
Vor einigen Jahren habe die Anbaufläche für Sonnenblumen noch unter 2.000 Hektar gelegen, sagte André Rathgeber vom Thüringer Bauernverband auf dpa-Anfrage. Er nannte mehrere Gründe für das rasante Wachstum: Fortschritte bei der Züchtung sorgten dafür, dass die wärmeliebenden Blumen immer besser zu den Wetter- und Klimaverhältnissen in Thüringen passten.
Mehr Vielfalt auf den Feldern
Zudem hätten Sonnenblumen vergleichsweise wenig Ansprüche an den Boden und sie sorgten für mehr Vielfalt auf den Feldern. Sie lockerten die sogenannte Fruchtfolge auf den Feldern auf, auf denen sonst meist Getreide angebaut wird.
Und mit Sonnenblumen, die zumindest während der Blüte auch ausreichend Wasser brauchten, könnten die Bauern Geld verdienen, so der Fachmann. Das Gros der Sonnenblumenkerne werde für die Ölherstellung genutzt. „Ein Teil wird aber auch Vogelfutter“, sagte Rathgeber.
Er geht davon aus, dass der Boom bei Sonnenblumen weiter anhält. Landwirtschaftsbetriebe müssten dafür aber auch Investieren. „Sonnenblumen können nicht mit herkömmlichen Mähdreschern geerntet werden.“ Dafür müssten spezielle Schneidwerke angeschafft werden, mit denen die Mähdrescher ausgerüstet werden.
Raps mit deutlich mehr Anbaufläche
„Sonnenblumen sind aber nicht der neue Raps“, so der Fachmann. Der Rapsanbau habe weiterhin seine Berechtigung mit einer deutlich größeren Anbaufläche als die der Sonnenblumen.
Sie liegt bei Winterraps laut Landesamt in diesem Jahr bei 98.000 Hektar - geringfügig mehr als 2025 mit einem Plus von 1.300 Hektar oder einem Prozent. Insgesamt würden für den Anbau von Ölfrüchten in Thüringen 19 Prozent der Ackerfläche genutzt.
Nach den Daten des Statistischen Landesamtes werden im Freistaat 597.000 Hektar Ackerfläche bewirtschaftet. Der Anteil des Ökolandbaus ist mit 25.000 Hektar oder vier Prozent nach wie vor vergleichsweise gering. Den größten Anteil bei den Kulturen nimmt Getreide ein mit 336.000 Hektar in diesem Jahr. Das seien drei Prozent weniger als im Vorjahr. Auf gut der Hälfte der Getreidefläche wurde Weizen ausgesät.