Frau und Sohn erstickt - Lebenslang für 82-Jährigen
Ein Mann tötet seine Frau und einen seiner Söhne. Mehrere Tage verbrachte er mit den zwei Toten in einem Haus in Oberursel. Warum das Gericht einen Mord und einen Totschlag sieht.
Ein 82-jähriger Mann wurde wegen Mordes verurteilt. Symbolbild)Arne Dedert/dpa
© Arne Dedert/dpa
Erst erstickte der Mann seine Ehefrau, zwei Tage später tötete er seinen geistig behinderten Sohn. Nun hat das Frankfurter Landgericht den 82-Jährigen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. „Wir gehen davon aus, dass er beide vorsätzlich getötet hat“, sagte die Vorsitzende Richterin der Schwurgerichtskammer.
Der Sohn sei heimtückisch getötet worden, daher handle es sich um Mord. Bei der Tötung der 72-jährigen Frau sei das Gericht nicht davon überzeugt, dass dies aus Habgier - einem Mordmerkmal - geschehen sei. Daher handle es sich in diesem Fall um einen Totschlag.
Den Feststellungen des Gerichts zufolge war das Ehepaar in dem gemeinsam bewohnten Einfamilienhaus in Oberursel (Hochtaunuskreis) am Morgen des 8. März 2025 in Streit geraten. Er habe sie beruhigen wollen, sie habe nach ihm geschlagen, in dem Gerangel seien sie zu Boden gefallen. „In diesem Moment hat er den Entschluss gefasst, sie zu töten“, sagte die Richterin. Etwa fünf Minuten lang habe er ihr ein Kissen ins Gesicht gedrückt und sie so erstickt.
„Als sei nichts passiert“
Am Nachmittag desselben Tages holte der Deutsche seinen 49-jährigen, seit der Geburt geistig behinderten Sohn ab, der in Bad Vilbel (Wetteraukreis) wohnte, um nicht alleine zu sein. Laut der Richterin erfuhr der Sohn nichts von der Leiche, die im Obergeschoss des Hauses lag. Gemeinsam hätten Vater und Sohn am Abend Fernsehen geschaut, „als sei nichts passiert“. Der Sohn sei apathisch gewesen und habe ins Leere geschaut.
Am übernächsten Tag habe der 49-Jährige wegen einer psychischen Erkrankung sein Antidepressivum genommen, das schläfrig mache und sich zum Mittagsschlaf ins Ehebett gelegt. Diesen Umstand habe der Angeklagte ausgenutzt, um den ihm körperlich deutlich überlegenen Sohn zu töten. Damit habe er seine beiden anderen Söhne entlasten wollen. Er meinte der Richterin zufolge, dass der behinderte Sohn die Familie seit seiner Geburt belastet habe. Außerdem wohnte dieser bei einem der anderen Söhne.
Zudem habe er das Leben des behinderten Sohnes als nicht lebenswert erachtet. Er habe ihm ein Plastikteil auf Mund und Nase gedrückt und so erstickt. Der Sohn habe sich noch gewehrt und seinem Vater auf Brust und Rücken geschlagen, letztlich jedoch aufgrund seines Zustands keine Chance gehabt.
Angehörige verständigte die Polizei
Anschließend schrieb der Angeklagte laut Urteil einen Abschiedsbrief an seine Söhne und versuchte, sich mit einer Plastiktüte selbst zu töten, was misslang. Am 13. März verständigte eine Angehörige die Polizei, Polizisten entdeckten die Leichen. Der Mann wurde festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht.
Die 72-Jährige war die dritte Ehefrau des Mannes und nicht Mutter seiner Kinder. Die drei Söhne hatte er mit seiner ersten Frau. Die zweite Frau des Mannes war dem Gericht zufolge unter nicht geklärten Umständen in ihrem Haus ums Leben gekommen - auch mit ihrer Leiche verbrachte der Mann dort mehrere Tage.
Der Staatsanwalt forderte in dem Prozess eine Verurteilung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes, der Rechtsanwalt plädierte auf Freispruch.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es kann Revision eingelegt werden.