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Fall Hendrik Holt - welche Rolle spielt Berliner Firma?

Das Holt Family Office gehört der Frau des Betrügers. Seine Anschrift teilt es sich mit einem weiteren Unternehmen mit Verbindungen zu Holt.

08.09.2026

Windkraftbetrüger Hendrik Holt ist auf der Flucht. (Archivbild)Carmen Jaspersen/dpa

Windkraftbetrüger Hendrik Holt ist auf der Flucht. (Archivbild)Carmen Jaspersen/dpa

© Carmen Jaspersen/dpa

Eine Million Euro Grundkapital und eine auffällige Adresse - im Fall des flüchtigen Windkraftbetrügers Hendrik Holt erregt eine Firma von dessen Frau Aufsehen. Das Holt Family Office hat seinen Sitz in Berlin und teilt sich die Anschrift mit einer Investoren-Firma, die mit Holt in Verbindung steht. Zuvor hatten unter anderem die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ und die „Welt“ darüber berichtet. 

Holt hatte ausländische Energiekonzerne in nicht existierende Windparkprojekte gelockt und dabei einen Schaden in Höhe von mehreren Millionen Euro verursacht. 2022 wurde er vom Landgericht Osnabrück unter anderem wegen bandenmäßigen Betrugs zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fast neun Jahren verurteilt. Seit Ende August ist der aus dem emsländischen Haselünne stammende Holt auf der Flucht. Die erst wenige Monate zuvor - Ende April - gegründete Firma seiner Frau wirft Fragen auf.

Laut Einträgen im Handelsregister hat die Firma - eine GmbH - ein Stammkapital von einer Million Euro. Dabei sind zur Gründung einer GmbH laut Gesetz lediglich 25.000 Euro notwendig. Unternehmenszweck ist laut dem aktuellsten, öffentlich einsehbaren Gesellschaftervertrag die Verwaltung des eigenen Vermögens sowie der Handel mit Luxusgütern und Kunstgegenständen.

Holt ist im Insolvenzverfahren

Woher das Geld stammt, ist nicht bekannt. Sollte es von Hendrik Holt stammen, so hätte er es ihm nicht mitgeteilt, teilte sein Insolvenzverwalter Malte Köster mit. Über Hendrik Holt wurde nach dessen Verurteilung wegen Betruges ein Insolvenzverfahren eröffnet. Laut Köster belaufen sich die Forderungen gegen Holt auf 40 Millionen Euro, hauptsächlich von betrogenen Investoren.

Seine Kanzlei verfolge die aktuellen Entwicklungen um Holt mit großer Aufmerksamkeit, das Holt Family Office sei bekannt, sagte Köster. Seinen Angaben nach steht sein Team im Austausch mit Ermittlern und hatte zuletzt auch fortlaufend mit Holts Anwalt Kontakt.

Flucht Ende August

Holt, über den es auch eine ARD-Doku gibt („Holt - Der Windkraft-Schwindler“), kehrte Ende August von einem genehmigten Ausgang nicht mehr in die Justizvollzugsanstalt in Berlin zurück. Seine Frau mit Kind ließ er zurück. Der Straftäter war seit Oktober 2024 im offenen Vollzug. Nach ihm wird nun weltweit mit einem Europäischen Haftbefehl gefahndet. Nach jüngsten Angaben der Staatsanwaltschaft Osnabrück gibt es inzwischen „Erkenntnisse“ - doch nähere Angaben machen die Ermittler bisher nicht.

Kurz nach Holts Flucht teilten die Betreiber des Flughafens Rostock mit, dass Holt nicht von dort ausgereist sei. Der Flughafen steht in Verbindung mit Holt, weil dieser 2025 den Verkauf des zivilen Teils des Airports an die derzeitigen Eigentümer - die Investmentfirma Crisp Partners - vermittelt haben soll. Auffällig: Crisp Partners und das Holt Family Office teilen sich eine gemeinsame Anschrift in Berlin zwischen dem Potsdamer Platz und dem Tiergarten.

Flughafenbetreiberin: „Kannte Firma nicht“

Die Geschäftsführerin der Investmentfirma, Ira Lauth, ließ dazu über ihre Anwältin mitteilen, sie habe „keine Kenntnis von dem Unternehmenssitz des Holt Family Office“. An der Adresse betreibe ein Bürodienstleister einen Standort. Dutzende Unternehmen seien dort registriert. „Herr Holt hat sich zu keinem Zeitpunkt in den Geschäftsräumen der Crisp Partners GmbH aufgehalten“, hieß es in der Antwort weiter.

Bereits kurz nach Holts Flucht hatte Lauths Ehemann, Karsten Lauth, die Beziehung zu Holt sowie dessen Vermittlung beim Airport-Deal bestätigt. Er und seine Frau würden Holt aus Berliner Netzwerken kennen. „Es ist aber mitnichten so, dass Holt an dem Flughafen oder Crisp Partners beteiligt wäre“, betonte der Projektleiter von Crisp Partners.