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Experten: Gewalttat in Neustadt reiht sich in Muster ein

Nach den Schüssen in Neustadt sehen Experten ein wiederkehrendes Muster: Männer werden nach einer Trennung für ihre Frauen häufig zur Gefahr. In diesem Fall traf es zusätzlich eine Beraterin.

07.05.2026

Bei einem Beratungsgespräch nach einer Trennung erschoss im sächsischen Neustadt ein 54-Jähriger seine Expartnerin, eine Familienhelferin und anschließend sich selbst. (Archivbild)Robert Michael/dpa

Bei einem Beratungsgespräch nach einer Trennung erschoss im sächsischen Neustadt ein 54-Jähriger seine Expartnerin, eine Familienhelferin und anschließend sich selbst. (Archivbild)Robert Michael/dpa

© Robert Michael/dpa

Nach der Gewalttat mit drei Toten im sächsischen Neustadt fordern Experten eine umfassende Aufarbeitung und Einordnung als mutmaßlichen Femizid. Der genaue Tathergang sei zwar noch unklar, teilte die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Gewaltfreies Zuhause Sachsen mit. „Klar ist jedoch: Dieses Verbrechen steht nicht isoliert, sondern reiht sich in ein bekanntes Muster geschlechtsspezifischer Gewalt ein.“

Mann erschießt bei Beratungsgespräch zwei Frauen und sich selbst

Ende April waren bei einem Gespräch in einer offenen Begegnungsstätte in Neustadt Schüsse gefallen. Einsatzkräfte fanden zwei Tote, eine 48-jährige Frau und einen 54-jährigen Mann, sowie eine schwer verletzte 49-jährige Frau, die einen Tag später in einem Krankenhaus ihren Verletzungen erlag. 

Bei den Opfern handelt es sich laut Polizei um die ehemalige Lebensgefährtin des Täters und eine Sozialpädagogin. Wenige Wochen vor dem Gespräch hatte sich das Paar getrennt. Der Mann habe sich nach der Tat selbst umgebracht.

Risiko für Frauen steigt bei einer Trennung

Trennungen gelten laut LAG als eine der gefährlichsten Phasen für betroffene Frauen. Studien zeigten, dass das Risiko eines Femizids gerade dann deutlich steige, wenn Frauen versuchen, sich aus gewaltgeprägten Beziehungen zu lösen. Häufig liegen den Angaben nach bereits vorher Übergriffe vor oder die Gewalt eskaliert im Trennungsprozess. „Dahinter steht nicht selten ein tief verankertes Besitzdenken, das die Selbstbestimmung von Frauen nicht akzeptiert“, so die LAG.

Zusätzlich betroffen mache in dem aktuellen Fall der Tod der Familienhelferin, hieß es weiter. Es sei nicht auszuschließen, dass auch dieser als Rache und frauenfeindliche Tat zu werten sei. Zudem weist die LAG auf das erhöhte Risiko hin, das die Fachkräfte in den Interventions- und Koordinierungsstellen gegen Häusliche Gewalt und Stalking etwa bei der Begleitung von Betroffenen bei Behördengängen tragen. Für ihre Sicherheit brauche es finanzielle Ressourcen, forderte die LAG.