Ex-ZDF-Chefredakteur Bresser tot: Ein großer Fragensteller
Er gehörte über Jahrzehnte zu den prägenden Gesichtern und Köpfen des deutschen Fernsehens. Als langjähriger Chefredakteur formte er das Profil des ZDF maßgeblich. Nun ist Klaus Bresser gestorben.
Klaus Bresser moderierte jahrelang das „heute journal“. (Archivbild)Horst Ossinger/dpa
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Klaus Bresser zählte zu den prägenden Figuren des deutschen Nachrichtenjournalismus. Helmut Schmidt, Otto Graf Lambsdorff, Gerhard Schröder, Franz Josef Strauß - Bresser hatte sie alle vor der Kamera. Helmut Kohl erzählte ihm von den zwei Millionen Mark, die an der CDU-Parteikasse vorbeiflossen.
Nun ist der frühere ZDF-Chefredakteur tot. Er starb bereits am Mittwoch im Alter von 90 Jahren in Berlin, wie das ZDF mitteilte. Bresser war von 1988 bis 2000 Chefredakteur des Senders. „Wir trauern um einen entschiedenen Verfechter des öffentlich-rechtlichen Informationsauftrags“, betonte Intendant Norbert Himmler. „Klaus Bresser hat das journalistische Profil des ZDF nachhaltig geprägt und stand stets für Unabhängigkeit und fairen Umgang.“
Über viele Jahre stellte Bresser bei der von ihm etablierten politischen Interview-Reihe „Was nun, ...?“, zusammen mit verschiedenen Co- Moderatoren, und bei Interviews im „heute journal“ die Fragen. Wie er Politikern auf den Zahn fühlen konnte - das mache ihn zu „einem der großen Fragensteller des Landes“, sagte der ehemalige n-tv-Chef Helmut Brandstätter über ihn.
„Wer die Welt so beschreibt, wie sie ist, auch der verändert sie“
Dabei brauchte er weder Pathos noch Lautstärke. „Hartnäckig nachfragen, sich nicht zufriedengeben mit Antworten, die nichts besagen, vor allem aber mit Antworten, die mit den Fragen gar nichts zu tun haben, dann immer wieder nachfragen, nachhaken, es wissen wollen.“ So beschrieb Bresser seinen journalistischen Anspruch. Über seinen Beruf sagte er einst: „Ich hätte nie etwas anderes werden können als Journalist“. Sein Lebensmotto: „Wer die Welt so beschreibt, wie sie ist, auch der verändert sie.“
Geboren wurde Bresser 1936 in Berlin, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges flüchtete seine Familie nach Aachen. Bereits im Alter von zwölf Jahren gibt er die handgeschriebene Zeitung „Der Kurier“ heraus. Verwandte und Freunde können sich zum Preis von einer Mark wöchentlich über das Neueste informieren. „Ich habe es schon immer interessant gefunden, Nachrichten für andere aufzubereiten“, sagte Bresser vor seinem 70. Geburtstag.
Klaus Bresser ist im Alter von 90 Jahren in Berlin gestorben. (Archivbild)Sophia Kembowski/dpa
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Als 15-Jähriger schreibt er für die „Aachener Volkszeitung“ und die „Aachener Nachrichten“. Neben seinem Studium der Germanistik, Soziologie und Theaterwissenschaften in Köln volontierte er ab 1958 beim „Kölner Stadt-Anzeiger“. 1962 wurde er Chefreporter und begleitete unter anderem Staatsmänner wie Charles de Gaulle, John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow auf ihren Reisen.
Mitte der 1960er Jahre zieht es Bresser dann zum noch jungen Medium Fernsehen, er wechselt als Redakteur zum WDR, wo er 1971 die Leitung des Politik-Magazins „Monitor“ übernimmt. Zwei Jahre später wird er Leiter der aktuellen Redaktion, macht Wahlsendungen und den „Brennpunkt“. Er entwickelt auch das „Tagesthema“, den Vorläufer der heutigen „Tagesthemen“ im Ersten.
Als Chefredakteur erhöht Bresser den Nachrichtenanteil beim ZDF
Mit dem Wechsel zum ZDF Ende der 70er Jahre folgt Bressers nächste Station, die prägendste in seiner Karriere. Er ist wesentlich an der Konzeption des „heute journals“ beteiligt, wird Moderator und später Leiter des Magazins.
Und dann Chefredakteur vom ZDF. Seine Amtszeit fällt in eine Zeit epochaler Umwälzungen: der Fall der Berliner Mauer, die deutsche Wiedervereinigung und der aufkommende Wettbewerb durch das Privatfernsehen.
Bresser baut den Informationsanteil des zuvor als Unterhaltungssender abgestempelten ZDF auf mehr als 40 Prozent aus, um das Profil gegenüber den privaten Kanälen zu schärfen. Unter seiner Ägide wurden etwa das „Morgenmagazin“, „Mittagsmagazin“ und neue Formate wie „Frontal“ und „Bonn direkt“ eingeführt und die Zahl der täglichen Nachrichtensendungen erhöht. Auch „Maybrit Illner“ geht auf seine Initiative zurück.
Im April 2000 endet Bressers Amtszeit als ZDF-Chefredakteur, er bleibt jedoch zunächst Moderator bei „Was nun, ...?“. Zwei Jahre später wechselt er zum Privatsender n-tv und übernimmt die Interviewsendung „Talk in Berlin“ von Erich Böhme, bei der er bis Ende November 2003 die Fragen stellt.
„Im Zweifel bin ich für Qualität und Anspruch“
Für seine Arbeit wurde Bresser vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, der Goldenen Kamera, dem Herbert-Quandt-Medien-Preis und dem Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz.
Klaus Bresser war bis zu ihrem Tod im März mit seiner Frau Evelyn verheiratet. (Archivbild)picture alliance / Soeren Stache/dpa
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Auch als er nicht mehr im Rampenlicht steht, besucht er weiter Veranstaltungen von Regierung, Botschaften und Stiftungen - häufig in Begleitung seiner Frau Evelyn, die im März starb. „Ich lebe in Berlin, weil hier die Musik spielt - politisch, gesellschaftlich, kulturell“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur vor seinem 80. Geburtstag. Sein Wahlmedium Fernsehen lag ihm da immer noch am Herzen.
„Ich wünsche mir ein Fernsehen, in dem das Leichte nicht das Schwierige ersetzt. Ablenkungen nicht Ansprüche verdrängen, Zerstreuung nicht Aufklärung“, antwortet er auf die Frage, was er sich zum Geburtstag wünscht. Das Fernsehen dürfe dem Zuschauer ruhig etwas zumuten. „Im Zweifel bin ich für Qualität und Anspruch.“