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Erleichterung auf dem Kiez: St. Pauli beendet Negativserie

Der letzte Sieg in einem Pflichtspiel liegt mehr als ein halbes Jahr zurück. Gegen Zweitliga-Topteam VfL Wolfsburg darf wieder gefeiert werden. Einer der Helden ist jemand, der längst weg sein wollte.

13.09.2026

Der FC St. Pauli feiert - und Joel Fujita ist mittendrin.Daniel Bockwoldt/dpa

Der FC St. Pauli feiert - und Joel Fujita ist mittendrin.Daniel Bockwoldt/dpa

© Daniel Bockwoldt/dpa

Die gute Laune ist zurück am Hamburger Millerntor. Nach dem 1:0 gegen den Zweitliga-Top-Favoriten und Bundesliga-Mitabsteiger VfL Wolfsburg feierten die Fußball-Fans des FC St. Pauli auf der Tribüne, auf dem Rasen tanzte Torschütze Joel Fujita - und Trainer Marcel Rapp stand froh gelaunt vor den Mikrofonen. 

Die Erleichterung war rundum das Millerntor sicht- und spürbar. „Das haben wir verdammt noch mal gebraucht, so viel ist sicher“, sagte St. Paulis bester Spieler, Connor Metcalfe, nach dem ersten Saisonsieg und dem ersten Pflichtspielerfolg seit mehr als einem halben Jahr.

Leistung und Ergebnis stimmen endlich überein 

Erstmals hatten in dieser Saison Leistung und Ergebnis übereingestimmt. „Das freut mich am meisten“, sagte Trainer Rapp nach seinem ersten Erfolgserlebnis mit dem FC St. Pauli. In den Spielen zuvor hatte er zu oft sagen müssen, dass Leistung und Ergebnis getrennt gesehen werden sollten. 

Schrie seine Mannschaft zum ersten Sieg nach mehr als einem halben Jahr: St. Paulis Trainer Marcel Rapp. Daniel Bockwoldt/dpa

Schrie seine Mannschaft zum ersten Sieg nach mehr als einem halben Jahr: St. Paulis Trainer Marcel Rapp. Daniel Bockwoldt/dpa

© Daniel Bockwoldt/dpa

„Logischerweise holt dich das mal irgendwann ein“, meinte der 47-Jährige. „Irgendwann interessiert das keinen mehr, wie die drei Spiele zuvor waren, sondern es heißt einfach: „Jetzt habt ihr fünfmal verloren“.“

Tatsächlich warteten die Fans sogar schon seit dem 28. Februar auf einem Sieg in einem Pflichtspiel. Damals gewannen die Hamburger in der Bundesliga mit 1:0 bei der TSG Hoffenheim. 

15 Pflichtspiele sieglos

Was folgte, waren zehn Spiele ohne Sieg zum Ende der vergangenen Saison und der Abstieg. In dieser Spielzeit gab es vor Samstagabend vier Punktspiele mit drei Remis und einer Niederlage, dazu die Pokal-Pleite beim Drittligisten Rot-Weiss Essen.

„Das war bei uns kein Thema in der Kabine“, sagte Rapp über die Negativserie. „Wenn die Spieler Zeitung lesen, ist es ein Thema, wenn sie keine Zeitung lesen, dann geht es an ihnen vorbei. Trotzdem sind wir jetzt froh, dass wir gewonnen haben.“ 

Revanche für die folgenreiche Niederlage im Mai

Ausgerechnet im Absteigerduell gegen die Wolfsburger zeigte Rapps Team die wohl beste Leistung seit mehr als einem halben Jahr und nahm erfolgreich Revanche für die folgenschwere Niederlage gegen den VfL im Mai. 

Am letzten Bundesliga-Spieltag hatten die Wolfsburger mit dem 3:1 am Millerntor den Abstieg des Kiezclubs besiegelt. Kurz darauf traten auch die Niedersachsen nach der verlorenen Relegation den Gang in die 2. Liga an. 

Ein Sieg mit vielen Protagonisten

Für den Sieg des FC St. Pauli beim schnellen Wiedersehen waren einige Spieler besonders auffällig: Australiens WM-Spieler Connor Metcalfe präsentierte sich in der Offensive spielfreudig wie noch nie auf dem Kiez. Nur die Latte verhinderte einen Treffer. 

Der Schwede Eric Smith organisierte die Defensive, war der Orientierungspunkt im Spielaufbau. Und Fujita - ebenso wie Smith lange mit Abschiedsgedanken beschäftigt - beendete mit seinem Treffer in der 88. Minute nicht nur die Sieglos-Zeit seiner Mannschaft, sondern auch eine persönliche Frustphase.  

Fujita überwindet Frust

„Ich war traurig. Wir sind abgestiegen, dann wurde ich nicht für die WM nominiert, meine Situation im Verein war nicht geklärt“, sagte der hoch veranlagte Japaner. Dann schloss am 1. September das Transferfenster. Ein lukrativer Wechsel zu einem größeren Verein kam nicht zustande. Das sei schwierig gewesen, sagte der 24-Jährige.

Das zeigte sich an den Leistungen des Mittelfeldspielers. Er fand sich auf der Bank wieder. „Jetzt hat er die Chance wieder gekriegt zu spielen. Gerade in der zweiten Halbzeit hat er ein sehr gutes Spiel gemacht“, lobte Rapp. „Wir sind total glücklich, dass er da ist, und ich glaube, da können wir noch einiges erwarten von ihm.“ Möglicherweise auch noch das ein oder andere Tänzchen.