Energiewende in Sachsen: Zustimmung, aber Vorbehalte
Obwohl viele Sachsen erneuerbare Energien befürworten, gibt es Vorbehalte – besonders, wenn neue Anlagen in der Nähe des eigenen Wohnorts entstehen sollen.
Man müsse die Energiewende besser erklären, sagte Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD). (Archivbild)Robert Michael/dpa
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Bei der Energiewende gibt es laut einer Befragung Nachholbedarf bei der Akzeptanz in der Bevölkerung. Eine Mehrheit von 56 Prozent stehe erneuerbaren Energien zwar grundsätzlich positiv gegenüber, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte. Gleichzeitig bleibt demnach ein erheblicher Teil der Bevölkerung (28 Prozent) unentschieden und 14 Prozent lehnen sie ab. Für die Erhebung wurden im zurückliegenden Oktober und November 1.500 Menschen aus Sachsen befragt.
Zustimmung zu neuen Anlagen mit erneuerbaren Energien größer
Besonders wenn das unmittelbare Wohnumfeld betroffen ist, herrschen demnach ambivalente Meinungen. Vorbehaltlos wird dort keine Energieform akzeptiert. Die Zustimmung zum Bau von Anlagen mit erneuerbarer Energie fällt zwar größer aus als bei konventionellen Energieträgern, eine Mehrheit dafür gibt es aber auch hier nicht.
Mit neuen Windrädern in der Nähe des eigenen Wohnorts zeigt sich nur knapp jeder Dritte einverstanden. Hier überwiegt die Ablehnung mit 42 Prozent. Dem Bau einer Solaranlage auf einer nahegelegenen Freifläche würden 46 Prozent zustimmen, 25 Prozent wären dagegen.
Bei den konventionellen Energieträgern überwiegt durchgehend die Ablehnung. Mit einem neuen Atomkraftwerk in Wohnortnähe wäre knapp jeder Vierte einverstanden, 49 Prozent würden das ablehnen. Einem Braunkohlekraftwerk würden lediglich 16 Prozent zustimmen, 53 Prozent wären dagegen.
Panter: Energiewende nachvollziehbar gestalten
„Die Ergebnisse zeigen klar, dass wir besser erklären, früher einbinden und konkrete Vorteile sichtbarer machen müssen“, sagte Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD). Die Energiewende könne nur dann erfolgreich sein, wenn sie für die Menschen nachvollziehbar gestaltet werde. Panter betonte gleichzeitig, eine sichere, bezahlbare und klimafreundliche Energieversorgung sei ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. „Kriege, Krisen und Großmachtkonflikte zeigen, dass wir uns von fossilen Energieimporten unabhängiger machen müssen.“
Der Handlungsdruck ist laut Ministerium hoch. Sachsen erzeuge weiterhin zu wenig Strom aus erneuerbaren Energien - auch im Vergleich zu anderen ostdeutschen Bundesländern. So werden laut vorherigen Angaben lediglich 0,3 Prozent der Fläche des Freistaats für Windenergie genutzt oder ausgewiesen. Bis 2027 soll laut bundesweiten Vorgaben jedoch 1,3 Prozent der Landesfläche für Windenergie ausgewiesen werden, bis 2032 zwei Prozent.