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Ende der Auswärtsmisere? Pokalkampf als Warnung für Schalke

Nach seinem Comeback trifft Christoph Baumgartner in Essen doppelt, Leipzig zieht ins Achtelfinale des DFB-Pokals ein. Was der Sieg für das schwierige Auswärtsspiel auf Schalke bedeutet.

28.10.2026

Jubel über die Entscheidung: Torschütze Christoph Baumgartner (l) und Castello Lukeba.Bernd Thissen/dpa

Jubel über die Entscheidung: Torschütze Christoph Baumgartner (l) und Castello Lukeba.Bernd Thissen/dpa

© Bernd Thissen/dpa

So ganz stimmte Christoph Baumgartners Fazit nicht. „Wir haben jetzt gezeigt, dass wir es auch auswärts können“, sagte RB Leipzigs Matchwinner im Pokalkampf bei Rot-Weiss Essen. Dabei war es nicht der erste Sieg des Teams von Trainer Martin Demichelis auf fremdem Platz, in der ersten Pokalrunde war ein Erfolg bei Viertligist Trier gelungen. In Bundesliga und Champions League gab es auswärts dagegen fünf Niederlagen in Serie. 

Um die Auswärtsmisere tatsächlich zu beenden, muss am Samstag (15.30 Uhr/Sky) ein Sieg bei Aufsteiger Schalke 04 her. Das 2:1 in Unterzahl und nach Rückstand in Essen dürfte dafür genau die richtige Vorbereitung gewesen sein. „Es lief alles gegen uns, was möglich war“, befand Kapitän David Raum.

Baumgartner trifft, Raum ist stolz

Der Nationalspieler sprach damit den frühen Rückstand und die Gelb-Rote Karte gegen Nicolas Seiwald kurz vor der Halbzeit an. „Ich weiß nicht, ob da noch viele an uns geglaubt haben, auch wegen unserer Auswärtsschwäche“, meine Baumgartner. „Das ist dann beeindruckend gewesen, mit einem Mann weniger das Spiel verdient zu gewinnen.“

Nicolas Seiwald (l) flog mit Gelb-Rot vom Platz und bedankte sich nach dem Spiel bei Baumgartner.Bernd Thissen/dpa

Nicolas Seiwald (l) flog mit Gelb-Rot vom Platz und bedankte sich nach dem Spiel bei Baumgartner.Bernd Thissen/dpa

© Bernd Thissen/dpa

Dafür sorgte der lange verletzte Baumgartner selbst: Nach gut einer Stunde eingewechselt, dann binnen fünf Minuten (78./82. Minute) Leipzig ins Achtelfinale geschossen. „Das macht mich als Kapitän sehr stolz auf die Mannschaft. Das war in der zweiten Halbzeit eine absolute Willensleistung. Wir sind angelaufen, marschiert, haben uns Torchancen herausgespielt. Das ist am Ende Qualität“, sagte Raum.

Nach einer unbefriedigenden ersten Halbzeit wechselte Demichelis die richtigen Spieler ein, der zusammen mit Baumgartner gekommene Antonio Nusa legte den Ausgleich auf. Mit weiteren Siegen in Gelsenkirchen und gegen den FC Augsburg könnte Demichelis gefestigt in die nächste Länderspielpause gehen.

Funktionierende Rotation

Es wäre enorm wichtig für die Mannschaft und den Club, in die praktisch seit Saisonbeginn schwelende Trainer-Diskussion Ruhe reinzubringen. Denn durch die von vielen Fans nicht nachvollziehbare Trennung vom beliebten und erfolgreichen Ole Werner hatte Demichelis nie den Rückhalt, den ein neuer Trainer normalerweise hat. Nun erarbeitet sich der frühere argentinische Nationalspieler diesen.

Trainer Martin Demichelis (l) mit seinem Matchwinner.Bernd Thissen/dpa

Trainer Martin Demichelis (l) mit seinem Matchwinner.Bernd Thissen/dpa

© Bernd Thissen/dpa

„Bei diesen Bedingungen in diesem Stadion gegen so eine eklige Mannschaft und mit einem Spieler weniger war das eine unfassbare Leistung“, sagte Demichelis. „Jeder Spieler, der von der Bank gekommen ist, war absolut präsent.“

Was das Spiel in Essen und der Sieg zuvor gegen Elversberg zudem zeigten: Die Rotation von Demichelis funktioniert, auch wenn in beiden Spielen die jeweils erste Halbzeit unter den eigenen Ansprüchen ablief. Fünf Wechsel hatte Demichelis in Essen in der Startelf vorgenommen, sogar acht waren es beim 4:0 gegen Elversberg.

Der Poker mit Nyland

Die Breite im Kader stimmt also, zudem dürfte es die Stimmung sowie den Konkurrenzkampf innerhalb des Teams deutlich heben, wenn Demichelis seinen Worten, dass jeder Spieler gebraucht werde, auch Taten folgen lässt. So durfte in den vergangenen beiden Spielen der Norweger Örjan Nyland ins Tor. Der 36-Jährige hatte zuletzt wegen eklatanter Fehler seinen Platz im norwegischen Nationaltor räumen müssen. Ein Poker von Demichelis, der aufging.

Für alles andere sorgt dann vor allem Baumgartner, der schon in der vergangenen Saison Leipzigs Topscorer war. In Madrid legte er den Ehrentreffer auf, gegen Elversberg traf der österreichische Nationalspieler einmal selbst - und nun in Essen sogar doppelt.

Dabei war viel mehr als der Einsatz über 30 Minuten körperlich kaum möglich gewesen. „Vor einer Woche hatte ich viereinhalb Monate lang kein Spiel gemacht. Es wäre also auch Wahnsinn, wenn es nicht so wäre“, sagte der 27-Jährige. So dürfte er auch auf Schalke erneut von der Bank kommen.