Eine Tonne Marihuana zwischen Kokosnüssen: Prozess beginnt
In einer Lieferung Kokosnüsse entdecken Zollbeamte im Hamburger Hafen verdächtige Pakete – und tauschen sie gegen Sandsäcke aus. Bei Ankunft der Fracht in Berlin-Spandau wartet bereits die Polizei.
Rund ein halbes Jahr nach dem Fund von mehr als einer Tonne Marihuana in einer Kokosnuss-Lieferung stehen fünf Männer vor Gericht. (Foto Illustration) Soeren Stache/dpa
© Soeren Stache/dpa
Nach einem Schmuggel von mehr als einer Tonne Marihuana in einer Kokosnuss-Lieferung stehen fünf Männer vor dem Berliner Landgericht. Ein 69-Jähriger gilt als Drahtzieher. Er soll laut Anklage die Fracht, die in einem Überseecontainer von Thailand zum Hamburger Hafen und dann per Lastkraftwagen weiter nach Berlin gegangen sei, bestellt haben. Die 36- bis 41-jährigen Mitangeklagten hätten sich gegen Entgelt am Entladen beteiligt.
Dem Hauptangeklagten, der mit einem gesondert verfolgten Mittäter agiert haben soll, wird gemeinschaftlicher Handel mit Cannabis in nicht geringer Menge zur Last gelegt. Den weiteren Angeklagten wird Beihilfe vorgeworfen. Drei dieser Männer gestanden zu Prozessbeginn. Sie seien für einen Lohn von jeweils 5.000 Euro für das Entladen angeheuert worden. „Ein verlockendes Angebot, das wir leider nicht abgelehnt haben“, erklärte ein 38-Jähriger.
Marihuana in 530 Kartons entdeckt
Die Lieferung kam laut Anklage im Oktober 2025 im Hamburger Hafen an. Es habe sich um 2.100 Kartons gehandelt. In 530 dieser Kartons hätten sich allerdings keine Kokosnüsse befunden, sondern jeweils vier Pakete Marihuana – insgesamt 1.182 Kilogramm.
Bei einer Zollkontrolle von Seecontainern seien verdächtige Pakete festgestellt worden. Beamte hätten die Drogen „entnommen und durch Sandsäcke im gleichen Gewicht ersetzt“, heißt es in der Anklage. Der Container sei dann per Lastkraftwagen abgeholt worden.
Polizei verfolgte die Lieferung
Spezialeinheiten der Polizei verfolgten die Fracht nach Berlin. Auf einem Gewerbegrundstück in Berlin-Spandau sei die Lieferung von vier Männern erwartet worden, die auf Geheiß des 69-Jährigen und eines gesondert verfolgten Mittäters die Drogen abladen und in eine angemietete Lagerhalle bringen sollten.
Die fünf Angeklagten wurden am 3. November festgenommen und befinden sich seitdem in Untersuchungshaft. Der Verteidiger des 69-Jährigen kündigte an, dass eine Aussage seines Mandanten geplant sei. Für den Prozess wegen Verstoßes gegen das Konsumcannabisgesetz sind vier weitere Verhandlungstage bis zum 27. Mai vorgesehen.