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Ein Sommer, der den Takt verändert

Die Dürre beschleunigt die Ernte, bremst Schiffe und entscheidet über Mais, Wein und Tourismus. Wie ist der aktuelle Stand in Rheinland-Pfalz?

22.07.2026

Trotz Hitze und Trockenheit ist die Ernte besser ausgefallen als ursprünglich erwartet. (Archivbild)Harald Tittel/dpa

Trotz Hitze und Trockenheit ist die Ernte besser ausgefallen als ursprünglich erwartet. (Archivbild)Harald Tittel/dpa

© Harald Tittel/dpa

Trockenheit und Hitze: Der Sommer hatte früh Alarmzeichen gesendet. Viele in Rheinland-Pfalz rechneten mit einem schwierigen Erntejahr. Doch die Erträge fallen besser aus als zunächst befürchtet. Vor allem Raps, Wintergerste und Winterweizen haben sich besser geschlagen als erwartet. Die Landwirtschaft zieht eine erste Bilanz - und warnt vor einer wachsenden Kluft zwischen vollen Feldern und leeren Kassen.

Die Betriebe gerieten unter Druck, sagten der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Marco Weber, und der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Eberhard Hartel, bei der Pressekonferenz in Badem (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Niedrige Erzeugerpreise träfen auf deutlich gestiegene Kosten für Treibstoff, Dünger und Arbeit.

Das Wetter hat die Saison geprägt wie selten zuvor. Das Frühjahr lag mit durchschnittlich 10,8 Grad rund 2,7 Grad über dem langjährigen Mittel. Seit Februar blieb jeder Monat zu trocken. Ein Reifeprozess unter Hochdruck - für Landwirte bedeutet das: weniger Zeit für die Ernte, mehr Stress bei der Vermarktung. Der Landhandel musste die Mengen in kurzer Zeit aufnehmen. Teilweise führte dies dazu, dass Getreide auf Höfen eingelagert wurde.

Wintergerste glänzt, Roggen verliert an Bedeutung

Ein Lichtblick heißt Wintergerste. Sie konnte von feuchten Böden profitieren und lieferte gute Ergebnisse. Doch auch hier gilt: Menge ersetzt nicht den Preis. Beim Winterweizen, der mit rund 106.000 Hektar wichtigsten Marktfrucht des Landes, fällt die Bilanz ebenfalls überwiegend positiv aus. Schwieriger sieht es beim Roggen aus. Mit Preisen um 150 Euro je Tonne verliert die einst wichtige Kultur zunehmend an Bedeutung und droht zum Nischenprodukt zu werden.

Ein Gewinner der Saison ist der Raps. Seine Anbaufläche wuchs um sieben Prozent auf rund 46.000 Hektar. Besonders beim Mais klaffen die Ergebnisse aber regional auseinander. Auch Kartoffeln leiden unter den hohen Temperaturen. Im Weinbau sind die Reben weit entwickelt, im Obstbau reicht die Bilanz von guten bis enttäuschenden Ergebnissen.

Was der größte Arbeitgeber zum Rheinpegel sagt

Doch Trockenheit und Hitze setzen auch der Industrie in Rheinland-Pfalz zu. Stichwort: Niedrigwasser. Für BASF ist die Lage nach eigenen Angaben nicht bedrohlich. Der Konzern transportiert 40 Prozent der Güter an seinem Stammwerk per Schiff. „Die Versorgung der Produktion mit Rohstoffen und Belieferung unserer Kunden ist gesichert“, teilte eine Sprecherin mit. Bei aktuellem Rheinpegel könnten alle Schiffe fahren - allerdings nicht voll beladen. In Summe würden mehr Schiffe eingesetzt, darunter Niedrigwasserschiffe.

BASF transportiert 40 Prozent der Güter an seinem Stammwerk per Schiff. (Archivbild)Sascha Ditscher/dpa

BASF transportiert 40 Prozent der Güter an seinem Stammwerk per Schiff. (Archivbild)Sascha Ditscher/dpa

© Sascha Ditscher/dpa

Vor drei Jahren hatte BASF „Stolt“ präsentiert - ein Transportschiff mit besonders wenig Tiefgang. Das Schiff sei für das Unternehmen permanent zwischen Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam und Ludwigshafen im Einsatz, erklärte die Sprecherin.

In der Vergangenheit hatte in Ludwigshafen ein geringer Wasserstand zum zeitweisen Produktionsstopp geführt. „Wir sehen vor allem im Bereich der „Abladeoptimierung Mittelrhein“ dringenden Umsetzungsbedarf“, hieß es jetzt. Dies sei aus Sicht von BASF das Einzelprojekt im Bundesverkehrswegeplan mit dem besten Kosten/Nutzen-Verhältnis. Der Konzern sei Mit-Unterzeichner des Aktionsplans „Niedrigwasser Rhein“ des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr. Mit mehreren Maßnahmen soll die Schiffbarkeit verbessert werden.

Tourismus ist gut ins Jahr gestartet

Für Kabinenschiffe könnte es eng werden. Je nach Wetterlage komme irgendwann der Moment, ab dem die Hotelschiffe nicht mehr fahren können, betonte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein in Bingen unlängst. 

Mit Spannung wird die Entwicklung des Tourismus im zweiten Halbjahr erwartet. Die Branche in Rheinland-Pfalz war mit einem deutlichen Plus ins Jahr 2026 gestartet. Den stärksten Anstieg verzeichnete das Ahrtal mit 14,6 Prozent mehr Gästen, während Campingplätze und Reisemobilstellplätze mit einem Plus von 14 Prozent besonders gefragt waren.

„Wir Deutschen sind Kalendermenschen“

Auch Hotels und Gaststätten erhoffen sich Zuwachs. Gereon Haumann, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga in Rheinland-Pfalz, hatte sich unlängst gewünscht, dass an sommerlichen Tagen kräftig eingekehrt wird auf Terrassen, in Biergärten und in Weingärten.

„Wir Deutschen sind Kalendermenschen“, betonte Haumann dabei. Es sei immer wieder zu beobachten, dass die Umsätze im dritten und vierten Quartal eines Jahres höher seien und viele Menschen das Geld in den ersten beiden Quartalen eher zusammenhielten.