WM 2026

Ein Rätsel, ein Wunder? Was Messi so stark macht

Die Superlative für Lionel Messi gehen bald aus. Wie er bei seiner sechsten WM auftritt, macht alle sprachlos. Doch es gibt Gründe für einen Messi in Wunder-Form.

26.06.2026

Anführer und doch einer von allen. Julio Cortez/AP/dpa

Anführer und doch einer von allen. Julio Cortez/AP/dpa

© Julio Cortez/AP/dpa

Den grimmigen Blick kann er längst auch in Perfektion. Doch wirklich Angst muss den Gegnern von Lionel Messi eines machen: Wehe, wenn er Spaß hat! So wie beim 3:0 Argentiniens gegen Algerien mit einem Dreierpack. So wie beim 2:0 gegen Österreich mit einem Doppelpack. 

Doch wie kann Messi so spielen bei seiner sechsten Fußball-WM, dass er sogar Auftritte beim Titeltriumph in Katar teils noch in den Schatten stellt? Es hat viel mit der Einteilung der Kräfte zu tun, weshalb Messi im praktisch bedeutungslosen letzten Gruppenspiel der Argentinier in der Nacht auf Sonntag (4.00 Uhr/Magenta TV) in Dallas gegen Jordanien wie einige andere aus der Stammelf zunächst auch geschont werden könnte.

Tiefer aber liegt das, was jeder einzelne Mitspieler auf den personalisierten Glückwunsch-T-Shirts zu Messis 39. Geburtstag im WM-Camp als Botschaft trug: „An den Mann, der unser Leben verändert, uns unvergessliche Momente beschert und uns daran glauben lassen hat, dass Träume wahr werden können. Das Schönste daran war nicht nur, es mitzuerleben – sondern es gemeinsam mit Dir zu erleben!“ 

Verbindung mit der Mannschaft: Zwischen Heiligem und Kumpel

Messis Mitspieler sind seine ersten Bewunderer, seine Bodyguards - aber auch seine Kumpels. „Die Kollegen lieben es, für Messi zu laufen“, sagt Deutschlands Rekordnationalspieler und RTL-Experte Lothar Matthäus. „Sie wollen, dass er sie wieder zum Titel führt und sie geben alles für ihn“, sagt Schwedens Fußball-Ikone Zlatan Ibrahimovic: „Die Sache ist: Er gibt es auch zurück.“ 

Messis Stil hat sich weiter dem angepasst, was sein Körper leisten kann. Präzision, Schärfe, Genialität und Entschlossenheit, wenn es gilt - nicht mehr unbedingt die faszinierenden Solos über den halben Platz. Trainer Lionel Scaloni hat die Mannschaft schon 2022 auf und für Messi perfekt eingestellt. 

Im Eins-gegen-Eins ist Messi weiter stark. Technisch in einer eigenen Liga, aber auch physisch kraftvoll. Im Laufe der sechs WM-Teilnahmen hat sich seine Statur ordentlich verändert - mehr zum Athletischen. Zusammen mit seinem Edel-Helfer Rodrigo de Paul, den er auch zu Inter Miami lotste, absolvierte er vor dieser WM auch über zwei, drei Monate Zusatz-Schichten zur Vorbereitung.

Messis Fußball-Intelligenz und maximale Effizienz 

Der Körper ist das eine. Einer der Messi-Faktoren ist seine Gabe, ein Spiel zu lesen. Messi scanne alles, „nach 5, 10 Minuten hat er eine Karte im Kopf und vor Augen“, erzählte sein langjähriger Trainer beim FC Barcelona, Pep Guardiola, einmal: „Er läuft nicht, aber er sieht immer, was passiert.“ Die „New York Times“ nannte es mal den „Sechsten Sinn“. 

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Messis-Fußball-Intelligenz wäre wohl einen Studiengang wert. Er beweist es bei dieser WM eindrücklich. Messi geht oft nur, der Kopf und die Augen sind aber in Bewegung. Sobald er den Ball hat, gibt es kein Zögern, kein Ball halten. Dann ist Messi-Action. Sieht er für sich die Chance, versucht er es. Steht ein Mitspieler besser, legt er auf und vor. Messi antizipiert nicht einen Spielzug, sondern den ganzen Angriff.

Der Trainingswissenschaftler Paco Seirul·lo arbeitete über vier Jahrzehnte für den FC Barcelona und war Leiter der Methodik. Er sagte mal: „Jede Studie von Leo zeigt: Er läuft am wenigsten, er sprintet am wenigsten. Er beteiligt sich am wenigsten am Spiel.“ Den Nachwuchskickern der Talentschmiede La Masia gab Seirul·lo dann diesen Rat mit: „Ihr müsst Euch keine Gedanken machen, ob ihr zu klein oder zu groß seid. Macht Euch Gedanken, möglichst effizient zu sein. Leos Spiel ist maximale Effizienz.“

Was Messi antreibt

Die Frage, warum Messi nach dem WM-Triumph von Katar nicht seine Karriere beendete, lag nahe. Er hatte vorher von der letzten WM-Teilnahme gesprochen und dann auch das letzte große Sehnsuchtsziel seiner Karriere erreicht. 

Doch Messi kann nicht ohne Ball. Ein Fußball-Egomane war er nie, immer aber ein Fußball-Liebender. Spielen, Tore schießen, gewinnen - das einfachste Credo. Es galt für den zehn Jahre alten schmächtige Messi, als er auch wegen seiner Wachstumsstörungen mit Vater Jorge von Rosario nach Barcelona zog. Es galt mitten in seiner Hochzeit bei den Katalanen: „Ich liebe den Fußball genauso, wie ihn ich als kleines Kind geliebt habe.“ 

Auf seinem Anwesen in Castelldefels bei Barcelona kickte er hinterm Haus mit den Jungs, in Miami sieht man ihn nicht selten am Rand des Trainings oder bei Spielen der Söhne. Messi ist Fußball. Oder wie er nach seiner ersten Show bei dieser WM mit drei Toren betonte: „Ich genieße es - diese wunderbare Mannschaft und das Gefühl, auf dem Platz wieder ganz in meinem Element zu sein, so wie ich es immer geliebt habe.“

Was sich verändert hat, seit er Weltmeister ist

Der Titel natürlich, aber auch Miami hat Messi lockerer werden lassen. Er schreibt Autogramme aus dem Auto raus, überrascht Fans. Er wirkt - sofern das für einen wie Messi möglich ist - nahbar. Barça war sein Herzensclub, PSG ein Missverständnis, Inter ist für Messi auch wieder eine Wohlfühloase. Small Talk auch mit Superstars aus anderen Branchen ist normal. Eigentlich. 

„Ich bereue es, als Kind kein Englisch gelernt zu haben. Ich hatte Zeit dafür und habe es nicht getan“, sagte er in einem Interview in diesem Jahr: „Ich bereue es, weil man sich irgendwie wie ein Ignorant fühlt, wenn man mit tollen Persönlichkeiten ins Gespräch kommt.“ Messis Sprache bleibt der Fußball.

Messis Beine: Rogrigo de Paul.Tony Gutierrez/AP/dpa

Messis Beine: Rogrigo de Paul.Tony Gutierrez/AP/dpa

© Tony Gutierrez/AP/dpa