WM 2026

Ein Floh und Wunderkind: Mexikos Mora hat das Ziel WM-Titel

Europäische Topclubs jagen ihn. Gilberto Mora, jüngster WM-Spieler Mexikos. Klein und leicht wie einst Messi. Ein Wunderkind mit 17. Sein Vater hat großen Anteil daran.

17.06.2026

Gilberto Mora, 17 Jahre jung, gilt als Fußball-Wunderkind. Tom Weller/dpa

Gilberto Mora, 17 Jahre jung, gilt als Fußball-Wunderkind. Tom Weller/dpa

© Tom Weller/dpa

Erzählungen zufolge trug Gilberto Rafael Mora Zambrano schon mit zwei Jahren Fußballschuhe. Es war, als sein Vater Gilberto Mora Olayo wieder mal einige seiner Glanzmomente am Ball hatte. Die Xolos de Tijuana hatten sich den Titel der Apertura in den beiden aufgeladenen Finalspielen gegen Tiburones Rojes de Veracruz gesichert.

Das war 2010. Ein Jahr später beendete Gilberto Mora Olayo seine erfolgreiche Karriere und wurde Trainer. Im selben Jahr feierte der kleine Gilberto am 14. Oktober seinen dritten Geburtstag. 

Klare Ansage: Sind Favoriten auf den Weltmeistertitel

Knapp 15 Jahre später ist er bereits der jüngste Spieler bei dieser WM und mit einer sehr gesunden Portion Motivation und Selbstvertrauen ins Turnier in der Heimat, in den USA und in Kanada gestartet. „Ich glaube, dass wir Favoriten auf den Weltmeistertitel sind, insbesondere, weil wir zu Hause spielen“, hatte er vor dem ersten Anpfiff vollmundig verlauten lassen. 

Der zweite Floh nach Lionel Messi?

Wo das Leichtgewicht von angeblich 1,68 Metern Körpergröße und nur etwas mehr als 50 Kilogramm Gewicht in Mexiko auftaucht, rasten die Fans aus. Schon bei seiner Einwechslung gegen Südafrika riefen sie von den Rängen des ehrwürdigen Aztekenstadions aus vollen Kehlen „Mora, Mora“. 

Nun hoffen sie auf Mora von Beginn an in der deutschen Nacht (03.00 Uhr MESZ/Magenta TV) auf Freitag im Stadion Guadalajara in Zapopan gegen Südkorea. Mexikos Sender Claro fragte bereits: „Wen opfert (Trainer) Javier Aguirre?“

Aber wer ist dieser Gilberto Mora, der zumindest physisch auch ein bisschen an den sehr frühen Lionel Messi erinnert? „Er hat dieses Talent, diese Gelassenheit, diese Fähigkeit, das Spielgeschehen zu überblicken, vorauszusehen oder zu erahnen, wie es weitergehen wird, den präzisen Pass zu spielen, diesen kurzen Doppelpass, um das Beste rauszuholen“, pries Mexikos Fußball-Ikone Hugo Sanchez Mora schon einmal. Und nicht nur die FIFA gab Mora das Prädikat „Wunderkind“.

Geprägt vom Vater

Dass er in dem Alter schon so gut ist und unter anderem großes Interesse des FC Barcelona und von Real Madrid und vermutlich diversen anderen europäischen Top-Clubs längst geweckt hat, liegt auch an seinem mittlerweile 50 Jahre alten Vater. Ein ehemaliger Trainer Mora Olayos erzählte dem Sender ESPN mal: „Zwei, drei Tage pro Woche blieb er nach dem Training da, um Freistöße zu schießen. Nach dem Training schnappte er sich einen Ballkorb und stellte ganz allein die Mauer auf.“ Und das, obwohl er gar nicht für die Freistöße im Team vorgesehen war. 

Hartnäckigkeit und Disziplin sind das, was er auch seinen Sohn lehrte und was dazu gehört, um in der Weltspitze anzukommen. Das Alter ist Nebensache. „Es gibt 1.247 Spieler, die älter sind als er, und dennoch strahlt er eine trotzige Haltung aus, die so gar nicht zu seinem kindlichen Gesicht passt“, schrieb die Zeitung „Excelsior“ aus Mexiko. 

Mora, der sein Debüt beim Club Tijuana in der ersten Liga mit gerade einmal 15 Jahren und 10 Monaten unter seinem Vater als Trainer gab, hat schon bewiesen, welche Klasse er hat. Bei der U20-WM im vergangenen Jahr schaffte er es mit Mexiko bis ins Viertelfinale. 

Sein Debüt in der Nationalmannschaft, die sie in Mexiko „El Tri“ wegen der drei Nationalfarben nennen, gab Mora beim Gold Cup im vergangenen Jahr - im Viertelfinale. Mexiko kam weiter und im Halbfinale gegen Honduras bereitete Mora ein Tor vor. Mexiko gewann den Titel - gegen den WM-Mitgasteber USA. Bei seinem WM-Debüt beim 2:0 gegen Südafrika war er mit 17 Jahren und 240 Tagen einen Tag jünger als Pelé bei seinem ersten WM-Tor. 

Zwei Tage vorm Auftakt neuer Vertrag: Mit einer offenen Türe

Trotz aller Erfolge, trotz des Hypes, trotz der Begehrlichkeiten - oder auch erst recht. Zwei Tage vor dem WM-Auftakt verlängerte Mora seinen Vertrag bei den Xolos um 3,5 Jahre bis Ende 2029. „Die Vereinbarung ist das Ergebnis langwieriger Verhandlungen und spiegelt den außergewöhnlichen Aufstieg eines Spielers wider, der sich zu einem der vielversprechendsten Nachwuchstalente der Welt entwickelt hat“, schrieb der Club. 

Die Nummer 10 bekommt er und vermutlich eine deutliche Gehaltsaufstockung. Entscheidend aber ist dieser Satz: „Die Vereinbarung enthält einen maßgeschneiderten und klar strukturierten Ausstiegsmechanismus, der gemeinsam vom Verein, dem Spieler und seinem Berater ausgearbeitet wurde.“ 

Der Weg für die Weltkarriere des Wunderkindes wäre damit auch frei und der Papa hätte einen Grund zum Feiern, während der Sohn Fußballschuhe trägt.

Der Moment, der ganz Mexiko verzückte. Fernando Llano/AP/dpa

Der Moment, der ganz Mexiko verzückte. Fernando Llano/AP/dpa

© Fernando Llano/AP/dpa