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„Dummheit“: Künstler Tilly rügt Sparkurs bei Deutscher Welle

21 Millionen Euro weniger im Etat, 160 Stellen betroffen: Bei der Deutschen Welle sorgen Sparmaßnahmen für Protest. Gewerkschaften und Künstler warnen vor Folgen für Demokratie und Meinungsvielfalt.

22.04.2026

Macht sich stark für den deutschen Auslandssender: Der Künstler Tilly. (Archivbild)Oliver Berg/dpa

Macht sich stark für den deutschen Auslandssender: Der Künstler Tilly. (Archivbild)Oliver Berg/dpa

© Oliver Berg/dpa

Putin, Trump und ein iranischer Ajatollah jubeln Arm in Arm, weil der Etat der Deutschen Welle gekürzt wird – mit einer großen Plastik des Politiker-Trios unterstützt der Karnevalskünstler Jacques Tilly die Proteste gegen Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen bei dem Auslandssender. An diesem Mittwoch zieht nachmittags eine Demonstration durchs Berliner Zentrum, auf der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor (15.00 Uhr) wird das Kunstwerk gezeigt. 

Zu der Demonstration, die am Alexanderplatz startet, haben die Gewerkschaften Verdi und der Deutsche Journalistenverband aufgerufen. Protestiert wird gegen die Kürzung des Bundeszuschusses, die bei der Deutschen Welle 2026 Einsparungen von 21 Millionen Euro erzwingt. 

„Wichtige Stimme der Freiheit“

„Das nenne ich eine politische Dummheit“, sagt der Bildhauer Tilly dazu im Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Der Sender ist schließlich in vielen Staaten eine wichtige Stimme der Freiheit und Demokratie.“ So würden „liberale Fundamente“ in die Defensive gedrängt. Tilly zog einen direkten Vergleich zur US-Regierung von Präsident Donald Trump, der Kürzungen beim Auslandssender Voice of America veranlasst hatte. „Deutschland sollte nicht Trumps Fehler wiederholen“, warnt er.

Tilly hat sehr persönliche Erfahrungen mit dem autoritär regierten Russland: Erst Anfang April hatte ihn ein Moskauer Gericht in Abwesenheit zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt – wegen angeblicher Verletzung religiöser Gefühle und der Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte. Hintergrund sind die von ihm gebauten Karnevalswagen, die Kremlchef Wladimir Putin und den von ihm befohlenen Krieg in der Ukraine kritisieren.

DJV spricht von Geschenk an Autokraten wie Putin 

Von den Sparplänen sind 160 Vollzeitstellen bei dem Sender mit Hauptsitz in Bonn betroffen, der Angebote in 32 Sprachen hat und aus Steuergeldern finanziert wird. „Ein größeres Geschenk kann Deutschland Autokraten wie Wladimir Putin nicht machen“, kritisiert DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster, der auch auf der Kundgebung spricht. „Ausgerechnet jetzt, da die Demokratie weltweit unter Druck ist, kürzt die Bundesregierung die Mittel für die Deutsche Welle, statt sie aufzustocken.“ 

Auch Verdi befürchtet gravierende Reichweitenverluste, „während Stimmen der Desinformation stärker werden“. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer müsse nun für eine ausreichende Finanzierung eintreten.

Dienste werden eingestellt, Investitionen gekürzt

Im Februar hatte auch Intendantin Barbara Massing gewarnt, die Einsparungen seien äußerst schmerzhaft und schwächten die Wettbewerbsfähigkeit der Deutschen Welle in einer Zeit, in der eine starke deutsche und europäische Präsenz geopolitisch immer wichtiger werde.

Unter anderem wird der Griechisch-Dienst eingestellt, in anderen Sprachen wird das journalistische Portfolio reduziert. Zahlreiche Positionen im ganzen Haus werden gekürzt, die Investitionsmittel deutlich reduziert.