dpa

Drei Spiele, zehn Gegentore: Union verliert seine Stärke

Die Unruhe wächst beim 1. FC Union Berlin und die einstige Defensivmacht verkommt zur Schießbude der Bundesliga. Ausgerechnet jetzt wartet der FC Bayern. Die Eisernen fiebern der Zeit danach entgegen.

13.09.2026

Verzweiflung und Frust bei Unions Abwehrspieler Josip Juranović.Julius Frick/dpa

Verzweiflung und Frust bei Unions Abwehrspieler Josip Juranović.Julius Frick/dpa

© Julius Frick/dpa

Das Abwehrbollwerk ist Geschichte, der Schrecken für die Konkurrenz verflogen. Nach dem 1:3 gegen Aufsteiger Schalke 04 droht der 1. FC Union Berlin von der einstigen Defensivmacht zur Schießbude der Bundesliga zu werden. Zehn Gegentore nach drei Spielen sprechen eine deutliche Sprache.

„Fakt ist, wir kriegen zu viele Gegentore. Zu einfache Gegentore und wir verlieren gewissermaßen unsere Stärke“, schlug Führungsspieler Rani Khedira Alarm. Auf das 3:3 gegen Eintracht Frankfurt folgten ein 0:4 gegen Bayer Leverkusen und nun die nächste ernüchternde Vorstellung gegen Schalke. Und ausgerechnet jetzt wartet am kommenden Spieltag der FC Bayern.

Nur einmal zu null in 14 Spielen

Von den 14 Test- und Pflichtspielen dieser Saison blieb Union lediglich einmal ohne Gegentor – beim 16:0 im Benefizspiel gegen den Achtligisten Grün-Weiss Lübben. „Wir können nicht jedes Spiel drei Dinger kassieren, weil jedes Spiel vier Tore zu machen, ist schwer“, mahnte Abwehrspieler Tom Rothe. Lustrinelli sprach von „zu vielen Geschenken“.

Stand erstmals in dieser Saison in der Startelf bei Union: Woo-yeong Jeong. Julius Frick/dpa

Stand erstmals in dieser Saison in der Startelf bei Union: Woo-yeong Jeong. Julius Frick/dpa

© Julius Frick/dpa

Wie schon beim 3:3 gegen Frankfurt, als sich die Eisernen nach einem 1:3-Rückstand noch zu einem Punkt retteten, wachte Union auch gegen Schalke viel zu spät auf. Nach den Treffern des Ex-Unioners Robin Gosens (25. Minute) und von Adil Aouchiche (46.) lag die Mannschaft bereits mit 0:2 zurück, ehe sie sich Mitte der zweiten Halbzeit die ersten Großchancen erspielte. Zuvor ging nach vorn kaum etwas, die Offensive blieb erschreckend harmlos.

Nach dem Anschlusstreffer von Tim Skarke in der sechsten Minute der Nachspielzeit bot sich den Eisernen sogar noch die Chance auf den Ausgleich. Stattdessen kassierten sie mit dem Schlusspfiff (90.+13) das 1:3. „Vielleicht wäre diese Energie und Laufbereitschaft mal von Minute eins an gut“, forderte Rothe.

Rettet die Länderspielpause Union Berlin?

Was Union nun retten kann: die XXL-Länderspielpause von rund drei Wochen, die sich an das Auswärtsspiel beim FC Bayern anschließt. Drei Wochen, um die von Trainer Mauro Lustrinelli eingeleitete Systemumstellung voranzutreiben. Der Schweizer will in Köpenick einen mutigeren Offensivfußball etablieren. Doch die Verbindung aus neuer Spielidee und der für Union ungewohnten Viererkette ist bislang lediglich ein Plan auf Papier. 

https://www.instagram.com/p/DdKL7uzANWN/?hl=de

Dass Lustrinelli mit Felix Uduokhai und Leopold Querfeld zum dritten Mal nacheinander auf ein anderes Innenverteidiger-Duo setzte, dürfte ebenfalls zu den Abstimmungsproblemen beigetragen haben. Gerade in der Defensive fehlt es sichtbar an Stabilität und Automatismen.

Khedira: Viererkette darf kein Alibi sein

Khedira wollte die Umstellung jedoch nicht als Ausrede gelten lassen. „Jeder Bundesligaspieler muss in der Lage sein, eine Viererkette zu spielen. Meine ganze Jugend bestand aus Viererkette. Das darf kein Alibi sein“, sagte Khedira, der selbst auf ungewohnter Zehner-Position auflief. 

Gebetsmühlenartig betonen Trainer und Spieler, dass sich die Mannschaft auf einem Weg befinde und der Prozess Zeit brauche. Ausgerechnet Zeit – eine Währung, die im schnelllebigen Fußballgeschäft besonders knapp ist. „Das ist ein schmaler Grat. Oberstes Ziel ist, in der Liga zu bleiben und wir sind auch pragmatisch. Uns war klar, dass dieser Prozess nicht mit dem Ende der Vorbereitung abgeschlossen ist“, sagte Geschäftsführer Profifußball Horst Heldt bei Sky.

Wartet noch auf seinen ersten Bundesliga-Sieg: Union-Coach Mauro Lustrinelli. Julius Frick/dpa

Wartet noch auf seinen ersten Bundesliga-Sieg: Union-Coach Mauro Lustrinelli. Julius Frick/dpa

© Julius Frick/dpa

Doch grenzenlos ist die Geduld der Vereinsbosse nicht. Die versteinerte Miene von Präsident Dirk Zingler, der den schwachen Auftritt seiner Mannschaft auf der Tribüne verfolgte, sprach Bände. Und auch die Unruhe unter den Fans wächst. Und zwar so schnell, dass der Verein über seine Social-Media-Kanäle beschwichtigt: „Tut weh. Nervt auch. Wir brauchen unsere Mannschaft am 3. Spieltag aber noch nicht abschreiben“, schrieben die Eisernen.