Drehkreuz unter Druck: Mögliche Reduzierung besorgt Ramstein
US-Präsident Trump spricht von einem möglichen Truppenabbau in Deutschland. Davon wäre wohl besonders Rheinland-Pfalz betroffen - mit massiven wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen.
Wohl nirgendwo in Deutschland haben die USA so viele Soldaten, Transportflugzeuge und Logistik zusammengezogen wie in Ramstein. (Archivbild)Boris Roessler/dpa
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Diesmal könnte es ernst werden. Berichte über einen möglichen Abzug von US-Soldaten hatten zwar schon mehrfach Standorte in Deutschland verunsichert. Die befürchteten Schritte blieben aber aus. Jetzt prüfen die USA nach Aussage von Präsident Donald Trump erneut eine mögliche Reduzierung ihrer Truppen in Deutschland. Es wäre ein Schritt von maximaler militärischer und wirtschaftlicher Tragweite.
Den riesigen US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in der Pfalz erreicht Trumps Drohung in einem Moment extremer Betriebsamkeit. Zur Unterstützung der US-Truppen im Iran-Krieg starten mächtige Transportmaschinen derzeit fast stündlich röhrend Richtung Naher Osten und machen die Bedeutung der Air Base wortwörtlich unüberhörbar.
Warum Ramstein so entscheidend ist
Ramstein gilt als Drehkreuz und militärische Herzkammer der USA für Operationen aus Europa - und als „Tankstelle“ für Regierungsmaschinen. Jüngst machte US-Vizepräsident JD Vance auf dem Weg von Pakistan Station.
Laut Bürgermeister Hechler ist Ramstein seit 1952 Garnisonsgemeinde: „Die Amerikaner leben seit fast 75 Jahren hier.“ (Archivbild)Uwe Anspach/dpa
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„Geopolitisch würde selbst eine bloße Reduzierung der Truppenstärke ein gefährliches Signal der Schwäche senden, das in Moskau und Peking aufmerksam registriert würde“, meint der Politikwissenschaftler David Sirakov in Kaiserslautern. „Der eigentliche Schaden für die USA läge somit weniger im militärischen Substanzverlust als vielmehr in der verheerenden politischen Symbolik des zerrütteten transatlantischen Sicherheitsbündnisses.“
Milliardenfaktor US-Armee
Ein Teilabzug von US-Soldaten wäre zudem ökonomisch für die Region folgenreich. „Die Wirtschaftskraft der US-Militärpräsenz lässt sich pro Fiskaljahr auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar beziffern“, sagt Ralf Hechler (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Ramstein nahe dem riesigen US-Stützpunkt.
„Die Drohung muss man natürlich ernst nehmen“, betont Hechler. Trump könne als Oberbefehlshaber Verlagerungen temporär rasch umsetzen. „Ob er dies dauerhaft ohne den US-Kongress machen kann, wage ich zu bezweifeln. Aber die Auswirkungen wären direkt spürbar für uns.“ Es gehe es auch um US-Amerikaner als Nachbarn und oft Freunde. „Allein in der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach leben fast 8.000 US-Amerikaner mit Familien.“
Rheinland-Pfalz als „US-Flugzeugträger“
US-Soldaten auch in Baumholder, Kaiserslautern, Landstuhl und Spangdahlem: Wegen der starken Truppenpräsenz gilt Rheinland-Pfalz augenzwinkernd als „US-Flugzeugträger“ in Deutschland. Rund 18.500 US-Soldaten sind hier stationiert. Hinzu kommen 12.000 US-Zivilisten und 25.000 Angehörige.
Allein in Rheinland-Pfalz sind rund 18.500 US-Soldaten stationiert. (Symbolbild)Frank May/dpa
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„Hier in Ramstein sind die Amerikaner nach wie vor Teil der Familie, unsere Menschen haben ein gutes Verhältnis zueinander“, schildert Bürgermeister Hechler. „Aber nahezu alle sind über die Art und Weise, wie der US-Präsident agiert und seine Dinge formuliert und gegenüber den Partnern auftritt und spricht, enttäuscht und ablehnend.“ Er sei froh, dass die Amerikaner nicht das Gefühl hätten, nicht willkommen zu sein. „Das wird an ganz vielen Veranstaltungen in den vergangenen Wochen positiv registriert.“
Die Strategie hinter Trumps Ankündigung
Nach Einschätzung des USA-Experten Sirakov von der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz folgt Trumps Vorgehen einem bekannten Muster. „Es stellt aber durch den neuen Auslöser eine deutliche Eskalation dar“, meint er. Seiner Ansicht nach nutzen die USA ihre Truppenpräsenz gezielt als Druckmittel, um europäische Verbündete auf die eigene außenpolitische Linie zu zwingen.
„Auch wenn der ähnlich drastisch angekündigte Abzug von 2020 letztlich ausblieb, beschädigt die aktuelle Drohung auch als rein politisches Instrument das Vertrauen in die transatlantische Partnerschaft massiv“, betont Sirakov.
Auch der Ramsteiner CDU-Wahlkreisabgeordnete Marcus Klein unterstreicht: „Truppenabzug als Drohung gegenüber den Partnern und dabei die eigene Position nicht zu bedenken, ist kein kluges politisches Konzept. Daher bin ich inhaltlich weniger beunruhigt als über die Art und Weise. Die immer wieder vorgetragenen Drohungen nutzen keinem.“
Zwischen Weltpolitik und Wurstmarkt
Die Ankündigung folgt auf deutliche Kritik Trumps an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), weil dieser sich skeptisch über die US-Offensive gegen den Iran geäußert hatte. Dabei hatte Merz erst im März eine frühere Einladung an Trump in die Pfalz bekräftigt.
Trumps (r) Ankündigung folgt auf deutliche Kritik des US-Präsidenten an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU, l). (Archivbild)Kay Nietfeld/dpa
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Er werde versuchen, Trump zum Wurstmarkt in Bad Dürkheim zu bekommen, hatte Merz gesagt. Trumps Vorfahren stammen aus Kallstadt bei Bad Dürkheim.
„Ich möchte diese transatlantische Partnerschaft nicht aufgeben“, hatte der Kanzler damals bei einer CDU-Veranstaltung in Bad Dürkheim betont. Das sage er gerade in der Pfalz. „Wenige Landstriche in Deutschland sind so eng verbunden mit den amerikanischen Soldatinnen und Soldaten und ihren Familien.“ Genau das könnte nun jedoch zur Disposition stehen.