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Dieser Bürgermeister schreibt 2026 schwarze Zahlen

Viele Kommunen kämpfen in ihrer Haushaltsplanung mit Defiziten. Eine kleine Gemeinde steht für 2026 als eine der wenigen zunächst wieder stabil da.

26.01.2026

Vosberg setzt auf die Selbstständigkeit seiner Gemeinde.Magdalena Henkel/dpa

Vosberg setzt auf die Selbstständigkeit seiner Gemeinde.Magdalena Henkel/dpa

© Magdalena Henkel/dpa

Schwarze Zahlen in der Budgetplanung sind für die meisten Kommunen derzeit kaum erreichbar. Die kleine Gemeinde Oberried nahe Freiburg schafft das für das laufende Jahr zunächst. Nach zwei Jahren mit geplanten Defiziten rechnet Bürgermeister Klaus Vosberg (CDU) wieder mit mehr Einnahmen als Ausgaben - einem ausgeglichenen Haushalt. Nach einer Umfrage des Städtetags Baden-Württemberg schafften dies im Jahr 2025 nur noch rund 20 Prozent der Kommunen im Land.

Oberried lebt unter anderem von Tourismus, Hotellerie und Gastronomie sowie vom Handwerk - wichtige Einnahmequellen für die knapp 3.000 Einwohner. Vosberg sieht in dem Haushalt aber auch das Ergebnis einer langfristigen Strategie und eines vorsichtigen Umgangs mit Geld. Zuvor hatte die „Badische Zeitung“ berichtet.

Vosberg betonte: „Wir leben natürlich von der Landschaft. Und dieses von der Landschaft leben bedeutet eben auch, dass man viele kleine Betriebe hat.“ Wenn irgendwo eine Branche wegbreche, wie es gerade in Baden-Württemberg den Maschinenbau schwer treffe, dann erwische es Oberried nicht so hart.

Schwierige vergangene Jahre

„Wir sind es gewohnt, nicht zu sparen, sondern aufzupassen, wo wir das Geld ausgeben“, sagte Vosberg. Seine Gemeinde im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald hat für den Haushalt 2026 ein minimales Plus von 355 Euro stehen.

In den vergangenen beiden Jahren sah es jedoch anders aus. 2024 stand ein Haushaltsloch von knapp 190.000 Euro in der Planung. 2025 waren es rund 83.000 Euro Minus - gleichzeitig mussten Kredite von mehreren Hunderttausend Euro aufgenommen werden. Für 2027 steht ein Defizit von mehr als 200.000 Euro im Raum. Für die Jahre 2028 und 2029 plant Vosberg wieder mit einem ausgeglichenen Haushalt.

Das Ehrenamt spielt in Oberried eine große Rolle.Magdalena Henkel/dpa

Das Ehrenamt spielt in Oberried eine große Rolle.Magdalena Henkel/dpa

© Magdalena Henkel/dpa

Starke Gemeinschaft vor Ort

Viele Projekte werden laut Vosberg von engagierten Bürgerinnen und Bürgern gestemmt. Ein Beispiel für soziales Engagement sei ein Mehrgenerationen-Haus: Anfangs mit professioneller Begleitung, heute laufe es selbstständig. „Zu sagen: „So, und jetzt musst du aber alleine laufen können.“ Das ist, glaube ich, was vielen Kommunen schwerfällt.“

Zudem liege ein Augenmerk auf potenziellen Folgekosten durch Investitionen. Es gelte der Grundsatz: Ausgaben nur dann, wenn klar ist, dass die Kosten langfristig tragbar sind.

Das Konzept in Oberried lässt sich Vosberg zufolge auch anderorts anwenden. Bürgernähe, Prioritäten setzen und offene Kommunikation seien auch für größere Kommunen möglich. „Natürlich gibt es immer mehr Wünsche als Geld. Aber Geld ist eine endliche Ressource“, sagte er.