Dieser Baum bereitet den Boden für neuen Wald im Harz
Die als Baum des Jahres ausgezeichnete Art hat zahlreiche positive Eigenschaften. Noch ist sie im Harz aber kaum verbreitet: Warum das wohl auch so bleibt und um welchen Baum es geht.
Im Wind bewegen sich die Blätter wegen ihrer Form schnell - fast so als würden sie zittern.Swen Pförtner/dpa
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Wie ein rauschender Bach klingt es, wenn der Wind kräftig durch die Krone der Zitterpappel bläst. „Die Lautstärke ist auf Dauer nervenaufreibend, wenn man etwa auf dem Hochsitz ist“, sagt Förster Silas Tepper. In seinem Revier in Lautenthal im Harz stehen zahlreiche Exemplare der Baumart, die in diesem Jahr der „Baum des Jahres“ ist. Missen möchte er die Zitterpappeln trotz der Lautstärke nicht, denn in Zukunft könnte die Art immer wichtiger beim Erhalt seines Waldes werden.
Die Qualität der Baumart kommt im Harz vor allem auf Waldflächen zum Tragen, auf denen aktuell kein Wald steht. Und davon gibt es derzeit unzählige: Ein Zusammenspiel aus Klimawandel, Stürmen, Trockenheit und Schädlingskäfern haben zu einem Absterben fast aller Fichten im Harz geführt. Zurückgeblieben sind kahle Flächen, auf denen neuer Wald wachsen soll.
Zitterpappeln wachsen rasch.Swen Pförtner/dpa
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Und genau dabei kommt die Zitterpappel ins Spiel. Sie ist sozusagen ein Krisenspezialist. Die auch Aspe oder Espe genannte Art ist ein sogenannter Pionierbaum: Mit ihren sich im Wind schnell bewegenden - also quasi zitternden - Blättern siedelt sie sich auf unbewaldeten Flächen zuerst an. Auch Weiden oder Birken sind solche Pionierbaumarten. Ihre Samen fallen nicht wie bei vielen anderen Baumarten einfach zu Boden, sondern können im Wind mehrere Kilometer zurücklegen. Auch über die Wurzeln kann sich die Art ausbreiten.
„Zitterpappel total anpassungsfähig“
Einmal gekeimt, wachsen Zitterpappeln zunächst rasch - anfangs bis zu einem Meter im Jahr. Sie bereiten dabei die einst karge Fläche für andere Baumarten vor, die später unter ihnen wachsen, wie Michael Thätner - Leiter des Forstamts Seesen und Teppers vorgesetzter - sagt. Im Harz sind etwa Douglasien, Buchen oder Eichen diese Baumarten, die später von der Arbeit der Aspe profitieren.
Die Zitterpappel bietet ihnen Schutz vor zu viel Sonne und lockert den Boden mit ihren Wurzeln auf. Die Aspe selbst ist als Baumart anspruchslos: „Sie ist total anpassungsfähig, wächst auf praktisch jedem Boden und kann Frost wie Sonne ab“, sagt Thätner.
Förster Silas Tepper hat in seinem Revier vergleichsweise viele Zitterpappeln, die sein Vorgänger ihm hinterlassen hat.Swen Pförtner/dpa
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Beste Voraussetzungen also für das sich wandelnde Klima. Auch für Insekten und Vögel sei sie attraktiv - etwa als Nahrungsquelle oder als Wohnraum durch ihre leicht und häufig abbrechenden Äste. „Mehr als 60 Schmetterlingsarten nutzen ihre Blätter als Futterquelle, Spechte zimmern Höhlen in das weiche Holz, und viele Singvögel finden hier Nahrung“, schreibt die Baum des Jahres - Dr. Silvius Wodarz Stiftung.
Weltweit kommt die Art von Europa bis Asien und ein Teilen Afrikas vor und ist auch in Deutschland heimisch. Bisher machen die Bäume im Harz aber nur einen Bruchteil des Waldes aus. Im Raum Seesen etwa gerade einmal zwei Prozent. „Eine Eier legende Wollmilchsau ist auch diese Baumart nicht, aber sie ist ein Mosaikstein für den Wald der Zukunft“, sagt Thätner.
Viele verschiedene Baumarten für den Harz
Auf den einen Baum können Försterinnen und Förster im Harz ohnehin gut verzichten. Die gab es im Harz ab dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als praktisch nur schnell wachsende Fichten angepflanzt wurden, die Holz für den Wiederaufbau liefern sollten. Zuletzt wurde das dem Harz zum Verhängnis, weil die Monokultur den Wald anfällig gemacht hatte.
Die Zitterpappel ist ein Mosaikstein für den Wald der Zukunft, sagt Forstamtsleiter Michael Thätner.Swen Pförtner/dpa
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Schon seit einigen Jahrzehnten und vor dem Waldsterben der jüngsten zehn Jahre wird der Harz-Wald deshalb umgebaut. Mehr Mischwälder mit vielen verschiedenen Baumarten sollen her, damit andere Bäume einspringen können, wenn es wieder mal einer Baumart an den Kragen geht.
Zitterpappel hat keine Zukunft im ausgewachsenen Wald
Den Boden dafür sollen nun eben Bäume wie die Zitterpappel bereiten - dann aber Platz machen für den sogenannten Schlusswald. „In einem Mischwald wird die Aspe von anderen Baumarten wie Buche oder Eiche verdrängt, die irgendwann höher wachsen und ihr das Sonnenlicht nehmen“, erklärt Förster Tepper. Ohnehin ist die Lebensdauer einer Pappel mit rund 80 Jahren für einen Baum knapp bemessen - oft setzen ihr dann Pilze oder Krankheiten zu.
Aspenholz ist weich, hat aber eine gute Festigkeit.Swen Pförtner/dpa
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Ob und wie das dann anfallende Holz genutzt werden kann, wird derzeit übrigens von Forschern untersucht. „Obwohl es ein weiches Holz ist, hat es eine gute Festigkeit“, sagt Tepper. Die Verarbeitung zu Brettern sei etwa denkbar. Und auch in anderen Bereichen könne Holz - nicht nur das der Zitterpappel - in Zukunft zum Einsatz kommen. Tepper nennt Erdölersatzprodukte oder Dämmstoffe als Beispiel. Vielleicht kann die Baumart also zu einer kleinen Alternative zur Fichte werden, die im Harz nicht mehr die Rolle der Vergangenheit spielen wird. Bisher spiele die Art aber, auch wegen ihrer geringen Verfügbarkeit, keine Rolle in der Holzproduktion.
Als Pionierbaum bevölkern Zitterpappel karge Flächen zuerst.Swen Pförtner/dpa
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Bäume wie die Zitterpappel würden dann nur noch vereinzelt etwa an Waldrändern erhalten - sozusagen als Reserve, sagte Tepper. Damit sie schnell einspringen und sich wieder verbreiten kann, wenn äußere Einflüsse eine Lücke in den Wald reißen. Oder wie es die Baum des Jahres Stiftung beschreibt: „Ihr lebendiges Spiel im Wind erinnert uns daran, dass Bäume mehr sind als bloße Landschaftselemente - sie sind ein wichtiger Teil der Natur, den es zu bewahren gilt.“