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Diese Stichwahlen stehen im Fokus

In vielen niedersächsischen Kommunen entscheidet sich heute, wer die nächsten acht Jahre an der Spitze steht. Welche Duelle stechen heraus?

27.09.2026

Grünen-Politikerin Oshionwu hatte bei der OB-Wahl in Göttingen in Runde eins einen großen Vorsprung. (Archivbild)Stefan Rampfel/dpa

Grünen-Politikerin Oshionwu hatte bei der OB-Wahl in Göttingen in Runde eins einen großen Vorsprung. (Archivbild)Stefan Rampfel/dpa

© Stefan Rampfel/dpa

In 123 Stichwahlen in Niedersachsen werden heute hauptamtliche Spitzenbeamte wie Bürgermeister und Landräte bestimmt. Gewählt werden sie für die nächsten acht Jahre. 

Am häufigsten vertreten sind Kandidatinnen und Kandidaten der CDU (80) und der SPD (72), gefolgt von Einzelbewerberinnen und -bewerbern (69), Wählergruppen (13), Grünen (8), AfD (3) und Freien Wählern (1).

Ein Überblick über zehn besondere Stichwahlen, die heute im Fokus stehen.

HANNOVER STADT

Seine Wahl 2019 war eine kleine Sensation: Nach mehr als 70 Jahren SPD-Regentschaft in Hannover setzte sich mit Belit Onay erstmals ein Grünen-Politiker in der Landeshauptstadt durch. Reichten ihm damals noch 32,2 Prozent in Runde eins, um in eine Stichwahl gegen den CDU-Kandidaten einzuziehen, kratzte er diesmal mit 45,6 Prozent sogar an der direkten Wahl.

Entsprechend geht Onay als Favorit in die Stichwahl gegen den SPD-Herausforderer Axel von der Ohe, der 21,5 Prozent der Stimmen erhielt. Von der Ohe ist seit 2017 Finanz- und Ordnungsdezernent in Hannover.

Belit Onay ist seit 2019 Oberbürgermeister von Hannover. (Archivbild)Michael Matthey/dpa

Belit Onay ist seit 2019 Oberbürgermeister von Hannover. (Archivbild)Michael Matthey/dpa

© Michael Matthey/dpa

REGION HANNOVER

Anders als in der Stadt heißt es in der Region Hannover: SPD gegen CDU. Die meisten Stimmen in der ersten Runde erhielt die SPD-Kandidatin Eva Bender mit 30,6 Prozent vor CDU-Politiker Oliver Junk, der zehn Jahre lang Oberbürgermeister von Goslar war. Bender ist seit 2024 Bildungsdezernentin in Hannover.

Bislang war die Regionspräsidentschaft in der Hand der SPD, genauer gesagt: Der inzwischen nach Berlin gewechselte Steffen Krach hatte sie inne. Die Ermittlungen gegen ihn wegen eines Anfangsverdachts der Vorteilsnahme in zwei Fällen – wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Nachnutzung eines Klinikgeländes in Lehrte bei Hannover – belastete daher nicht nur seinen eigenen Berliner Wahlkampf, sondern auch den der SPD in Niedersachsen. Krach weist alle Vorwürfe zurück.

Die SPD-Kandidaten für Stadt und Region Hannover: Axel von der Ohe und Eva Bender. (Archivbild)Moritz Frankenberg/dpa

Die SPD-Kandidaten für Stadt und Region Hannover: Axel von der Ohe und Eva Bender. (Archivbild)Moritz Frankenberg/dpa

© Moritz Frankenberg/dpa

SALZGITTER

Die Oberbürgermeisterwahl in Salzgitter ist vor allem deshalb besonders, weil die AfD es hier – wie auch in den Städten Munster und Bockenem – in die Stichwahl geschafft hat. Sollte sie ein kommunales Spitzenamt erringen, wäre das ein Novum für die Partei in Niedersachsen.

In Salzgitter fordert die AfD-Politikerin Patricia Mair den langjährigen Amtsinhaber Frank Klingebiel von der CDU heraus, der bereits seit 2006 als Oberbürgermeister im Amt ist. In Runde eins erzielte Klingebiel 45,6 Prozent Zustimmung, Mair bekam 25,7 Prozent der Stimmen. Auch in den anderen beiden Stichwahlen mit AfD-Beteiligung lagen die AfD-Kandidaten in der ersten Runde deutlich hinter den führenden Bewerbern.

CDU-Politiker Klingebiel ist seit 20 Jahren Oberbürgermeister in Salzgitter. (Archivbild)Shireen Broszies/dpa

CDU-Politiker Klingebiel ist seit 20 Jahren Oberbürgermeister in Salzgitter. (Archivbild)Shireen Broszies/dpa

© Shireen Broszies/dpa

LANDKREIS OSNABRÜCK

Mit ihrer Wahl 2019 wurde Anna Kebschull zur nach Parteiangaben ersten Grünen-Politikerin an der Spitze eines Landkreises – zuvor hatten nur zwei Politiker der Grünen eine Landratswahl gewonnen. Diesmal tritt sie allerdings als Einzelbewerberin an. Sie begründet das damit, dass sie in den vergangenen Jahren gemerkt habe, „dass Politik nur funktioniert, wenn wir zusammenarbeiten und uns nicht von Parteibüchern einschränken lassen“.

Mit 33,8 Prozent erreichte sie in Runde eins im Landkreis Osnabrück den höchsten Stimmenanteil vor dem CDU-Kandidaten Thomas Spieker (25,0).

Anna Kebschull wurde als Grünen-Kandidatin zur Landrätin und tritt nun als unabhängige Kandidatin an. (Archivbild)Guido Kirchner/dpa

Anna Kebschull wurde als Grünen-Kandidatin zur Landrätin und tritt nun als unabhängige Kandidatin an. (Archivbild)Guido Kirchner/dpa

© Guido Kirchner/dpa

LÜNEBURG

Ähnlich wie Kebschull im Landkreis Osnabrück tritt auch in Lüneburg eine grüne Amtsinhaberin als Einzelbewerberin an: Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch sagt, sie wolle damit verdeutlichen, dass sie ihr Amt stets überparteilich und unideologisch geführt habe. Sie bleibe aber „weiterhin mit Herz und Seele Mitglied der Grünen“. In Runde eins lag sie mit 36,1 Prozent vor Heiko Meyer (28,2 Prozent) von der Wählergruppe Die Unabhängigen.

Die Grünen-Landesspitze sieht die Einzelbewerbungen ihrer beiden Amtsträgerinnen entspannt. Co-Landeschef Maximilian Strautmann sagte, beide seien weiterhin „mit grünem Profil“ zu erkennen und er sehe keine Distanz zur Partei. „Aber ich kann auch sehr verstehen, dass beide sagen, wir wollen ein Angebot für alle Menschen machen und eben nicht nur für Grüne.“

Lüneburgs Oberbürgermeisterin Kalisch ist ebenfalls als Grüne gewählt worden und tritt jetzt als Einzelbewerberin an. (Archivbild)Bodo Schackow/dpa

Lüneburgs Oberbürgermeisterin Kalisch ist ebenfalls als Grüne gewählt worden und tritt jetzt als Einzelbewerberin an. (Archivbild)Bodo Schackow/dpa

© Bodo Schackow/dpa

GÖTTINGEN

Eine neue Farbe im Rathaus wird es in jedem Fall in Göttingen geben. Amtsinhaberin Petra Broistedt (SPD) trat nicht erneut an – und der neue SPD-Kandidat Florian Dinger verpasste die Stichwahl. Die erreichten die Grünen-Politikerin Onyeka Oshionwu mit 41,4 Prozent und der CDU-Kandidat Ehsan Kangarani mit 27,9 Prozent. 

Kurios: Noch vor der Schließung der Wahllokale vor zwei Wochen hatte eine Werbefirma bereits erste Plakate der Grünen für die Stichwahl aufgehängt. Die Partei bedauerte das, der Aufruf zur Stichwahl wurde zeitweise überdeckt.

CDU-Kandidat Kangarani will einen Rückstand aus Runde eins in Göttingen wettmachen. (Archivbild)Swen Pförtner/dpa

CDU-Kandidat Kangarani will einen Rückstand aus Runde eins in Göttingen wettmachen. (Archivbild)Swen Pförtner/dpa

© Swen Pförtner/dpa

BRAUNSCHWEIG

Wie schon bei seiner ersten Wahl 2021 geht es für Oberbürgermeister Thorsten Kornblum von der SPD in eine Stichwahl gegen die CDU. Diesmal erreichte er in der ersten Wahlrunde 43,3 Prozent, vor CDU-Politiker Maximilian Pohler mit 17,2 Prozent. Mit fast 200.000 Wahlberechtigten ist die Stichwahl die zweitgrößte einer einzelnen Stadt in Niedersachsen, größer ist nur Hannover.

SPD-Politiker Kornblum steht seit 2021 an der Spitze von Niedersachsens zweitgrößter Stadt Braunschweig. (Archivbild)Moritz Frankenberg/dpa

SPD-Politiker Kornblum steht seit 2021 an der Spitze von Niedersachsens zweitgrößter Stadt Braunschweig. (Archivbild)Moritz Frankenberg/dpa

© Moritz Frankenberg/dpa

OLDENBURG

In Oldenburg lieferten sich der Landtagsabgeordnete Ulf Prange von der SPD und der Parteilose Jascha Rohr, der sowohl von den Grünen als auch von der CDU unterstützt wird, ein enges Rennen in Runde eins. Prange bekam 33,2 Prozent der Stimmen, Rohr erreichte 30,5 Prozent. Gesucht wird ein Nachfolger für Jürgen Krogmann (SPD), der seit 2014 als OB im Amt ist.

In Oldenburg sind Ulf Prange (SPD, links) und Grünen/CDU-Kandidat Jascha Rohr noch im Rennen. (Archivbild)Hauke-Christian Dittrich/dpa

In Oldenburg sind Ulf Prange (SPD, links) und Grünen/CDU-Kandidat Jascha Rohr noch im Rennen. (Archivbild)Hauke-Christian Dittrich/dpa

© Hauke-Christian Dittrich/dpa

OSNABRÜCK

In Niedersachsens viertgrößter Stadt Osnabrück hat eine CDU-Politikerin seit 2021 das Sagen: Katharina Pötter. Auch in Runde eins der diesjährigen OB-Wahl hatte sie die Nase vorn mit 42,2 Prozent vor dem grünen Landtagsabgeordneten Volker Bajus mit 22,3 Prozent. 2021 fand die Stichwahl auch zwischen diesen beiden Parteien statt, Pötter setzte sich seinerzeit mit 56 Prozent der Stimmen gegen die damalige Gegenkandidatin durch.

CDU-Politikerin Pötter ist seit 2021 als OB von Osnabrück im Amt. (Archivbild)Friso Gentsch/dpa

CDU-Politikerin Pötter ist seit 2021 als OB von Osnabrück im Amt. (Archivbild)Friso Gentsch/dpa

© Friso Gentsch/dpa

LANDKREIS GRAFSCHAFT BENTHEIM

Die Landratswahl in der Grafschaft Bentheim war vor zwei Wochen ein echter Krimi: Nur ein paar Hundert Stimmen trennten die drei Kandidaten. Auf Platz eins landete der auf YouTube als „Lehrerschmidt“ bekannte Einzelbewerber und Oberschulrektor Kai Schmidt mit 33,9 Prozent, ebenfalls die Stichwahl erreichte die SPD-Bewerberin Silvia Pünt-Kohoff mit 33,6 Prozent. CDU-Kandidatin Anja Terhorst scheiterte denkbar knapp dahinter mit 32,5 Prozent. 

Viele Niedersachsen sind heute noch einmal zum Gang ins Wahllokal aufgerufen. (Archivbild)Hauke-Christian Dittrich/dpa

Viele Niedersachsen sind heute noch einmal zum Gang ins Wahllokal aufgerufen. (Archivbild)Hauke-Christian Dittrich/dpa

© Hauke-Christian Dittrich/dpa