„Diese Kinder sterben“ – Hilferuf für suchtkranke Teenager
Eine Mutter kämpft für mehr Therapieplätze: Nach der Schließung der wohl größten Suchtklinik für Jugendliche in Deutschland erreicht Niedersachsens Landtag eine Petition.
Ein Mann hält eine Spritze für eine Fentanyl-Injektion in der Hand. (Symbolbild)David Maialetti/The Philadelphia Inquirer/AP/dpa
© David Maialetti/The Philadelphia Inquirer/AP/dpa
Mit einem eindringlichen Appell hat die Mutter einer suchtkranken Tochter vor dem niedersächsischen Landtag für mehr Therapieplätze für süchtige Jugendliche geworben. Sie hatte eine Petition initiiert, die sich gegen die bundesweit beachtete Schließung der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn richtet. Laut Petition fielen mit der Schließung etwa 60 von bundesweit nur 85 Rehabilitationsplätzen für Minderjährige weg.
Sie habe selbst erleben müssen, wie ihre 17-jährige Tochter während einer begonnenen Entgiftung ihren Klinikplatz verloren habe – vier Tage vor der geplanten Aufnahme, berichtete Julia Drüphake im Petitionsausschuss.
„Bis von ihnen nichts mehr übrig bleibt“
Trotz gerichtlicher Beschlüsse und Notfalleinweisungen gehe es vielen Familien so: „Meine Geschichte ist leider keine Ausnahme“, sagte sie. „Seit Monaten erleben wir eine Odyssee durch ein System, das angeblich Versorgung bereithält.“ Ohne Akutbehandlung konsumierten die Kinder aber weiter – nicht, weil sie es wollten, sondern wegen ihrer Erkrankung.
„Bis irgendwann von ihnen nichts mehr übrig bleibt“, warnte Drüphake. Im schlimmsten Fall würden diese Kinder sterben, weil keine Hilfe verfügbar war. „Diese Kinder sterben durch politische Untätigkeit.“
Früherer Klinikleiter warnt vor Opioidkrise
Die Klinik in Ahlhorn war nach eigenen Angaben die größte Einrichtung für suchtkranke Jugendliche in Deutschland. Sie musste nach 46 Jahren schließen, weil sich das Angebot nicht mehr finanzieren ließ. Dabei sei der Bedarf an Plätzen groß, sagte der Vorstand des Trägers Leinerstift, Wolfgang Vorwerk, vor dem Landtagsausschuss. „Wir laufen sehenden Auges in eine Opioidkrise hinein“, warnte er. Auch die Mediensucht nehme zu.
Die Petentin Drüphake schickte auch an die betroffenen Jugendlichen selbst eine Botschaft: „Ihr seid mehr als eure Sucht“, sagte die 40-Jährige. Die Kinder seien wertvoll, auch wenn sie selbst nicht daran glaubten. Und sie seien es wert, dass ihnen geholfen werde.