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„Die Elbe ist eine Diva“ – Was jetzt getan werden muss

Die Elbe führt derzeit extrem wenig Wasser. Professor Daniel Bachmann von der Hochschule Magdeburg-Stendal erklärt, warum solche Phasen häufiger werden könnten – und was nun helfen kann.

19.08.2026

Die Elbe führt derzeit außergewöhnlich wenig Wasser. (Archivbild) Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Die Elbe führt derzeit außergewöhnlich wenig Wasser. (Archivbild) Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Freiliegende Sandbänke, stillstehende Fähren und mitunter gefährliche Funde im Flussbett: Die Folgen von Niedrigwasser sind vielerorts sichtbar. Künftig könnten solche Situationen häufiger werden. In den vergangenen zehn Jahren seien an der Elbe auffällig häufig extreme Niedrigwasserstände erreicht worden, sagt Daniel Bachmann, Professor für Hydromechanik also die Lehre vom Verhalten und der Bewegung von Wasser – an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Vor allem im Sommer und Herbst sei häufiger mit ausgeprägtem Niedrigwasser zu rechnen.

„Was die Wasserstände und die Abflüsse angeht, ist das definitiv außergewöhnlich“, so Bachmann. Am Pegel Magdeburg-Strombrücke wurden zum Wochenstart 35 Zentimeter gemessen – zehn Zentimeter weniger als der bisherige Tiefststand aus dem Jahr 2019. 2025 waren erneut 45 Zentimeter erreicht worden. „Wir waren ab Mai im Niedrigwasserbereich. Das ist ein sehr langer Zeitraum“, erklärt Bachmann.

Freiliegende Sandbänke prägen derzeit vielerorts das Bild der Elbe. (Archivbild) Robert Michael/dpa

Freiliegende Sandbänke prägen derzeit vielerorts das Bild der Elbe. (Archivbild) Robert Michael/dpa

© Robert Michael/dpa

Für die Zukunft könnten sich die Extreme in beide Richtungen verschärfen. Häufigere Niedrigwasserphasen bedeuteten also nicht, dass Hochwasser der Vergangenheit angehöre. Auch damit müsse weiterhin gerechnet werden.

Regen muss im Einzugsgebiet fallen

Das derzeit vergleichsweise kühlere und wechselhaftere Wetter bedeutet nicht automatisch Entspannung. „Was wir jetzt brauchen, ist Regen“, sagt Bachmann. Entscheidend seien ergiebige Niederschläge im Einzugsgebiet der Elbe - etwa in Tschechien, der Sächsischen Schweiz sowie im Einzugsgebiet von Saale und Mulde.

Dass Niedrigwasser kein neues Phänomen ist, zeigen sogenannte Hungersteine mit teils jahrhundertealten Tiefständen. Vergleiche seien aber schwierig, weil sich das Flusssystem verändert habe. Heute stützen etwa Talsperren an der Moldau den Abfluss. „Von den derzeit rund 117 Kubikmetern Wasser pro Sekunde in der Elbe kommen etwa 40 Kubikmeter aus der Moldau-Kaskade“, sagt Bachmann.

Anhaltende Trockenheit lässt die Wasserstände der Elbe auf extreme Tiefstände sinken. (Archivbild) Jürgen Lösel/dpa

Anhaltende Trockenheit lässt die Wasserstände der Elbe auf extreme Tiefstände sinken. (Archivbild) Jürgen Lösel/dpa

© Jürgen Lösel/dpa

„Die Elbe ist eine Diva“

Besonders spürbar ist das Niedrigwasser für Fähren und Schifffahrt. „Die Elbe ist eine Diva“, sagt Bachmann. Regne es im Einzugsgebiet, steige der Wasserstand, bleibe Niederschlag aus, sinke er schnell. Anders als der Rhein habe die weitgehend frei fließende Elbe zudem keinen Gletscherzufluss.

Für die Güterschifffahrt sieht Bachmann deshalb nur begrenzte Möglichkeiten. Eine wichtige Rolle könne die Elbe weiterhin für Spezialtransporte spielen. Beim klassischen Frachtverkehr ist er skeptischer: „Die große Lebensader wie der Rhein war die Elbe nie und wird sie auch nicht sein.“ Denkbar seien allerdings Schiffe mit geringerem Tiefgang.

Wasser in der Landschaft halten

Niedrigwasser belastet auch die Natur. Besonders in kleineren Flüssen können Lebensräume und Rückzugsmöglichkeiten für Fische verschwinden.

Langfristig müsse Wasser stärker in der Landschaft gehalten werden, sagt Bachmann. In Landwirtschaft und Wäldern könne Regenwasser länger in der Fläche bleiben, statt schnell über Drainagen und Gräben abzufließen. So könne auch das Grundwasser gestärkt werden.

Eine schnelle Lösung gebe es nicht. Die Anpassung werde Jahre, womöglich Jahrzehnte dauern. Das Umdenken habe aber bereits begonnen. Die vergangenen Jahre zeigten jedoch, wie dringend die Anpassung ist, macht Bachmann deutlich. „Vielleicht trifft es uns jetzt doch ein bisschen härter, als wir ursprünglich gedacht haben.“