„Der Verrückte“: Startrainer droht frühes WM-Aus
Uruguays Trainer Marcelo Bielsa ist ein Gesicht dieser WM. Seine Mannschaft ist auch nicht schlecht besetzt. Trotzdem droht vor dem Spanien-Spiel das frühe Aus. Was läuft da schief?
Stammplatz auf der Eisbox: Uruguay Nationaltrainer Marcelo Bielsa beim WM-Spiel gegen Saudi-Arabien.Lynne Sladky/AP/dpa
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Als Pep Guardiola seine Spielerkarriere gerade beendet hatte, stieg er in ein Flugzeug nach Argentinien, um etwas über den Trainerberuf zu lernen. Er besuchte einen Mann, den alle „El Loco“ (Der Verrückte) nennen und dem im Fußball der Ruf eines Gurus anhaftet.
Eigentlich wollte sich Guardiola mit Marcelo Bielsa nur auf einen Morgenkaffee in dessen Haus treffen, doch er blieb sogar noch zum Grillen. Als „besten Trainer der Welt“, hat er den 70 Jahre alten Argentinier einmal bezeichnet. „Er versteht vom Fußball viel mehr als ich.“
Genau 20 Jahre später tritt Guardiola nach drei Champions-League-Siegen und zwölf Meistertiteln mit Manchester City, Bayern München und dem FC Barcelona gerade eine Pause an. Und sein großes Vorbild steht als Nationaltrainer von Uruguay vor der schwierigen Aufgabe, irgendwie noch das Vorrunden-Aus bei der Fußball-Weltmeisterschaft zu verhindern.
Der Meister und sein Vorbild: Trainerstar Pep Guardiola begrüßt Marcelo Bielsa beim Spiel von Manchester City bei Leeds United.Paul Ellis/PA Wire/dpa
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Nur Sieg gegen Spanien hilft sicher
Um sicher in die K.o.-Runde einzuziehen, brauchen die „Urus“ einen Sieg gegen Europameister Spanien (Samstag, 2.00 Uhr/ARD und Magenta TV). Und selbst Bielsa sagt: „Das ist eine gewaltige Herausforderung für uns.“
Denn die bisherigen Auftritte gegen die Außenseiter Saudi-Arabien (1:1) und Kap Verde (2:2) waren so lethargisch, so uninspiriert und desorganisiert, dass man stark zugespitzt schon fragen könnte: Woran arbeitet dieser von vielen so verehrte Trainer eigentlich im Training?
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— Selección Uruguaya (@Uruguay) June 23, 2026
Die großen Namen vergangener Turniere sind alle nicht mehr dabei: Diego Forlán, Luis Suárez oder Edinson Cavani spielen nicht mehr für Uruguay. Trotzdem ist das aktuelle Team mit Profis wie Fede Valverde (Real Madrid) oder Darwin Núñez (früher FC Liverpool) eigentlich immer noch stark genug besetzt, um bei einem derart aufgeblähten Wettbewerb die nächste Runde zu erreichen.
„Ich bin kein Modell“: Bielsa fällt auf
Aber selbst wenn das nicht klappen sollte, hat zumindest Bielsa seinen Platz in den WM-Rückblicken sicher. Der Starcoach fällt auf, weil er bei jedem Spiel auf einer Eisbox sitzt und in jedem Interview zu Boden schaut.
Es gibt bei dieser Weltmeisterschaft auch keinen anderen Trainer, der sich derart offen mit dem Weltverband FIFA anlegt. An den Trinkpausen während der Spiele arbeitet er sich seit Turnierbeginn ab („Sie bringen dem Spiel nichts und nehmen ihm viel weg“). Beim offiziellen Fotoshooting aller Spieler und Trainer vor der WM weigerte er sich, in die Kamera zu schauen („Ich bin kein Modell“).
Die eine Seite ist: Bielsa wurde mit zwei verschiedenen Clubs gleich viermal argentinischer Meister. Er führte Argentinien zum Olympiasieg 2004, Chile zur WM 2010 und Athletic Bilbao ins Europa-League-Finale 2012.
Bitteres Aus mit Argentinien
Aber eine Art Konstante in seiner Karriere ist auch, dass er viele seiner Mannschaften irgendwann überfordert und erschöpft. Kompromissloses Pressing. Manndeckung auf dem gesamten Platz. Dazu der Anspruch, alles bis zur Rasenpflege auf dem Trainingsplatz kontrollieren zu wollen.
Das argentinische Team des Jahres 2002 führte er als großer Titelfavorit zur WM. Und was an diesem Samstag auch mit Uruguay droht, wurde vor 24 Jahren mit bekannten Namen wie Gabriel Batistuta, Diego Simeone oder Mauricio Pochettino tatsächlich Realität: Sie schieden nach der Vorrunde aus.
„Marcelo Bielsa wird seine WM-Geister einfach nicht los“, titelte das Magazin „SoyFutbol“ in dieser Woche und stellte die Frage: Wird dieser Trainer einfach „überbewertet“?
Bielsa-Gegner: Uruguays Fußball-Idol Luis Suarez.Santiago Mazzarovich/dpa
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Harte Kritik von Suárez
Uruguays Altstar Suárez sieht das so. Er trat wegen Bielsa aus der Nationalmannschaft zurück und plauderte später in mehreren Interviews über seine Erfahrungen bei der Copa América 2024: „Es gab Spieler, die ein Treffen mit ihm vereinbarten, um den Trainer zu bitten, uns zumindest ‚Guten Morgen‘ zu sagen“, erzählte er. Mittlerweile spielt Suárez (39) zusammen mit Lionel Messi bei Inter Miami und wird von Uruguays Fans jedes Mal lautstark gefeiert, wenn er bei einem WM-Spiel auf der Tribüne zu sehen ist.
Bielsas Aufgabe macht das nicht leichter. Aber der Trainer blendet das weitgehend aus („Luis Suárez schuldet mir keine Entschuldigung“). Dazu kann er zumindest noch auf die Loyalität seiner jüngeren Spielen setzen: „Wir müssen selbstkritisch sein, Korrekturen vornehmen, hart arbeiten und den Kopf oben behalten“, sagte Nicolas de la Cruz vor dem Spanien-Spiel. „Oder wie wir in Uruguay sagen: Wir müssen Scheiße fressen!“.
Uruguays Trainer Marcelo Bielsa im Kreis seines Teams.Marta Lavandier/AP/dpa
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In der Kritik: Uruguays Trainer Marcelo Bielsa.Rebecca Blackwell/AP/dpa
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