dpa

Das sind Berlins jüngste Abgeordnete

Nur drei der 158 gewählten Abgeordneten im neuen Parlament sind im Jahr 2000 oder später geboren. Einer davon bezeichnet sich selbst als konservativ. Was haben die Neuen vor?

26.09.2026

Klara Schedlich will die Zahl der Gemeinschaftsschulen erhöhen.Marvin Zubrod/dpa

Klara Schedlich will die Zahl der Gemeinschaftsschulen erhöhen.Marvin Zubrod/dpa

© Marvin Zubrod/dpa

Fast die Hälfte der Abgeordneten im Berliner Parlament sind Neulinge. 73 der 158 gewählten Personen ziehen erstmals ins Abgeordnetenhaus ein, wie aus einer Parlamentsdatenbank hervorgeht. Der Frauenanteil steigt leicht auf 39 Prozent. 

Bislang war Klara Schedlich (Grüne) die jüngste Abgeordnete. Mit der neuen Legislaturperiode ändert sich das. Mit 22 Jahren ist nun Asya Senyüz von der Linkspartei das jüngste Mitglied im Abgeordnetenhaus. Es folgen Richard Gamp (23) von der CDU und Schedlich (26). Sie sind die einzigen Abgeordneten im Parlament, die im Jahr 2000 oder später geboren sind, wie der Landeswahlleiter mitteilte. Was haben die Neuen vor?

Asya Senyüz: Die Jüngste im Parlament

Asya Senyüz unterlag in ihrem Wahlkreis in Tempelhof-Schöneberg zwar knapp mit 27,2 Prozent der Grünen-Kandidatin Martina Zander-Rade (29,4 Prozent), zog aber über die Liste ihrer Partei ins Abgeordnetenhaus ein. Dort wird die 22-Jährige voraussichtlich zu Beginn der Legislaturperiode nicht gleich voll einsteigen können.

Auf ihrem Instagram-Account schreibt Senyüz, dass sie kurz nach Beginn des Wahlkampfes schwer krank geworden sei und Monate im Krankenhaus verbracht habe. Im November muss Senyüz abermals ins Krankenhaus, wie sie ihre Follower wissen lässt. „Ich hoffe aber sehr, dass ich Ende des Jahres wieder vollständig belastbar bin.“ Die Berliner Linksjugend Solid erklärte laut dem „Tagesspiegel“-Newsletter „Checkpoint“, dass sich Senyüz „Antimilitarismus und Palästina-Solidarität“ widmen wolle.

Richard Gamp teilt gegen linke Politik aus

Mit der Grünen Klara Schedlich hat CDU-Politiker Richard Gamp kaum etwas gemeinsam außer den Wahlkreis Reinickendorf. Den hat er gegen Schedlich gewonnen. Gamp bezeichnet sich selbst als konservativ und teilt auf Social Media gerne gegen linke Politik aus. 

Bei Instagram bekundete er Sympathien für AfD-Chefin Alice Weidel. Unter anderem sagte er über sie, dass sie „menschlich, glaube ich, vollkommen in Ordnung“ sei. Zu einer Debatte wolle er sie gerne mal treffen, sagte Gamp.

Eine Ablehnung jeder Zusammenarbeit mit der AfD sieht der CDU-Abgeordnete problematisch. „Parlamentarische Mehrheiten müssen sich an Inhalten und politischen Grundüberzeugungen orientieren, nicht an Brandmauern. Wir brauchen überparteilichen Diskurs und eine echte Auseinandersetzung in der Sache“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. 

Zu Gamps Kernthemen zählen Sicherheit, Bildung und Wohnungspolitik. Angesichts des Wohnungsmangels in Berlin ist er für eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes - „mindestens“, wie er sagt: „Ich will lieber neue Wohnungen statt ein Vogelschutzgebiet“. 

Sollte es zu einer rot-grün-roten Regierung in Berlin kommen, befürchtet Gamp, „dass in dieser Stadt der Linksradikalismus und der Sozialismus einkehren“. Sparen möchte er im öffentlichen Dienst - aber nicht bei der Polizei. Kritik übt er an der Jugendarbeit, die oft nicht effizient sei. Wichtiger sei, die Vereine zu stärken, anstatt vermehrt Sozialarbeiter einzustellen. 

Außerdem ist Gamp für eine Amtszeitbegrenzung von zwei Legislaturperioden und offen dafür, diese Begrenzung auf Parlamentarier auszuweiten. Heißt: Nach zehn Jahren wäre für Berliner Abgeordnete Schluss. Eine „gewisse Fluktuation“ halte er für richtig. 

Für immer möchte Gamp selbst ohnehin nicht in der Politik bleiben. Parallel zu seiner Mandatstätigkeit will der 23-Jährige an der Humboldt-Universität in Verfassungsrecht promovieren und das zweite Staatsexamen abschließen. Berufspolitiker sein, sagt Gamp, das wolle er nicht. 

Klara Schedlich: Mit 26 schon eine ganze Legislatur erlebt

Sie zählt trotz ihrer erst 26 Jahre und als drittjüngste Abgeordnete zu den Erfahrenen im Parlament. Bereits 2021 zog Klara Schedlich das erste Mal für die Grünen ins Abgeordnetenhaus ein. Dort kämpfte die Berlinerin für das Wahlalter ab 16 auf Landesebene: „Das war mein größter Erfolg“, sagt Schedlich über die Verfassungsänderung der vergangenen Legislaturperiode. 

Eines ihrer Kernthemen ist feministische Politik: „Mein größtes Ziel ist es immer, migrantische Frauen und junge Frauen zu ermutigen, sich einzubringen. Denn von uns gibt es noch zu wenige.“

Außerdem setzt sie sich für Mehrsprachigkeit an Schulen ein und will die Zahl der Gemeinschaftsschulen verdoppeln, an denen Schüler bis zu zehn Jahre durchgehend zusammen lernen. „Ich möchte klarmachen, dass es ein wertvoller Schatz ist, nicht nur Französisch zu sprechen. Türkisch, Arabisch und Bosnisch sind genauso wertvoll.“ 

Und dann sind da noch das Glücksspiel und die Sportwetten, denen die junge Berlinerin den Kampf ansagen will. Geht es nach ihr, sollen Werbung dafür verboten und Automaten aus Gaststätten verbannt werden. Vor der Glücksspiellobby wolle sie nicht zurückschrecken. „Ich habe immer Bock, mich mit den Großen und Mächtigen anzulegen, wenn es sein muss.“

Richard Gamp ist offen für Kürzungen bei der Jugendarbeit. Marvin Zubrod/dpa

Richard Gamp ist offen für Kürzungen bei der Jugendarbeit. Marvin Zubrod/dpa

© Marvin Zubrod/dpa