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„Das dunkle Vermächtnis“: Tod im Schatten der Himmelsscheibe

Eine runde Bronzeplatte mit Sonne, Mond und 32 Sternen steht im Mittelpunkt eines ARD-Thrillers. Die Himmelsscheibe von Nebra eignet sich fürs Übernatürliche, Unerklärliche und Rätselhafte. Wirklich?

14.03.2026

„Die Scheibe ist wieder da. Und mit ihr kommen Unglück und Tod“, sagt Floristin Agnes Schneider zur Tochter des Hauptverdächtigen. (Handout)Hans-Joachim Pfeiffer/ARD Degeto/dpa

„Die Scheibe ist wieder da. Und mit ihr kommen Unglück und Tod“, sagt Floristin Agnes Schneider zur Tochter des Hauptverdächtigen. (Handout)Hans-Joachim Pfeiffer/ARD Degeto/dpa

© Hans-Joachim Pfeiffer/ARD Degeto/dpa

Arko Haumann (Walter Plathe) hat vor Jahren einen echten Coup gelandet. Der inzwischen betagte Hobbyschatzsucher und sein Freund Paul Wenrich (Elmar Gutmann) haben im Wald eine runde Bronzeplatte mit Sonne, Mond und 32 Sternen gefunden. Jetzt liegt der Zeit seines Lebens von dem Fund besessene Haumann mit zwölf Messerstichen tot im Wald. „Sieht nach Übertötung aus“, wagt Kommissar Peter Ritter (Torben Liebrecht) am Tatort eine erste Einschätzung. Sowas, meint ein junger Polizeikollege verdutzt, passiere doch hier nicht. 

Das Erste zeigt den Thriller „Das dunkle Vermächtnis“ am heutigen Samstag (14.3.) um 20.15 Uhr. Das Drehbuch aus der Feder von Thomas Sieben („Distanz“) umspinnt die wahre Begebenheit des Fundes der mehr als 3.600 Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra mit allerhand Übernatürlichem, Unerklärlichem und Rätselhaftem. Sieben belegt in seinem Skript die wohl weltweit älteste Darstellung konkreter Himmelsphänomene mit einem Fluch, der das Leben vieler Menschen mit Unheil und einem dunklen Schicksal überschattet hat. 

Historische Platte bringt Unglück und Tod

Kurze nach dem Fund der Leiche wird der alte Wenrich festgenommen. Er hat seinem früheren Schatzsucherkumpel am Telefon mit dem Tode gedroht. Einmal unzertrennlich, hat die Entdeckung jener Bronzeplatte, die als Himmelsscheibe von Nebra Weltruhm erlangt, die Männer entzweit und zu verbissenen Feinden gemacht. „Die Scheibe ist wieder da. Und mit ihr kommen Unglück und Tod“, sagt Floristin Agnes Schneider (Barbara Philipp) zur Tochter des Hauptverdächtigen, die umständehalber aus Hamburg angereist ist. Für Kim Wenrich (Felicitas Woll) beginnt eine düstere Reise in ihre Vergangenheit. Hamburg muss warten. 

Für Ermittler Ritter bleibt es nicht bei einem Mord. Auch die geheimnisvolle Blumenladenbesitzerin Schneider wird getötet. Warum sie? Zurück in Nebra beginnt Kim Wenrich im Dreck der Vergangenheit zu wühlen, Geheimnisse zu lüften und die Distanz zwischen sich und dem smarten Kommissar aufzuweichen. Sie will ihren gesundheitlich angeschlagenen Vater als Mordverdächtigen entlasten. Doch der hat längst gestanden. Aber ist er wirklich ein kaltblütiger Killer, der zwei Menschen auf dem Gewissen hat? Oder schützt er nur jemanden?

Flashbacks in Traumwelten 

„Das dunkle Vermächtnis“ ist ein Mysterythriller mit dem erwartbaren flexiblen Verhältnis von Fakten und Fantasie. Der Zuschauer wird permanent mit Flashbacks von Kim Wenrich konfrontiert, die immer wieder in merkwürdigen Traumwelten aus ihrer Kindheit und Albträumen gefangen ist. Schnell ist klar, dass die junge Fotografin nicht nur Zeugin oder Ritters „Mitermittlerin“ ist - im plötzlichen, unwillkürlichen Wiedererleben des Scheibenfundes in einer engen Waldhöhle liegt der Schlüssel zur Aufklärung zweier Morde. Und in Kim selbst. 

Der von Regisseurin Ziska Riemann (Tatort „Wenn man nur einen retten könnte“) in Szene gesetzte Krimi ist hölzern konstruiert bis gewagt koloriert. Der Film scheint in einem Freilichtmuseum zu spielen, alles wirkt sonderbar aus der Zeit gefallen. Spannung kommt kaum auf, die Ermittlungen bleiben blass und der Zuschauer ist dem smarten Kommissar immer einen Schritt voraus. „Sie ist schuld, dass er gestorben ist“, sagt Agnes Schneider vor ihrem Tod zu Ritter. Und Paul Wenrich hat auf ein Blatt Papier gekritzelt: „Ich glaube nicht an den Fluch. Das Böse steckt am Ende immer in uns.“ 

Film am tatsächlichen Fundort gedreht

Gedreht wurde 2024 in und um Berlin und im sachsen-anhaltischen Nebra. Nahe dieser Kleinstadt im Unstruttal fanden zwei Raubgräber 1999 die Himmelsscheibe - einer der bedeutendsten archäologischen Funde Deutschlands. 2002 wurde die Himmelsscheibe in der Schweiz sichergestellt. Zwei Hehler hatten den Schatz von den Raubgräbern erworben und wurden bei einer fingierten Verkaufsaktion in Basel geschnappt. Sie wurden rechtskräftig verurteilt. 2013 wurde die Scheibe in das Unesco-Dokumentenerbe aufgenommen. Das Original befindet sich im Landesmuseum Halle.