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Warum die SAP-Aktie zweistellig einbricht

Der Softwareriese SAP wächst deutlich zweistellig und verdient Milliarden. Trotzdem rauscht die Aktie ab. Was hinter dem Einbruch steckt - und was Konzernchef Christian Klein dazu sagt.

29.01.2026

 Die Aktie fiel am Donnerstag zwischenzeitlich um rund 16 Prozent auf 165 Euro – und damit auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren.Uwe Anspach/dpa

Die Aktie fiel am Donnerstag zwischenzeitlich um rund 16 Prozent auf 165 Euro – und damit auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren.Uwe Anspach/dpa

© Uwe Anspach/dpa

Die SAP-Aktie ist kräftig abgesackt – und das, obwohl Europas größter Softwarehersteller wächst und mehr Gewinn macht. Das Unternehmen aus Walldorf in Baden-Württemberg konnte seine Zahlen zwar verbessern und hat ehrgeizige Ziele für 2026. Dennoch sorgen die Auftragszahlen im wichtigen Cloudgeschäft dafür, dass die Aktie zwischenzeitlich um rund 16 Prozent auf 165 Euro fiel – und damit auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren.

Einen größeren Tagesverlust gab es im Herbst 2020, als SAP wegen eines Strategieschwenks hin zur Cloud die Geschäftsziele drastisch zusammenstrich. Der aktuelle Kursrutsch belastete auch den deutschen Leitindex Dax.

„Ich mache diesen Job jetzt seit sechs Jahren. Ich habe viele Höhen und Tiefen erlebt“, sagte Vorstandschef Christian Klein bei der Bilanzvorlage in Walldorf. Der aktuelle Aktienkurs sei nicht schön. Aber er sei sich sicher, dass SAP „einzigartig positioniert“ sei, um das Rennen bei Künstlicher Intelligenz (KI) im Geschäftsbereich zu gewinnen. Nun sei es wichtig, sich voll und ganz auf die Umsetzung der eigenen Strategie zu konzentrieren - unabhängig vom Kapitalmarkt. „Dann werden wir auch wieder andere Zeiten erleben.“

Cloudgeschäft sorgt für Sorgenfalten

Der Grund für den Kursrutsch liegt vor allem im Cloudgeschäft. Die aktuelle Generation von SAP-Software wird nämlich in Rechenzentren betrieben. Die Kunden nutzen diese dann über das Internet. An die Stelle der einmaligen Lizenzverkäufe treten also regelmäßige Abogebühren. 

Das ist ein Wachstumstreiber. Im vergangenen Jahr wuchs der Auftragsbestand in der Cloud auf Sicht von zwölf Monaten (sogenannter Current Cloud Backlog) um währungsbereinigt 25 Prozent. Das Wachstum war also hoch - fiel allerdings etwas niedriger aus als erwartet. Klein hatte im Dezember gesagt, dass so ein Wert eine Enttäuschung wäre. Ziel waren demnach mindestens 26 Prozent.

Vorstandvorsitzender Christian Klein (l) und SAP-Finanzchef Dominik Asam legten die neuen Zahlen vor. Uwe Anspach/dpa

Vorstandvorsitzender Christian Klein (l) und SAP-Finanzchef Dominik Asam legten die neuen Zahlen vor. Uwe Anspach/dpa

© Uwe Anspach/dpa

Auch im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen mit weniger Wachstum beim kurzfristigen Vertragsbestand. Finanzchef Dominik Asam sagte, der Rückgang der Wachstumsrate werde aber nicht so deutlich ausfallen wie zuletzt. Anleger sind empfindlich, wenn es um diese Kennzahl geht. Sie beschreibt, wie viel an Umsatz aus bereits geschlossenen Verträgen über eine bestimmte Zeit in der Zukunft hereinkommt - in diesem Fall auf Sicht der kommenden zwölf Monate. Die Kennzahl ist damit ein guter Gradmesser für die Kundennachfrage. 

SAP verweist auf Verzögerungen

„Offen gesagt ist dies eine stärkere Verlangsamung als wir erwartet hatten - und mehr als die leichte Abschwächung, die wir zu Beginn des letzten Jahres prognostiziert hatten“, sagte Asam. SAP selbst erklärt die niedrigeren Zahlen teilweise mit Verzögerungen bei Großaufträgen.

Grundsätzlich profitiert der Konzern nach Angaben des Finanzchefs weiter von einer guten Nachfrage - auch, weil Kunden angesichts der geopolitischen Lage mehr und mehr auf Datensouveränität setzen. SAP sei in diesem Segment zwar sehr gut positioniert, die Verhandlungen über diese komplexen Aufträge dauern aber länger. Und auch die Umsetzung nehme mehr Zeit in Anspruch als bei einfachen Standardangeboten, hieß es. 

Umsatz und Gewinn deutlich gestiegen

2025 stieg der Umsatz des Konzerns dank des starken Plus bei Cloudsoftware um acht Prozent auf 36,8 Milliarden Euro. Der schwache Dollar bremste dabei erheblich und kostete beim Umsatzanstieg drei Prozentpunkte. Das bereinigte operative Ergebnis legte unter anderem wegen der Einsparungen durch einen großen Personalumbau um 28 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro zu und fiel damit etwas besser aus als von Experten geschätzt.

Unter dem Strich wuchs der Nettogewinn auf 7,5 Milliarden Euro, das war mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Im Vorjahr hatten Stellenstreichungen mit Milliardenkosten belastet. Diesmal legte SAP 174 Millionen Euro für einen alten Rechtsstreit in den USA mit der dortigen Firma Teradata zurück. 

2026 will das SAP-Management das Umsatzwachstum weiter beschleunigen und erneut profitabler werden. Der Produktumsatz mit Cloudsoftware und herkömmlichen Lizenzen soll währungsbereinigt um 12 bis 13 Prozent zulegen, die Cloudsoftware zur Nutzung über das Netz allein um 23 bis 25 Prozent.

Schwieriges Umfeld für Softwareaktien

Das aktuell schwierige Marktumfeld für Softwarewerte belastet die SAP-Aktie zusätzlich. Viele Investoren sind vorsichtig, weil die rasante Entwicklung von KI und neue Wettbewerber die Branche verändern. Bereits vor dem Einbruch am Donnerstag hatte das Papier im Vergleich zum Rekordhoch vor einem Jahr rund 30 Prozent eingebüßt. 

Der Kursrutsch bei SAP belastete auch den deutschen Leitindex Dax. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

Der Kursrutsch bei SAP belastete auch den deutschen Leitindex Dax. (Archivbild)Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

Das Unternehmen kündigte ein neues Aktienrückkaufprogramm im Wert von 10 Milliarden Euro über zwei Jahre an. SAP kauft regelmäßig Aktien für das eigene aktienbasierte Vergütungssystem der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurück - das dürften nach SAP-Angaben pro Jahr 1,5 bis 2 Milliarden Euro sein. Der Rest geht an die Aktionäre. 

Aktienrückkäufe sind bei großen Investoren beliebt, weil sie unter anderem den Gewinnanteil je verbleibender Aktie erhöhen. Allerdings gibt es auch Kritik, dass das Geld dann für Investitionen in eigene Produkte fehlt und lediglich der Kurspflege dient.