Bundeswehr macht Hunderte Besuche an Sachsens Schulen
Planspiele, Vorträge, Truppenbesuche – die Bundeswehr ist an Sachsens Schulen regelmäßig präsent. Doch daran gibt es auch Kritik.
Jugendoffiziere der Bundeswehr informieren auf Anfrage in Schulklassen über Sicherheitspolitik und die Bedeutung von Soldaten. (Symbolbild)Pia Bayer/dpa
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In Sachsen besucht die Bundeswehr jährlich Hunderte Schulklassen. Im vergangenen Jahr gab es 374 Termine an Schulen, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervorgeht. Zusätzlich fanden demnach zwei Termine an Hochschulen statt. Das waren etwa 50 Besuche weniger als 2024. Im Vergleich zu 2021 ergab sich jedoch ein Anstieg um etwa 40 Prozent.
Bundesweit hat die Bundeswehr in den ersten drei Monaten dieses Jahres demnach mehr als 2.000 Mal Schulen besucht, die mit Abstand meisten davon in Bayern (562). In Sachsen waren es 35 Termine, 46 weitere sind geplant.
Jugendoffiziere besuchen Schüler ab der 9. Klasse
Für die Besuche der Bundeswehr an Schulen gibt es laut Angaben des Bundesverteidigungsministeriums zwei Formate: Informationsveranstaltungen von Jugendoffizieren und Termine von Karriereberatern.
Jugendoffiziere kommen auf Einladung von Lehrkräften an die Schulen. Ihre Angebote richten sich an Schülerinnen und Schülern ab der neunten Klasse bis hin zur gymnasialen Oberstufe sowie an Berufsschulen und sollen einen Beitrag zur politischen Bildungsarbeit leisten. Jugendoffiziere halten beispielweise Vorträge über Sicherheitspolitik oder erläutern den Kernauftrag der Bundeswehr. Sie organisieren auch Planspiele zu internationaler Politik und Sicherheit sowie Truppenbesuche für Schulklassen.
In Sachsen gab es laut Angaben der Bundesregierung Informationsveranstaltungen etwa in Schleife (Landkreis Görlitz) und Delitzsch (Landkreis Nordsachsen). Für verschiedene sächsische Schulen waren zudem Besuche des Ausbildungskommandos und der Panzertruppenschule vorgesehen.
Karriereberater informieren zusätzlich
Ergänzend besteht für Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich bei Karriereberatern zu informieren. Dies umfasst unter anderem Informationsvorträge im Rahmen der Berufs- und Studienorientierung, Bewerbungstrainings, Workshops sowie Angebote wie Sporttests im Sportunterricht oder Informationen zu Praktika und Schnuppercamps. In Sachsen listet die Bundesregierung für dieses Jahr geplante Termine mit Karriereberatern etwa an Schulen in Hainischen (Landkreis Mittelsachsen), Lohsa (Landkreis Bautzen) und Leipzig auf.
Eine individuelle Beratung findet hingegen nicht an Schulen, sondern ausschließlich in den Karrierecentern und Karriereberatungsbüros der Bundeswehr statt. In Sachsen befinden sich diese in Bautzen, Chemnitz, Dresden, Leipzig und Zwickau. Dort werden die zivilen und militärischen Laufbahn- und Berufsmöglichkeiten vorgestellt.
In Sachsen sind die Besuche der Bundeswehr an Schulen zusätzlich über eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Kultusministerium und der Bundeswehr geregelt. Die Referenten dürfen demnach im Unterricht nicht um Nachwuchs für die Truppe werben. Zudem müssen in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierte Themen auch entsprechend im Unterricht behandelt werden. Schulen können selbst entscheiden, ob und wie sie das Angebot in den Unterricht einbauen.
Linke kritisiert Ausbau der Auftritte als Irrweg
Bundesweit gab es im vergangenen Jahr in Flächenländern wie Bayern (1.114), Nordrhein-Westfalen (862) und Niedersachsen (844) die meisten Besuche von Bundeswehr-Vertretern an Schulen. Der Leipziger Bundestagsabgeordnete Sören Pellmann (Linke) kritisierte jedoch, Sachsen rangiere im Verhältnis zur Anzahl an Schülerinnen und Schüler seit Jahren auf den vorderen Plätzen.
Den Ausbau der Präsenz der Bundeswehr an Schulen bezeichnete Pellmann als gefährlichen Irrweg. „Kinder und Jugendliche dürfen nicht schrittweise an Militär und Krieg als Normalität gewöhnt werden.“ Wenn Soldaten im Unterricht auftreten würden, brauche es gleichberechtigt zivile Stimmen, etwa von Kriegsdienstverweigerern und Friedensinitiativen.
GEW fordert verschiedene Perspektiven
Dieser Forderung schloss sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Sachsen an. Gerade in Krisenzeiten sei es wichtig, dass Schüler verschiedene Perspektiven kennenlernten, daher müssten zivilgesellschaftliche Akteure in Schulen stärker gehört werden, forderte die stellvertretende Vorsitzende der GEW Sachsen, Claudia Maaß. „Statt „kriegstüchtiger Bildung“ brauchen wir eine Bildung, die auf Frieden, Demokratie und diplomatische Konfliktlösungen ausgerichtet ist.“ Schule sei kein Ort für Militärwerbung.
Ministerium: Teilnahme freiwillig
Das Bundesverteidigungsministerium wies die Kritik zurück. Bereits seit mehr als 60 Jahren seien Angehörige der Bundeswehr auf Einladung an Schulen tätig, teilte eine Sprecherin mit. Die Teilnahme ist für Schülerinnen und Schüler demnach stets freiwillig.
Die Jugendoffiziere betreiben keine Personalgewinnung oder Nachwuchswerbung, wie die Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums betonte. Interessierte Schülerinnen und Schüler werden demnach an die Karriereberatung verwiesen, bei der die Bundeswehr als Arbeitgeberin im Mittelpunkt steht.