Bürgerschaft streitet über Olympia - „großes Hamburger Ding“
Das zweite Mal in Folge debattiert die Bürgerschaft über die vom Senat gewünschte Olympia-Bewerbung. Die Positionen sind ausgetauscht und gehen auseinander. Doch der Ton wird schärfer.
Die Bürgerschaftsdebatte über das Für und Wider einer Olympiabewerbung nutzen Befürworter und Gegner zu gegenseitigen Vorwürfen. Joshua Leive/dpa
© Joshua Leive/dpa
Gut fünf Wochen vor dem Referendum über eine Hamburger Olympiabewerbung werden die Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern in der Bürgerschaft tiefer. Während Linke und AfD erneut vor den Risiken einer Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 warnten, warfen ihnen SPD, Grüne und CDU vor, Hamburg schlechtzureden und der Stadt die sich aus einer Bewerbung ergebenden Chancen zu verweigern.
Die Austragung Olympischer und Paralympischer Spiele könnten „das Selbstbewusstsein und das Lebensgefühl in einer ganzen Stadt verändern“, sagte die Zweite Bürgermeisterin und Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne). „Das kann ein richtig großes Hamburger Ding werden.“
Senat wirft Olympia-Gegnern „Fake News“ vor
In Hamburg sähen viele Menschen die Chancen einer Bewerbung „quer durch die gesamte Stadtgesellschaft“, sagte Innen- und Sportsenator Andy Grote (SPD) in der Aktuellen Stunde, die die Linke unter dem Titel „NEIN zu Olympia. Für Hamburg!“ angemeldet hatte.
Grote warf den Linken „Desinformation“ und „Fake News“ vor, weil sie immer nur auf die zu erwartenden Kosten in Höhe von sechs Milliarden Euro verweisen, die Einnahmen durch Olympia aber verschweigen würden. Natürlich gebe es Risiken, „aber die Chancen überwiegen bei weitem“, sagte er. „Es gibt keinen Grund für Angst.“
Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) versprach: „Es wird für Olympia keinerlei Kürzungen in anderen Bereichen geben - jetzt und in Zukunft.“ Zugleich verwies er auf Investitionen, die eine erfolgreiche Bewerbung der Stadt bringen würde. Nichts werde den Bund so motivieren, diese Gelder in die Stadt zu leiten, wie die Spiele, sagte Dressel.
Linke: Rot-Grün rechnet Olympia schön
Bei der Eröffnung der Debatte hatte Linken-Fraktionschefin Heike Sudmann dem rot-grünen Senat vorgeworfen, absehbare Kosten - etwa für die Sicherheit - aus der Kalkulation herauszulassen und auf noch nicht zugesagte Zuschüsse von Bund und IOC zu vertrauen. „Da kommen noch etliche Milliarden auf uns zu“, warnte sie. Statt verantwortungsvoll zu handeln, lege der Senat die Zukunft der Stadt in die Hände des IOC - „des korrupten IOC“, sagte sie.
Die AfD stellte die Kompetenz des Senats generell infrage, Großereignisse wie Olympische Spiele durchzuführen und für deren Sicherheit zu sorgen. Zudem hätte man die Bürgerinnen und Bürger der Stadt ganz am Anfang der Überlegungen über eine Bewerbung abstimmen lassen müssen, sagte die Abgeordnete Antje Hebel.
CDU wirbt für Ja für Olympia in Hamburg
Linke und AfD sähen „Chancen und Impulse für unsere Stadt grundsätzlich verdächtig, ganz egal, worum es geht“, sagte CDU-Fraktionschef Dennis Thering. Es sei bereits klar, dass sich Deutschland um die Spiele bewerben werde. Die Frage sei nur, „gehen sie nach München, nach Berlin, nach NRW oder nach Hamburg“, sagte er. „Wer Hamburg stärken will, wer Zukunft gestalten will und wer an die Kraft des Sports glaubt“, müsse Ende Mai mit Ja stimmen.
In Zeiten, in denen der Alltag vieler durch Krisen, Kriege und Klimawandel geprägt sei, fehle ein überparteiliches Bild, „wie Zukunft gelingen kann“, sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Sina Imhof. Olympische Spiele böten die Chance, den Menschen zu zeigen, „dass Zukunft gestaltbar ist, wenn wir sie nur gemeinsam anpacken“.