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Brutale Attacke auf jüdischen Studenten – Berufungsprozess

Ein jüdischer Student wird in Berlin brutal zusammengeschlagen. Ein Ex-Kommilitone gesteht die Tat vor Gericht, bestreitet aber ein antisemitisches Motiv. Erneut prüft ein Gericht den Fall.

05.03.2026

Der jüdische Student Lahav Shapira (r.) udn sein Anwalt Sebastian Scharmer stehen im Gerichtssaal. (Archivbild) Elisa Schu/dpa

Der jüdische Student Lahav Shapira (r.) udn sein Anwalt Sebastian Scharmer stehen im Gerichtssaal. (Archivbild) Elisa Schu/dpa

© Elisa Schu/dpa

Mehr als zwei Jahre nach einem brutalen Angriff auf den jüdischen Studenten Lahav Shapira beschäftigt der Fall weiter die Justiz. Vor dem Landgericht Berlin hat der Berufungsprozess gegen einen 25-Jährigen begonnen. Der Angeklagte wehrt sich gegen eine Haftstrafe von drei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung, die das Amtsgericht Tiergarten im April 2025 verhängt hatte. Es habe sich um einen „antisemitischen Gewaltexzess“ gehandelt, hieß es im Urteil der ersten Instanz.

Der frühere Lehramtsstudent der Freien Universität (FU) und das Opfer waren sich am 2. Februar 2024 – vier Monate nach dem Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 – zufällig in einer Bar in Berlin-Mitte begegnet. Als Shapira das Lokal verließ, folgte ihm der inzwischen 25-Jährige. Laut Urteil des Amtsgerichts schlug er seinen früheren Kommilitonen mit der Faust nieder. Als der Attackierte blutend am Boden lag, sei ein wuchtiger Tritt gegen den Kopf gefolgt. Das Opfer erlitt Knochenbrüche im Gesicht und eine Hirnblutung. 

„Ich sah ziemlich verbeult aus“, schilderte der 32-Jährige vor Gericht. Er habe danach zu Hause bleiben und seine Mutter habe sich um ihn kümmern müssen. Er habe später Seminare an der Uni nachholen müssen. „Ich habe ein halbes Jahr vom Leben verpasst“, so Shapira, der Nebenkläger im Verfahren ist. 

Angeklagter bestreitet Antisemitismus

Der Angeklagte räumte die Gewalttat wie bereits im ersten Prozess ein. Die wesentliche Motivlage sei jedoch eine vollkommen andere, hieß es in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung. Es gebe keine Beweise für eine antisemitische Tat, so der Verteidiger. Der 25-Jährige sagte, er habe Shapira nicht so schwer verletzen wollen. „Ich möchte mich für das Leid und die Schmerzen, die Shapira erlitten hat, entschuldigen“, erklärte der Angeklagte, der inzwischen als Vertriebsmitarbeiter tätig ist. 

Die Verteidigung hatte im ersten Prozess auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten wegen vorsätzlicher Körperverletzung plädiert. Für die Berufungsverhandlung sind bislang drei Tage bis zum 23. März terminiert.

Shapira klagt gegen Hochschule

Erst im Februar hatte ein anderer Vorfall an der Universität das Landgericht beschäftigt: Damals ging es darum, dass Shapira bei einer propalästinensischen Besetzung im Dezember 2023 der Zugang zu einem Hörsaal der Hochschule verwehrt wurde. Das Verfahren gegen einen bei der Aktion eingesetzten Ordner wurde jedoch gegen eine Geldauflage von 450 Euro eingestellt. 

Shapira, Bruder des deutsch-jüdischen Comedians Shahak Shapira, wirft der FU vor, sie unternehme nicht genug gegen antisemitische Diskriminierung. Eine Klage des Studenten gegen die Universität beschäftigt das Verwaltungsgericht Berlin. Dazu soll nach Angaben eines Gerichtssprechers am 23. März weiter verhandelt werden.