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Brandenburgs erste Kinderschutzambulanz eröffnet

Spielzeuge helfen in einer Kinderschutzambulanz, die es erstmals auch in Brandenburg gibt: In extra geschützten Räumen können sich Ärztinnen und Ärzte ganz auf Kinder in Not konzentrieren.

15.04.2026

In einem geschützten Raum können Kinder bei Verdacht auf Missbrauch untersucht werden.Bernd von Jutrczenka/dpa

In einem geschützten Raum können Kinder bei Verdacht auf Missbrauch untersucht werden.Bernd von Jutrczenka/dpa

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Wenn Kinder womöglich misshandelt oder missbraucht worden sind, kann das Jugendamt in Potsdam sie nun in eine Kinderschutzambulanz schicken. Am Klinikum Ernst von Bergmann ist die landesweit erste Einrichtung dieser Art eröffnet worden, wie das Gesundheits- und Jugendministerium mitteilte. Hier können Ärztinnen und Ärzte die Kinder in Not in einem geschützten Raum untersuchen - statt in der Rettungsstelle oder auf der Station, wie Petra Degenhardt, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie sagte. Brandenburg war bisher das einzige Bundesland, das noch keine Kinderschutzambulanz hatte.

Weitere Kinderschutzambulanzen in Brandenburg sollen „für eine flächendeckende Versorgung“ entstehen - die nächste wird nach Angaben der Ministerien Ende April in Eberswalde offiziell eröffnet. Auch Frankfurt/Oder, Neuruppin, Lauchhammer und Cottbus sind im Gespräch. 

Folgefinanzierung ist noch im Unklaren

170.000 Euro aus Lotto-Mitteln stellten die Ministerien als Anschubfinanzierung der Kinderschutzambulanzen zu Verfügung: Das sei „eine Unzulänglichkeit“, wie es Gesundheitsminister René Wilke (SPD) bei der Eröffnung in Potsdam nannte. Eine Folgefinanzierung sei bisher nicht geklärt. Sowohl Gesundheits- als auch Jugendministerium hätten Mittel für die nächsten Haushalte angemeldet. „Doch angemeldet bedeutet noch nicht bestätigt.“

Auch Jugendminister Gordon Hoffmann (CDU) sprach von einem „durchaus langen Weg“. Er drückte den Menschen, die sich um misshandelte Kinder kümmern, seinen großen Respekt aus: „Dafür braucht es eben nicht nur Expertise, sondern auch Einfühlungsvermögen und Sensibilität.“ Spielzeug, Bücher und etwa ein Puppenhaus in der Kinderschutzambulanz sollen es dem Kind erleichtern, von seinen Erlebnissen zu erzählen und sich untersuchen zu lassen.

Jugendamt weist Fälle zu - auch nach Hinweisen etwa aus Kitas

Dringlich äußerte sich auch Potsdams Oberbürgermeisterin Noosha Aubel (parteilos), die früher in der Jugendhilfe gearbeitet hat: „Ich habe Familien kennengelernt, in denen die Kampfhunde die Windeln gefressen haben und in denen Kleinkinder den Eltern Rauschmittel reichen mussten.“ Sie wünsche dem Team um die neue Kinderschutzambulanz möglichst wenige Fälle, sagte sie bei der Eröffnung.

Zugewiesen werden die betroffenen Kinder den Ambulanzen durch das Jugendamt - beispielsweise nach Hinweisen aus Kitas, Schulen oder von Kinderärzten. 2024 gab es in Brandenburg 8.501 Verfahren zur Abklärung einer möglichen Gefährdung des Kindeswohls. Nach Einschätzung der Jugendämter ist in etwa zehn Prozent der Fälle eine weitergehende Begutachtung erforderlich.

Ein Puppenhaus kann bei der Untersuchung der Kinder helfen.Bernd von Jutrczenka/dpa

Ein Puppenhaus kann bei der Untersuchung der Kinder helfen.Bernd von Jutrczenka/dpa

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