Bisher 1:27 Tore: Amateur-Coach zum fünften Mal im DFB-Pokal
Er war schon viermal als Trainer in der ersten Pokalrunde dabei. Seine Bilanz ist 1:27 Toren. Dennoch ist Kristian Arambasic weiter motiviert. Der nächste Versuch mit dem nächsten Verein steht bevor.
Trainer Kristian Arambasic damals noch im Dienst für BSV Rehden. (Archivbild)David Inderlied/dpa
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Kristian Arambasic ist ein routinierter Pokal-Trainer. Zumindest, wenn es um die erste Runde des DFB-Pokals geht. Wer außer ihm hat es geschafft, an diesem Sonntag zum fünften Mal mit dem vierten Amateurverein an einer Pokal-Sensation zu arbeiten? „Ich kenne keinen“, sagte der 49-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.
Seine Bilanz im DFB-Pokal liest sich allerdings verheerend: 1:27 Tore nach vier Partien. An diesem Sonntag droht das nächste schnelle Aus, wenn er mit Fußball-Viertligist SSV Jeddeloh II den Bundesliga-Absteiger 1. FC Heidenheim empfängt (13.00 Uhr/Sky).
„Das gallische Dorf gegen die Römer“
David gegen Goliath. Oder wie Arambasic sagt: „Du spielst als das gallische Dorf gegen die Römer. Jeddeloh, das ist gefühlt eine Kreuzung, da ist dann unser Platz und acht Häuser. Das war es.“
Arambasic 2022 im Austausch mit Sandhausens Trainer Alois Schwartz (l). (Archivbild)David Inderlied/dpa
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Es gibt allerdings einen großen Irrglauben rund um seinen Verein, zu dem er erst vor dieser Saison gewechselt ist. Jeddeloh II ist nicht die zweite Mannschaft des Vereins aus der Nähe von Oldenburg in Niedersachsen. Sondern der kleine Ort heißt wirklich so. Nachbardorf Jeddeloh I liegt vier Kilometer nördlich. Für das große Pokalspiel zieht der kleine Club aus der Regionalliga Nord in das Oldenburger Marschweg-Stadion um.
Dafür gibt es in Arambasic‘ Mannschaft die typischen Pokalgeschichten. Die meisten Spieler arbeiten und studieren nebenbei. Vier Polizisten sind dabei, die manchmal auch wegen ihres Jobs ein Spiel absagen.
2013 „ein besonderes Spiel“ gegen Hoffenheim
2013 ging die Pokalreise des Kristian Arambasic los. Mit dem Bremen-Ligisten SG Aumund-Vegesack nahm er es mit der TSG Hoffenheim auf. Auf der Gegenseite standen der spätere Weltklasse-Profi Roberto Firmino und die gestandenen Bundesliga-Spieler Anthony Modeste sowie Kevin Volland. Das Ergebnis: 0:9. Doch die erste Hälfte endete torlos.
„Das war so ein besonderes Spiel und war auch sicherlich die beste erste Halbzeit, die ich in dem Wettbewerb bis jetzt erlebt habe“, sagte er. „Das war so ein Wahnsinnsspiel, was wir in der ersten Halbzeit abgeliefert haben.“ Innerhalb von acht Minuten traf Hoffenheim danach dreimal - und beendete die Träume jäh.
„Riesenrespekt“ vor Heidenheim
2019 verlor Arambasic mit dem FC Oberneuland aus Bremen gegen Darmstadt 98 mit 1:6. Zu Corona-Zeiten unterlag sein Team bei Bundesligist Borussia Mönchengladbach mit 0:8. Als es nach 25 Minuten 0:4 stand, sagte Arambasic zum Linienrichter: „Meister, wir haben alles gesehen, der Platz ist geil, die Jungs haben ein bisschen gekickt. Sag deinem Kollegen auf dem Feld: „Pfeif ab, Feierabend, reicht“.“ Der habe ihm nur lachend entgegnet, dass er noch 65 Minuten durchhalten müsse.
2022 folgte Pokal-Kapitel vier, als er mit dem BSV Rehden mit 0:4 gegen den damaligen Zweitligisten SV Sandhausen unterlag. Sein bisher bestes Ergebnis.
Vor Heidenheim haben er und seine Spieler nun „einen Riesenrespekt“. Aber sie schöpfen auch Mut. „In der ersten DFB-Pokalrunde gibt es immer eine fette Überraschung. Und irgendeine von den ganzen Amateur-Mannschaften wird es schaffen. Und vielleicht sind wir es, wer weiß. Daran muss man glauben, sonst brauchst du nicht anzutreten“, sagte er.
Jeddeloh II spielt schon zum zweiten Mal gegen Heidenheim. 2018 unterlag der Außenseiter mit 2:5 in der ersten Runde. Arambasic saß damals nicht auf der Bank, dafür Heidenheims Trainer-Idol Frank Schmidt, der den Club ununterbrochen seit 2007 als Coach betreut.
Einst wollte Arambasic bei Schmidt eine Hospitation machen, was damals nicht klappte. Allerdings blieben beide in Kontakt und lernen sich jetzt am Wochenende zum ersten Mal persönlich kennen.
Arambasic ist Sozialpädagoge in Bremen
Der Trainer, der als Sozialpädagoge an einer Schule in seiner Heimatstadt Bremen arbeitet, profitierte auch von der Arbeit seines Vorgängers Björn Lindemann, der die Mannschaft im niedersächsischen Landespokal zum 3:0 gegen Drochtersen/Assel führte und den Einzug in den DFB-Pokal perfekt machte. In der Liga läuft es bislang nicht für den Dorfclub. Die Bilanz nach dem Wechsel im Sommer: ein Sieg und drei Niederlagen.
Bei Arambasic‘ Co-Trainer sorgte der Wechsel vor der Saison zu Jeddeloh II offensichtlich für Verwirrung, als dieser seinem Onkel den neuen Arbeitgeber genannt habe. Denn der Onkel habe geschimpft, wie er sich für einen Verein entscheiden könne, der in der dritten Kreisklasse spielt. Denn dort spielt die zweite Auswahl von Jeddeloh II. Er musste den Onkel kurz beruhigen, wie Arambasic lachend berichtete.
Im Norden habe sich Jeddeloh II einen Namen gemacht, meinte Arambasic. Und am Wochenende will der Trainer mit seiner Mannschaft dafür sorgen, dass das kleine „gallische Dorf“ auch bundesweit bekannter wird.