Biontech-Betriebsrat kritisiert Vorstand - Quartalsgewinn
Ein Schreiben deutet darauf hin, dass es im Unternehmen, rumort - sogar von Diskriminierung ist die Rede. Der Vorstand meldet einen Quartalsgewinn und sucht das Gespräch mit Betriebsräten.
Biontech ist gerade in einer Phase der Transformation, das sorgt offenbar für Verunsicherung und auch Unmut in der Belegschaft. Zumindest deutet ein Brief des Betriebsrates an den Vorstand darauf hin. (Symbolbild)Boris Roessler/dpa
© Boris Roessler/dpa
In einem Brief an den Vorstand hat der Betriebsrat von Biontech den Umgang mit Mitarbeitern und das Verhalten der Unternehmensführung in der laufenden Transformation kritisiert. In dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, ist unter anderem die Rede von konkreten Meldungen zu Sexismus, Rassismus, Diskriminierung und Drohungen. Das Unternehmen teilte mit, die Vorwürfe sehr ernst zu nehmen. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ darüber berichtet.
In dem Schreiben heißt es weiter, Mitarbeitende seien aufgrund von Umstrukturierungen und der angekündigten Schließung von Standorten verunsichert, fühlten sich dadurch belastet. Beschäftigte hätten dem Betriebsrat von Zukunfts- und Arbeitsplatzängsten berichtet, fühlten sich mit Sorgen alleingelassen. In einzelnen Bereichen nähmen Beschäftigte einen Stillstand bei Entscheidungen wahr. Auch ist die Rede von „toxischen Arbeitsplatzsituationen“. In dem am Montag zugestellten Brief wird der Vorstand aufgefordert, zeitnah für Klarheit und Verlässlichkeit zu sorgen.
Gespräch mit Arbeitnehmervertretung wird gesucht
Biontech teilte mit, es sei nun wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen und Gerüchte von gesicherten Fakten zu unterscheiden. Das Unternehmen suche vorrangig den Dialog mit der Arbeitnehmervertretung.
Biontech toleriere weder Vergeltungsmaßnahmen gegen Hinweisgeberinnen und Hinweisgeber noch Diskriminierung, Sexismus, Rassismus oder Drohungen. Sobald es wesentliche Entwicklungen des Unternehmens gebe, würden diese über die geeigneten Kanäle mitgeteilt. „Von einem Stillstand im operativen Geschäft kann jedoch keine Rede sein“, betonte das Unternehmen.
Gründer-Ehepaar vor dem Abschied
Für das mit seinem Covid-19-Impfstoff in der Corona-Pandemie bekannt und reich gewordene Mainzer Unternehmen ist 2026 ein durchaus bewegtes Jahr: In dem schrieb Biontech vor allem aufgrund hoher Ausgaben für die Entwicklung neuer Produkte etwa in der Onkologie rote Zahlen und kündigte an, die Standorte Tübingen Ende 2027, Marburg Anfang 2028 und Idar-Oberstein Ende 2028 zu schließen.
Zumindest für das dritte Quartal meldete Biontech mal wieder einen Gewinn - in Höhe von 184,5 Millionen Euro nach einem Verlust von 28,7 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Für die ersten neun Monate dieses Jahres schlägt bei dem Pharmaunternehmen aus Mainz dennoch ein Verlust von 1,17 Milliarden Euro zu Buche und damit mehr als im Vorjahreszeitraum mit 831,1 Millionen.
Ugur Sahin und Özlem Türeci sind die zentralen Gesichter von Biontech, nun steht ihr Abgang bevor. (Archivbild) Sebastian Christoph Gollnow/dpa
© Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Außerdem werden die Mitbegründer, das Ehepaar Ugur Sahin und Özlem Türeci, bis spätestens Ende dieses Jahres ausscheiden und in einem neuen Unternehmen namens Arife tätig werden. Der Nachfolger für Sahin ist gefunden: Spätestens zum 1. Februar 2027 wird Guido Oelkers Vorstandsvorsitzender. Er kommt von dem schwedischen Biopharma-Unternehmen Swedish Orphan Biovitrum (Sobi). Wer auf Türeci, die medizinische Vorständin ist, folgt, ist noch nicht klar.
Vor einiger Zeit hieß es, es sei geplant, Rechte und mRNA-Technologien von Biontech in das neue Unternehmen Arife einzubringen. Im Gegenzug würde Biontech dann eine Minderheitsbeteiligung an der neuen Firma sowie Lizenzgebühren bekommen. Laut Biontech ist aber noch unklar, ob es eine solche bindende Vereinbarung geben wird. Die Gespräche dazu liefen, hieß es nun, eine Vereinbarung sei für beide Seiten optional.