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Biontech-Betriebsrat kritisiert Umgang mit Mitarbeitern

Ein Schreiben an die Chefetage deutet darauf hin, dass es in dem Unternehmen, das sich gerade an vielen Stellen wandelt, rumort. Auch von Diskriminierung ist die Rede. Der Vorstand sucht das Gespräch.

03.11.2026

Biontech ist gerade in einer Phase der Transformation, das sorgt offenbar für Verunsicherung und auch Unmut in der Belegschaft. Zumindest deutet ein Brief des Betriebsrates an den Vorstand darauf hin. (Symbolbild)Boris Roessler/dpa

Biontech ist gerade in einer Phase der Transformation, das sorgt offenbar für Verunsicherung und auch Unmut in der Belegschaft. Zumindest deutet ein Brief des Betriebsrates an den Vorstand darauf hin. (Symbolbild)Boris Roessler/dpa

© Boris Roessler/dpa

In einem Brief an den Vorstand hat der Betriebsrat von Biontech den Umgang mit Mitarbeitern und das Verhalten der Unternehmensführung in der laufenden Transformation kritisiert. In dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, ist unter anderem die Rede von konkreten Meldungen zu Sexismus, Rassismus, Diskriminierung und Drohungen. Das Unternehmen teilte mit, die Vorwürfe sehr ernst zu nehmen. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ darüber berichtet. 

In dem Schreiben heißt es weiter, Mitarbeitende seien aufgrund von Umstrukturierungen und der angekündigten Schließung von Standorten verunsichert, fühlten sich dadurch belastet. Beschäftigte hätten dem Betriebsrat von Zukunfts- und Arbeitsplatzängsten berichtet, fühlten sich mit Sorgen alleingelassen. In einzelnen Bereichen nähmen Beschäftigte einen Stillstand bei Entscheidungen wahr. Auch ist die Rede von „toxischen Arbeitsplatzsituationen“. In dem am Montag zugestellten Brief wird der Vorstand aufgefordert, zeitnah für Klarheit und Verlässlichkeit zu sorgen. 

Gespräch mit Arbeitnehmervertretung wird gesucht

Biontech teilte mit, es sei nun wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen und Gerüchte von gesicherten Fakten zu unterscheiden. Das Unternehmen suche vorrangig den Dialog mit der Arbeitnehmervertretung. 

Biontech toleriere weder Vergeltungsmaßnahmen gegen Hinweisgeberinnen und Hinweisgeber noch Diskriminierung, Sexismus, Rassismus oder Drohungen. Sobald es wesentliche Entwicklungen des Unternehmens gebe, würden diese über die geeigneten Kanäle mitgeteilt. „Von einem Stillstand im operativen Geschäft kann jedoch keine Rede sein“, betonte das Unternehmen.

Gründer-Ehepaar vor dem Abschied 

Für das mit seinem Covid-19-Impfstoff in der Corona-Pandemie bekannt und reich gewordene Mainzer Unternehmen ist 2026 ein durchaus bewegtes Jahr: In dem schrieb Biontech vor allem aufgrund hoher Ausgaben für die Entwicklung neuer Produkte etwa in der Onkologie rote Zahlen und kündigte an, die Standorte Tübingen Ende 2027, Marburg Anfang 2028 und Idar-Oberstein Ende 2028 zu schließen. 

Ugur Sahin und Özlem Türeci sind die zentralen Gesichter von Biontech, nun steht ihr Abgang bevor. (Archivbild) Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Ugur Sahin und Özlem Türeci sind die zentralen Gesichter von Biontech, nun steht ihr Abgang bevor. (Archivbild) Sebastian Christoph Gollnow/dpa

© Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Außerdem werden die Mitbegründer, das Ehepaar Ugur Sahin und Özlem Türeci, bis spätestens Ende dieses Jahres ausscheiden und in einem neuen Unternehmen namens Arife tätig werden. Der Nachfolger für Sahin ist gefunden: Spätestens zum 1. Februar 2027 wird Guido Oelkers Vorstandsvorsitzender. Er kommt von dem schwedischen Biopharma-Unternehmen Swedish Orphan Biovitrum (Sobi). Wer auf Türeci, die medizinische Vorständin ist, folgt, ist noch nicht klar.