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Protest in Autobranche - So lief der Aktionstag im Südwesten

Zehntausende Beschäftigte bei Autobauern und Zulieferern in Baden-Württemberg protestieren. Bei Mercedes in Sindelfingen fallen deutliche Worte. Und in Richtung Vorstand gibt es Pfiffe und Buhrufe.

21.09.2026

Etwa 20.000 Beschäftigte beteiligten sich bei Mercedes in Sindelfingen am Protest.Marijan Murat/dpa

Etwa 20.000 Beschäftigte beteiligten sich bei Mercedes in Sindelfingen am Protest.Marijan Murat/dpa

© Marijan Murat/dpa

Um kurz vor 10.00 Uhr wird es bei Mercedes-Benz in Sindelfingen laut. Trommeln, Trillerpfeifen, Ratschen. Die Beschäftigten strömen zur Bühne auf der Benzstraße bei Tor 7. Die Stimmung, das wird vor Ort schnell deutlich, ist angespannt.

Was war hier und an anderen Standorten von Autoherstellern und Zulieferern in Baden-Württemberg und Deutschland los? Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Warum wurde protestiert?

Die IG Metall hatte bundesweit Beschäftigte der Automobilindustrie dazu aufgerufen, sich an einem bundesweiten Aktionstag gegen Jobabbau und weitere Einschnitte in ihrer Industrie zu beteiligen. Das Motto lautete: „Zukunft statt Kahlschlag - Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke.“ 

Einer Mitteilung zufolge forderten die Beschäftigten Investitionen in zukunftsfähige Produkte, starke Standorte und sichere Beschäftigung. Die Aktionen richteten sich demnach auch gegen die aktuellen Abbaupläne und Krisenstrategien vieler Unternehmen.

Wo wurde in Baden-Württemberg protestiert?

Laut der Gewerkschaft gab es im Südwesten an fast 50 Standorten Aktionen, Kundgebungen und Demonstrationen. Beim Autobauer Mercedes-Benz etwa beteiligten sich den Angaben zufolge Beschäftigte in Sindelfingen, Stuttgart-Untertürkheim und Rastatt. Beim Sportwagenbauer Porsche am Sitz in Stuttgart-Zuffenhausen sowie in Weissach (Kreis Böblingen). 

Beim Zulieferer Bosch hätten Aktionen in Abstatt (Kreis Heilbronn), Reutlingen, Stuttgart-Feuerbach, Schwieberdingen (Kreis Ludwigsburg) und Renningen (Kreis Böblingen) stattgefunden. Auch beim Stuttgarter Zulieferer Mahle habe es Aktionen gegeben. Ebenso beim Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck in Gaggenau (Kreis Rastatt) sowie bei weiteren Unternehmen. 

Wie viele Menschen haben sich daran beteiligt?

Insgesamt beteiligten sich in Baden-Württemberg nach Angaben der IG Metall etwa 48.000 Beschäftigte. In Sindelfingen fand demnach mit etwa 20.000 Beschäftigten die größte Aktion statt. 

Wie war die Stimmung vor Ort?

Bei Mercedes-Benz in Sindelfingen wirkte die Stimmung bei den teilnehmenden Beschäftigten angespannt. Und sowohl die Wortwahl als auch Lautstärke der Rednerin und Redner auf der Bühne zeigte, dass ordentlich Druck und Wut bei den Arbeitnehmervertretern vorhanden ist. 

Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali teilte deutlich gegen den Vorstand aus. Wenn dieser meine, er könne einen über den Tisch ziehen, dann werde man zeigen, dass man mit ihm nicht weitermachen könne. Der Vorstand habe jeglichen Verstand für die Beschäftigten verloren. „Wir brauchen Vorstände, die zu ihrer Mannschaft stehen und nicht bei jeder Gelegenheit glauben, dass die Beschäftigten verzichten müssen“, sagte Lümali.

Mercedes-Gesamtbetriebsratschef: „Brauchen Vorstände, die zu ihrer Mannschaft stehen.“Marijan Murat/dpa

Mercedes-Gesamtbetriebsratschef: „Brauchen Vorstände, die zu ihrer Mannschaft stehen.“Marijan Murat/dpa

© Marijan Murat/dpa

Zuletzt hatte Mercedes-Benz seinen Sparkurs verschärft und eine „Produktivitätsoffensive für Deutschland“ angekündigt. Damit trat der Stuttgarter Autobauer auch eine öffentliche Diskussion über Arbeitskosten los. Denn in einem Schreiben an die Beschäftigten in Deutschland schlug der Vorstand unter anderem vor, für das gleiche Geld mehr zu arbeiten. 

Das kritisierte Lümali. Man sei in Gesprächen mit dem Vorstand und werde damit bedroht, dass Standorte auf dem Spiel stehen, wenn man die Arbeitskosten nicht senke. Das gehe hin bis zu Werkschließungen. Es gebe dazu noch keinen Beschluss, aber in allen Gesprächen werde ihnen vorgeführt, wenn man nicht auf Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld verzichtet oder die Arbeitszeit verlängert, dann würden in Deutschland Werke geschlossen werden, sagte Lümali. Die Menge reagierte mit Pfiffen und Buhrufen.

Auch IG-Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch wählte deutliche Worte in Richtung Arbeitsgeberseite. Das Management habe sich zu lange ausgeruht und die Füße hochgelegt, während die Beschäftigten Schicht für Schicht abgeliefert hätten. „Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen“, sagte Resch. Und wer nicht hören wolle, müsse fühlen. 

Was sagen die Arbeitgeber dazu?

„Den im höchsten Maße unsachlichen und polemischen Vorwürfen der IG Metall gegen die Unternehmensführungen deutscher Autokonzerne widersprechen wir in aller Deutlichkeit“, teilte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Oliver Barta, mit. Es gebe ein veritables Kostenproblem. Nun sei kluges und entschlossenes Handeln von Politik und Sozialpartnern gefragt. 

Wieso steckt die deutsche Autoindustrie in der Krise?

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Ein wesentlicher Grund sind zum Beispiel die schwachen Geschäfte im wichtigsten ausländischen Markt: China. Dort sitzt das Geld nicht mehr so locker. Gleichzeitig herrscht ein aggressiver Preiskampf zwischen zahlreichen einheimischen und jungen Herstellern, die um Marktanteile buhlen. US-Zölle belasten die Geschäfte. Und die E-Mobilität läuft langsamer als erwartet hoch. Viele Autobauer und Zulieferer verzeichneten zuletzt Gewinneinbrüche und haben mit Sparprogrammen reagiert. 

Wie verlief der Aktionstag im Rest der Bundesrepublik?

Den Angaben nach sollte es verschiedene Aktionen an mehr als 200 Orten geben. Dazu zählten interne Betriebsversammlungen in Unternehmen, aktive Mittagspausen, Sternmärsche und öffentliche Kundgebungen. Insgesamt beteiligten sich der IG Metall zufolge rund 175.000 Beschäftigte in Deutschland.

Aktionstag unter dem Motto: „Zukunft statt Kahlschlag - Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke.“Marijan Murat/dpa

Aktionstag unter dem Motto: „Zukunft statt Kahlschlag - Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke.“Marijan Murat/dpa

© Marijan Murat/dpa