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Berlins Baustellen-Manager und die Quadratur des Kreises

Berlins neuer Baustellen-Manager ist oft selbst genervt über Staus und Stillstand. Was er dagegen tun will und warum er sich nicht als Heilsbringer versteht.

04.04.2026

Berlins neuer Baustellen-Manager Jörg Seegers arbeitet ehrenamtlich. Britta Pedersen/dpa

Berlins neuer Baustellen-Manager Jörg Seegers arbeitet ehrenamtlich. Britta Pedersen/dpa

© Britta Pedersen/dpa

Berlin (dpa/bb) -Jörg Seegers hat eine Aufgabe übernommen, die wie die Quadratur des Kreises klingt. Der 63-Jährige ist seit Anfang Februar Baustellen-Manager in Berlin, wo Staus und Verkehrsbehinderungen durch Bauarbeiten als Dauerproblem gelten. Er soll dafür sorgen, dass das anders wird, obwohl der Sanierungsbedarf an Brücken und Straßen zunimmt.

Seegers hat lange für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gearbeitet und weiß, worauf er sich einlässt. „Ich werde 64 demnächst. Also, ich muss nicht mehr, wenn ich nicht mehr wollte“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Aber ich finde das eine tolle Sache, weil mich diese Baustellensituation als Autofahrer und Motorradfahrer selbst ständig nervt.“ Sein Motto ist: Wer die Chance hat, etwas zu ändern, sollte sie auch wahrnehmen. 

Seegers will, dass künftig besser kommuniziert wird, was an den Baustellen passiert: „Was man sicher verlangen kann, ist eine Information am Bauzaun, wo der geneigte Bürger sehen kann, das machen die von dann bis dann.“

Staus und Verkehrsbehinderungen durch Baustellen sind in Berlin Alltag. (Archivbild) Jens Kalaene/dpa

Staus und Verkehrsbehinderungen durch Baustellen sind in Berlin Alltag. (Archivbild) Jens Kalaene/dpa

© Jens Kalaene/dpa

Und künftig soll der Bauzaun erst kommen, wenn die Arbeiten tatsächlich losgehen. „Baustellen, bei denen nichts passiert, sind ein Riesenärgernis“, räumte Seegers ein. „Diese Schlafbaustellen entstehen in der Regel, wenn die Planungen oberflächlich und die Genehmigungsunterlagen noch nicht vollständig sind“, kritisierte er. „Künftig sollte erst die Genehmigung da sein und alles vorliegen, dann kommt das Einrichten der Baustelle.“ 

Seegers hat keinen Zauberstab

Die Erwartungen an ihn sind groß: Er werde Bezirke, Bauunternehmen und Verwaltung besser miteinander verzahnen und so dazu beitragen, dass der Verkehr in Berlin flüssiger laufe, kündigte Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) an.

„Ich bin nicht der Heilsbringer, der eine Kiste aufmacht, den Zauberstab rausholt und dann ist alles gut“, betonte Seegers. „Was vielleicht ein bisschen mein Vorteil ist, dass ich in der Baubranche sehr gut verortet bin, viele Menschen kenne und dass man da mal Telefonhörer hochnehmen und sagen kann: Leute, jetzt seht mal zu, dass ihr da in Gang kommt.“

Seegers übernimmt die Aufgabe ehrenamtlich. „Warum ich mir das antue, fragen mich viele. Ich sag‘ mal, ich bin gefragt worden von Frau Bonde“, erzählte er. „Es ist ja bekannt, dass ich bei der BVG knapp acht Jahre mit ihr zusammengearbeitet habe. Und wir haben immer ein tolles Verhältnis gehabt. Ich glaube, wenn mich jemand anderes gefragt hätte, hätte ich es nicht gemacht.“

„Dann schaue ich Ende des Jahres, ob ich noch Lust habe“

Der Baustellen-Manager erledigt vieles im Homeoffice. „Ich mache ja tatsächlich keine 70-Stunden-Woche wie früher“, betonte er. „Ich versuche, einen Tag die Woche in der Senatsverwaltung zu sein.“

„Ich laufe jetzt nicht draußen rum und gucke mir jede x-beliebige Baustelle an. Es geht darum, Gedanken, neue Ideen einzubringen, und die auch im Team mal zu besprechen.“ Team meint in diesem Fall die Mitarbeiter der Verkehrsverwaltung. 

„Im Moment haben wir vereinbart, dass es mal so ein Jahr dieses Pilotprojekt geben soll.“ Was die Abgeordnetenhauswahl im September bringe, wisse noch niemand. „Insofern muss man dann auch gucken, wie es weitergeht. Und dann schaue ich Ende des Jahres, ob ich noch Lust habe.“

Vom Bergbau-Studium zum Experten für schwierige Projekte

Dass er viel Erfahrung mitbringt, ist nicht zu bestreiten: Seegers hat Bergbau und Geologie studiert und danach in einem Ingenieurbüro gearbeitet, das unter anderem auf Tunnelbau spezialisiert war. 

Berlins Baustellen-Manager Jörg Seegers setzt auf bessere Informationen für die Betroffenen. Britta Pedersen/dpa

Berlins Baustellen-Manager Jörg Seegers setzt auf bessere Informationen für die Betroffenen. Britta Pedersen/dpa

© Britta Pedersen/dpa

Seit 2010 war er bei den Berliner Verkehrsbetrieben beschäftigt, als Projektleiter für den Neubau der U5, dann bis Ende 2025 als Geschäftsführer Technik bei der für die U5 zuständigen Projektrealisierungs GmbH. 

Kritik gibt es nicht zuletzt von den Oppositionsparteien: Die Verkehrsexpertin der Grünen-Fraktion Antje Kapek sieht Seegers „auf verlorenem Posten“, weil sich Tausende von Baustellen nicht nebenbei ehrenamtlich und nicht ohne formale Befugnisse und ohne Entscheidungskompetenz koordinieren ließen. 

Der AfD-Abgeordnete Rolf Wiedenhaupt sieht das ähnlich: „Berlin ist ein Musterbeispiel nicht funktionierender Baustellenkoordination“, kritisierte er. „Da kann ein ehrenamtlich tätiger Baustellenkoordinator nichts ausrichten.“ Nötig ist aus seiner Sicht eine Stabsstelle bei der Verkehrsverwaltung, bei der sämtliche Baustellenanträge, langfristige Baustellenplanungen und Havariebaustellen abgestimmt werden müssten.