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Badesaison startet: Rettungsschwimmer dringend gesucht

Bald beginnt die Badesaison - und der Bedarf an Rettungsschwimmern steigt. Warum die Kräfte besonders gebraucht werden und welche Rolle KI spielt.

13.04.2026

„Pack die Badehose ein“ -  im Mai geht die Saison an Seen und in Freibädern los. (Archivbild)Patrick Pleul/dpa

„Pack die Badehose ein“ - im Mai geht die Saison an Seen und in Freibädern los. (Archivbild)Patrick Pleul/dpa

© Patrick Pleul/dpa

Auch wenn das Wetter bisher nicht danach aussieht, startet in wenigen Wochen die Badesaison in Berlin und Brandenburg. Dann beginnt die Arbeit vieler Rettungsschwimmer auf Wachtürmen, an Stegen und am Beckenrand. Doch gibt es in den beiden Bundesländern genug Rettungsschwimmer? Und wie unterscheidet sich die Rettung an Seen und in Freibädern? Einige Aspekte im Überblick.

Wie sieht der Bedarf an Rettungsschwimmern in Berlin aus?

Die Freibade-Saison startet im Mai und endet im September. Für den Wechsel aus den Hallenbädern suchen die Berliner Bäder-Betriebe für die 14 Sommerbäder und das Strandbad Wannsee noch Rettungsschwimmer. Insgesamt brauchen sie rund 120 Beschäftigte für die Sommersaison, dazu gehöre jedoch auch Personal für die Kassen. Seit Februar gibt es regelmäßig Bewerbertage. Die Rettungsschwimmer in den Berliner Bädern sind angestellt und werden vergütet.

Bei einem Bewerbertag können sich Interessierte bei den Berliner Bädern für den Job des Rettungsschwimmers bewerben.Sebastian Gollnow/dpa

Bei einem Bewerbertag können sich Interessierte bei den Berliner Bädern für den Job des Rettungsschwimmers bewerben.Sebastian Gollnow/dpa

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Bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Berlin sind an den Wochenenden rund 250 DLRG-Kräfte ehrenamtlich an den Gewässern im Einsatz. Auch wenn sie den Betrieb stemmen könnten, wäre es hilfreich, einige Rettungsschwimmer mehr zu haben, erklärte der Sprecher der DLRG Berlin, Michael Neiße.

Kann Brandenburg mit unzähligen Seen den Bedarf decken?

Wasserratten können in Brandenburg aus etwa 3.000 Seen wählen, aber längst nicht alle werden überwacht. Ehrenamtliche Rettungsschwimmer gebe es bei dieser Vielzahl an Wasserflächen immer zu wenig, sagte der Sprecher der DLRG Brandenburg, Daniel Keip - inzwischen Oberbürgermeister von Brandenburg an der Havel. „Wir können gar nicht überall sein, wo es wünschenswert wäre.“ Die DLRG ist nach eigenen Angaben mit rund 4.500 Mitgliedern in Brandenburg aber gut aufgestellt. 

Die Wasserwacht des DRK ist in Brandenburg und Berlin im Einsatz. (Archivbild)Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Die Wasserwacht des DRK ist in Brandenburg und Berlin im Einsatz. (Archivbild)Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

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Auch die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Brandenburg stellt rund 300 Rettungsschwimmer bereit, die in Strandbädern aktiv sind. Insgesamt gibt es bei der Organisation in Brandenburg 600 ehrenamtliche Rettungsschwimmer - etliche von ihnen sind aber als Ausbilder oder im Katastrophenschutz gebunden, wie die Referentin Linn Heiduk sagt. Dort, wo es Wachstationen gebe, kriegen das DRK das aber „gut hin“. 

Was gehört zum Job des Rettungsschwimmers?

Die Hauptaufgabe ist die Aufsicht am Wasser - und im Notfall die Rettung von Menschen vor dem Ertrinken. Zentrale Voraussetzung für die Tätigkeit als Rettungsschwimmer ist das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Silber.

Die Wasserretter des DRK etwa erwerben zudem noch die Qualifikationen eines Sanitäters und lernen den Umgang mit Booten, wie der technische Leiter des DRK-Kreisverbandes Berlin Nord-Ost, Christian Weitzberg, erklärt. Denn bei einem Unfall von Wassersportlern kümmern sich die ehrenamtlichen Kräfte nicht nur um den Menschen, sondern bringen auch das Boot in den Hafen.

Welche Probleme gibt es?

Die Nachwuchsgewinnung bleibt ein großes Thema: Denn gerade junge Leute ziehen etwa mit dem Beginn der Ausbildung auch weg. „Auch die erste Freundin und der Führerschein lenkt vom Ehrenamt ab“, meint der Sprecher der DLRG Brandenburg. 

Zudem leide das Training der Rettungsschwimmer, weil Bäder zumachten, meinte Heiduk vom DRK. „Wer will schon eine Stunde mit dem Auto fahren, um im Bad zu trainieren.“ Und auch nur dort, wo Schwimmkurse angeboten werden, könnten Interessierte für die Ausbildung gewonnen werden. Das DRK und andere Organisationen fordern zudem finanzielle Unterstützung: Das Land solle eine Pauschale pro ausgebildetem Rettungsschwimmer zahlen, findet Linn Heiduk. 

Außerdem sind an den Gewässern viele Rettungsstationen nur an Wochenenden und Feiertagen besetzt. Das heißt, das an heißen Tagen oder auch in den Ferien viele Badestellen unter der Woche nicht bewacht sind.

Kann KI helfen?

Technische Unterstützung mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) wird diskutiert - etwa, ob Kameratechnik in Bädern auffälliges Verhalten von Badenden und Notfälle erkennen kann. Das sei aber noch im Anfangsstadium, sagte der Brandenburger DLRG-Sprecher. 

In Potsdam ist in diesem Jahr zumindest in Hallenbädern geplant, Wasserbecken auch mit Hilfe von KI zu überwachen. Die Technik soll die Mitarbeiter bei der Aufsicht unterstützen und die Sicherheit erhöhen, heißt es. 

An Seen können bislang Drohnen aufsteigen, um nach vermissten Schwimmern zu suchen. „Eine Drohne allein ersetzt jedoch keinen Rettungsschwimmer“, betonte der DLRG-Sprecher.

Was sollten Badende beachten? 

Menschen, die nicht gut schwimmen können, sollten nicht an gänzlich unbewachte Stellen baden. „Wenn ihr unsicher seid, dann geht an eine bewachte Badestelle“, appellierte Michael Neiße. Zudem sollten Menschen, die lange Strecken schwimmen, in der Nähe des Ufers bleiben, um etwa bei einem medizinischen Notfall um Hilfe rufen zu können. Eine wichtige Regel lautet auch, niemals unter Alkohol- oder Drogeneinfluss schwimmen zu gehen. 

Die Kräfte der DLRG fahren auch Streife. (Archivbild) Sebastian Gollnow/dpa

Die Kräfte der DLRG fahren auch Streife. (Archivbild) Sebastian Gollnow/dpa

© Sebastian Gollnow/dpa

Wie viele Badetote gab es im vergangenen Jahr? 

Immer wieder ertrinken Menschen beim Baden. Im vergangenen Jahr - einem durchwachsenen Sommer - waren es nach Angaben der DLRG in Brandenburg 25 Menschen. Damit sank die Zahl im Vergleich zu 2024, als es 30 Badetote gab. Die meisten Opfer in der Region (14) ertranken in Seen.

In Berliner Gewässern ertranken im vergangenen Jahr 16 Menschen – genauso viele wie im Jahr zuvor. Acht Personen ertranken in einem Fluss, sechs in einem See und zwei in einem Kanal.

Die Freibadsaison startet bald. (Archivbild)Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Die Freibadsaison startet bald. (Archivbild)Sebastian Christoph Gollnow/dpa

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