Babyklappen in Mecklenburg-Vorpommern selten genutzt
Vor 25 Jahren wurde die bundesweit erste Babyklappe eingerichtet. Seit 2005 gibt es auch zwei Klappen in MV. Hat die Option einer vertraulichen Geburt eine Auswirkung auf die Nutzung der Klappen?
Wenn ein neugeborenes Kind in eine Babyklappe gelegt wird, dann wird über einen Alarm sofort das Klinikpersonal informiert. (Symbolbild)Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
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In zwei Babyklappen in Mecklenburg-Vorpommern werden pro Jahr im Durchschnitt jeweils etwa ein bis zwei Neugeborene abgegeben. Das teilten die Helios Kliniken in Schwerin und das Klinikum Südstadt in Rostock auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Dort gibt es seit 2005 jeweils eine Babyklappe. Diese ermöglicht es Müttern, die verzweifelt sind und anonym bleiben möchten, ihr ungewolltes Kind in Sicherheit zu bringen.
Was passiert mit einem Kind, das in eine Babyklappe gelegt wird?
Wenn ein Kind in die Babyklappe gelegt wird, dann wird das Personal der Kliniken sofort durch einen Alarm informiert. „Der diensthabende Arzt der Klinik für Neonatologie sowie eine Kinderkrankenschwester gehen unmittelbar nach Eingang des Alarms zum Babyfenster und bringen das vorgefundene Kind auf die Neonatologische Station“, erklärte Dirk Olbertz, Chefarzt im Klinikum Südstadt in Rostock beispielhaft für seine Klinik. Dort werde es ärztlich untersucht und aufgenommen.
Auch das Jugendamt werde sofort über die Inobhutnahme des Kindes informiert, damit es beim Gericht die Bestellung eines Amtsvormundes beantragen könne. Bis zur Übergabe in eine Bereitschaftspflege oder Adoptionspflege werde das Kind in der Klinik betreut, sagte Olbertz.
In Rostock befindet sich der als „Babyfenster“ bezeichnete Ort hinter einer kleinen Hecke auf dem Klinikumsgelände, damit eine ungestörte anonyme Abgabe möglich ist. Der Weg dorthin sei ausgeschildert, erklärte Olbertz. Auch in Schwerin sei die Babyklappe sichtgeschützt, berichtete Robert Lehmann, Sprecher der Helios Kliniken.
Haben vertrauliche Geburten Einfluss auf Nutzung der Klappen?
Seit 2014 gibt es in Deutschland mit der sogenannten vertraulichen Geburt eine weitere Möglichkeit für Frauen mit ungewollten Schwangerschaften. Bei dieser können Mütter nach einer Beratung anonym entbinden. Nach der Geburt übernimmt das Jugendamt das Kind und kümmert sich um eine Adoption. Die Behörden können so noch Jahre später nachvollziehen, wer das Kind entbunden hat.
Mit Babyklappen bestehe das Risiko, dass das Kind am Ende unwiederbringlich von seinen Wurzeln abgeschnitten sei, betonte Olbertz. Die vertrauliche Geburt eröffne dem Kind ab dem Alter von 16 Jahren die Möglichkeit an Informationen über seine eigentliche Herkunft zu gelangen.
In ganz Mecklenburg-Vorpommern gab es dem Gesundheitsministerium zufolge 2024 vier, 2023 fünf und 2022 neun vertrauliche Geburten. Für 2025 liegen die Zahlen demnach bisher nicht vor.
Sowohl in Rostock, als auch in Schwerin sei die Nutzung der Babyklappen seit der Einführung der vertraulichen Geburten den Angaben zufolge nicht rückläufig.
Wer übernimmt die Kosten für eine vertrauliche Geburt?
Mit der Möglichkeit der vertraulichen Geburt sei für Frauen, die aus einer Notsituation heraus ihre Schwangerschaft verheimlichen, der Weg ins reguläre Hilfesystem geebnet, betonte Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) auf Anfrage der dpa. „Dadurch wird ihnen und ihrem Kind eine medizinisch begleitete Geburt ermöglicht.“
Die Kosten für vertrauliche Geburten sowie die Vor- und Nachsorge werden durch den Bund übernommen, wie das Ministerium mitteilte. Begleitung und Hilfe erhielten die Frauen auch durch die Schwangerschaftsberatungsstellen. In Mecklenburg-Vorpommern seien alle rund 40 Beratungsstellen für qualifiziert, hieß es weiter.