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Autokonvoi gegen hohe Spritpreise vor Reichstag in Berlin

Mit einer Autokolonne will ein Ostfriese ein Zeichen gegen die stark gestiegenen Kraftstoffpreise setzen. Der Protest rollt durch mehrere Länder - und endet dort, wo Unterstützung herkommen soll.

17.04.2026

Am Abend erreichte der Autokonvoi gegen hohe Spritpreise die Hauptstadt.Michael Ukas/dpa

Am Abend erreichte der Autokonvoi gegen hohe Spritpreise die Hauptstadt.Michael Ukas/dpa

© Michael Ukas/dpa

Rollender Protest gegen die stark gestiegenen Spritpreise: Ein Autokonvoi aus Ostfriesland ist am Abend in Berlin eingetroffen und zum Reichstag gefahren. Nach Angaben der Polizei kamen 111 Fahrzeuge in der Hauptstadt an. Die Beamten übernahmen den Konvoi an der Stadtgrenze und geleiteten ihn ins Regierungsviertel. Zwischenfälle habe es nicht gegeben.

Auf dem Platz der Republik fand zum Abschluss der Aktion eine Kundgebung statt. Dazu kamen weitere Menschen dazu - ihre Zahl lag nach Angaben der Polizei im niedrigen dreistelligen Bereich.

Der Konvoi war am Morgen in Emden zunächst mit 25 Fahrzeugen gestartet, wie die Polizei Osnabrück mitteilte. Im Verlauf der Fahrt wuchs er dann deutlich an: Bis zur Landesgrenze bei Wolfsburg seien 82 Fahrzeuge beteiligt gewesen. Die Kolonne habe zeitweise eine Länge von rund 2,5 Kilometern erreicht. 

Positive Bilanz der Polizei

Für den niedersächsischen Streckenabschnitt hatte die Polizei eine positive Zwischenbilanz gezogen. „Es gab keine größeren Verkehrsstörungen oder dergleichen. Wir sind insgesamt sehr zufrieden mit dem Verlauf – das hat gut funktioniert“, sagte ein Sprecher. 

Die Polizei habe den Konvoi durchgehend mit Streifenwagen und Motorrädern begleitet. Gegen 16.45 Uhr legte die Kolonne in Wolfsburg einen Zwischenstopp ein, bevor sie weiter über Sachsen-Anhalt Richtung Berlin fuhr. Auf der mehrstündigen Fahrt durch mehrere Bundesländer sollten sich nach Angaben der Organisatoren weitere Teilnehmer und Fahrzeuge anschließen. Angekündigt waren für den Konvoi bis zu 100 Fahrzeuge.

Protest gegen Spritpreis-Explosion

Angemeldet und genehmigt war die Demonstration unter dem Namen: „17.04.2026 Generalstreik - Von Emden nach Berlin mit 50 km/h“. Der Veranstalter, Sebastian Bormann aus Emden, hatte über soziale Netzwerke zu dem Protest unter anderem gegen hohe Kraftstoffpreise aufgerufen. Die Videos wurden seinen Angaben zufolge hunderttausendfach geklickt. 

Für den Konvoi galten bestimmte Regeln. Beteiligen durften sich nur Fahrzeuge, die für eine Geschwindigkeit von mehr als 60 Kilometer pro Stunde zugelassen sind. Autobahnen durfte die Kolonne nicht nutzen. 

Organisator Sebastian Bormann ist unzufrieden mit der Politik der Bundesregierung. Lars Penning/dpa

Organisator Sebastian Bormann ist unzufrieden mit der Politik der Bundesregierung. Lars Penning/dpa

© Lars Penning/dpa

Mit dem Konvoi wolle er ein sichtbares Zeichen setzen, sagte Bormann. „Die ganzen Kosten sind einfach immens hoch.“ Von der Bundesregierung und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) fühle er sich im Stich gelassen, Wahlversprechen würden nicht eingehalten. „Und da platzt uns als Bürgern natürlich irgendwann die Hutschnur.“ 

Preise meist über zwei Euro 

Zuletzt hat sich die Preissituation an den Tankstellen weiter entspannt. Seit dem Hoch rund um Ostern sind die Spritpreise deutlich gefallen. Vor allem Diesel, aber auch Superbenzin der Sorte E10 werden billiger. Im bundesweiten Tagesschnitt kostete E10 pro Liter 2,077 Euro, wie der ADAC mitteilte. Das waren 1,2 Cent weniger als am Vortag. Diesel verbilligte sich um 2,6 Cent auf 2,211 Euro pro Liter. Am Freitagmorgen boten einzelne Tankstellen in einigen Regionen den Liter E10 für weniger als 2 Euro an.

In der Nähe des Reichstages gab es eine Kundgebung. Michael Ukas/dpa

In der Nähe des Reichstages gab es eine Kundgebung. Michael Ukas/dpa

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Bei der Abfahrt in Emden kamen etwa zwei Dutzend Fahrzeuge zusammen.Lars Penning/dpa

Bei der Abfahrt in Emden kamen etwa zwei Dutzend Fahrzeuge zusammen.Lars Penning/dpa

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