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Ausnahmezustand fürs große Fest - Blick hinter die Kulissen

Volle Innenstadt, erwarteter Andrang in den Notaufnahmen und große Hoffnungen: Am Tag der Deutschen Einheit herrscht Ausnahmezustand in Bremen. Über die Vorbereitungen, den Gastgeber und Ehrengäste.

26.09.2026

Bis zu 450.000 Gäste werden rund um den Tag der Deutschen Einheit in der Hansestadt erwartet. Focke Strangmann/dpa

Bis zu 450.000 Gäste werden rund um den Tag der Deutschen Einheit in der Hansestadt erwartet. Focke Strangmann/dpa

© Focke Strangmann/dpa

Bremen steht vor einem Fest in außergewöhnlicher Größe: Bis zu 450.000 Gäste werden rund um den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober in der Hansestadt erwartet. Zwischen Feiern, Konzerten und politischen Veranstaltungen müssen viele Beteiligte planen, improvisieren und den Überblick behalten. Genau wie viele Ehrengäste haben sie Erwartungen und Hoffnungen. Ein Blick hinter die Kulissen:

Notärztin: „Sollte was passieren, können wir alle Register ziehen“

Das Personal des kommunalen Klinikverbunds Gesundheit Nord (Geno) hat seine Alarm- und Einsatzpläne überarbeitet und an den verschiedenen Standorten vereinheitlicht. „Wirklich jeder hier weiß, wie es ist, wenn was passieren würde“, sagte Claudia Spöler, die als Chefärztin der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Bremen-Ost die Vorbereitungen koordiniert. Die Teams übten Eingriffe wie Luftröhrenschnitte oder das Legen von Thoraxdrainagen. Außerdem trainierten sie, wie sie eine große Zahl an Verletzten am besten behandeln können. 

Deutlich mehr Menschen als sonst müssen in den Notaufnahmen versorgt werden. (Archivfoto)Sina Schuldt/dpa

Deutlich mehr Menschen als sonst müssen in den Notaufnahmen versorgt werden. (Archivfoto)Sina Schuldt/dpa

© Sina Schuldt/dpa

Die Ärztinnen und Ärzte rechnen an den drei Tagen mit vielen Patienten. Kleinere Verletzungen sollen zwar noch auf dem Festgelände versorgt werden, trotzdem werden deutlich mehr Menschen als sonst in der Notaufnahme auftauchen. Das Personal stellt sich entsprechend auf - von zahlreichen vorbereiteten Besteckkästchen bis zu verstärkten Schichten und Bereitschaften. „Sollte was passieren, können wir alle Register ziehen“, verspricht Spöler. „Letztendlich hoffen wir, dass unsere Mitarbeiter auch feiern können und nicht gebraucht werden.“

Polizei: „Der größte und zugleich anspruchsvollste Einsatz“

Die Polizei stellt sich auf ihren anspruchsvollsten Einsatz ein. Focke Strangmann/dpa

Die Polizei stellt sich auf ihren anspruchsvollsten Einsatz ein. Focke Strangmann/dpa

© Focke Strangmann/dpa

Die Bremer Polizei bereitet sich schon seit längerer Zeit intensiv auf die dreitägige Feier vor. „Für uns wird das voraussichtlich der größte und zugleich anspruchsvollste Einsatz“, sagte Polizeisprecherin Franka Haedke. Die Beamtinnen und Beamten denken dafür unterschiedliche Szenarien durch und bereiten sich darauf vor, schnell und flexibel zu reagieren. „A und O ist: Wir schauen jeden Tag neu auf die Lage“, sagte Haedke. 

Die Polizei muss auf alles gefasst sein - auf hybride Bedrohungen wie Spionage, Sabotage oder Desinformation, genauso wie auf islamistischen Terrorismus und auf ideologische Gewalttaten. „Die Herausforderung ist vor allem die Mischung“, meint Haedke. „Sehr viele Menschen, viele Veranstaltungen, unterschiedliche Versammlungen und möglicherweise auch spontane Entwicklungen.“

Regierungschef: „Zusammen eine gute Zeit haben“

Bremens Regierungschef hofft auf ein fröhliches Fest. (Archivbild)Sina Schuldt/dpa

Bremens Regierungschef hofft auf ein fröhliches Fest. (Archivbild)Sina Schuldt/dpa

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Als amtierender Bundesratspräsident ist Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) der offizielle Gastgeber. Er wird Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft begrüßen, Reden halten und zahlreiche Gespräche führen. Er freue sich auf das Fest in Bremen, sagte er. „Da soll im Mittelpunkt stehen: Ganz viele Menschen kommen zusammen und haben zusammen eine gute Zeit.“ Für ihn habe der Feiertag eine hohe Bedeutung, weil es neben der staatlichen und gesellschaftliche Einheit um den gesellschaftlichen Zusammenhalt gehe. 

Mit Blick auf politische und wirtschaftliche Herausforderungen möchte Bremens Regierungschef den Menschen an diesem Tag Zuversicht vermitteln. „Wenn wir es gemeinsam anpacken, mit Verbindlichkeit, aber auch Toleranz, mit Zusammenhalt und Akzeptanz von Freiheit auf der anderen Seite, dann können wir auch gemeinsam eine gute Zukunft haben“, sagte Bovenschulte. „Und wir können zuversichtlich in die Zukunft gucken.“ 

Bürgerdelegierte: „Austausch und Gemeinschaft erleben“

Traditionell werden zum Tag der Deutschen Einheit Bürgerdelegationen aus allen Bundesländern zu den Feierlichkeiten eingeladen. Ausgewählt werden jeweils acht Menschen, die sich in besonderer Weise für die Gesellschaft ehrenamtlich engagieren. Aus Bremen sind unter anderem die 33-jährige Svenja Böning und der 75 Jahre alte Zaher Habib als Ehrengäste dabei. 

Bürgerdelegierte Svenja Böning hat am Tag der Deutschen Einheit einen prallen Terminkalender.Focke Strangmann/dpa

Bürgerdelegierte Svenja Böning hat am Tag der Deutschen Einheit einen prallen Terminkalender.Focke Strangmann/dpa

© Focke Strangmann/dpa

Sie freue sich und sei sehr gespannt auf die Begegnungen und Erfahrungen, sagte Böning. Sie ist Geschäftsführerin des Vereins Hoppenbank, der straffällig und wohnungslos gewordene Menschen unterstützt. Die Einladung sieht die 33-Jährige als Möglichkeit, andere Lebensgeschichten kennenzulernen, sich auszutauschen und über ihre Arbeit zu informieren. „Es gibt ja das große Ziel, Wohnungslosigkeit abzuschaffen bis 2030“, sagte sie. „Das halte ich persönlich für unrealistisch“. Über das Thema würde sie gerne ins Gespräch kommen. 

Das Motto der Feierlichkeiten „Viele Stärken - ein Land“ drücke aus, was sie mit dem Tag der Deutschen Einheit verbinde. Es gehe um ein gemeinsames Gefühl und eine Gesellschaft aus Menschen mit unterschiedlichen Geschichten und Lebensvorstellungen. „Für mich ist Einheit immer ein Thema von Gemeinschaft und Gemeinsamkeit.“ Dabei gehe es aber nicht darum, dass alle gleich sind, sondern darum, dass alle dazugehören.

„Freiheit, Demokratie und ein friedliches Zusammenleben“

Zaher Habib blickt gespannt auf das dreitägige Fest.Focke Strangmann/dpa

Zaher Habib blickt gespannt auf das dreitägige Fest.Focke Strangmann/dpa

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Zaher Habib, der in Kabul geboren wurde und den Krieg in Afghanistan erlebte, sieht die Einladung als große Ehre. „Am meisten freue ich mich wirklich, dass ich dann die Gelegenheit habe, viele Menschen kennenzulernen, mich mit ihnen zu unterhalten, über ihre Arbeit zu erfahren“, sagte Habib. Er ist Mitglied im Bremer Rat für Teilhabe und Diversität in der Migrationsgesellschaft. 

Aus seiner Sicht entstehe Einheit erst, wenn Menschen einander anerkennen, miteinander sprechen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. „Ich habe in meinem Leben unterschiedliche politische und gesellschaftliche Erfahrungen gemacht und weiß deshalb, wie wertvoll Freiheit, Demokratie und ein friedliches Zusammenleben sind“, so Habib, der mehrere Romane über das Thema Flucht geschrieben hat.

Für Sicherheit sollen unter anderem Absperrungen sorgen.Focke Strangmann/dpa

Für Sicherheit sollen unter anderem Absperrungen sorgen.Focke Strangmann/dpa

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