Augsburg im Trainingslager: Baums spezieller Top-3-Wunsch
Wie will der FC Augsburg seine vergangene, starke Saison noch einmal übertreffen? Einblicke ins Trainingslager der bayerischen Schwaben in Tirol und die besonderen Erwartungen von Coach Baum.
Manuel Baum will mutige Augsburger sehen. (Archivbild)Sven Hoppe/dpa
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Plötzlich wird es laut auf dem Fußballplatz im kleinen Achenkirch. Manuel Baum stoppt die Einheit des FC Augsburg im Trainingslager in Tirol, brüllt über den Platz, gestikuliert wild und erklärt, was ihm nicht gefällt. Gleich neben der Sportanlage werkelt eine Frau an einem Hang in ihrem Gärtchen herum. Etwas im Hintergrund grasen drei Kühe neben einer Kapelle.
Irgendwie passt die Szene zum FC Augsburg und dessen Ambitionen für die neue Saison. Die bayerischen Schwaben sind ja der eher unscheinbare, etwas idyllische, für manche vielleicht langweilige Verein der Fußball-Bundesliga. Dabei möchten sie auffallen. Im vorigen Jahr hat das mit Trainer Sandro Wagner nur kurz in den Medien und der Öffentlichkeit, nicht aber auf dem Feld geklappt.
Erklärungen des TV-Taktikexperten
Nachfolger Baum führte den FCA ins sichere Tabellenmittelfeld - nun will der 46-Jährige das Spiel seiner Schützlinge nochmal weiterentwickeln. Ein ganz spezielles Ziel gibt er dabei auch aus. „Ich wäre schon gern unter den Top 3 der zielstrebigsten Mannschaften in der Bundesliga“, sagt er. Was genau er mit Zielstrebigkeit meint? „Das arbeiten wir jetzt gerade heraus.“
Nachdem der Coach während der WM als TV-Taktikexperte im Einsatz war, gibt er nun seinen Spielern Aufgaben an die Hand. Immer wieder erklärt er ihnen in Tirol, was sie bis zum Saisonstart in knapp drei Wochen im DFB-Pokal in Cottbus noch lernen müssen. „Ich weiß, es ist schwer“, räumt er einmal ein.
„Mut ist einer unserer Werte“
All das hören die paar Dutzend Zuschauer deutlich, Augsburg hält die Trainings auf der Anlage des SV Achenkirch öffentlich ab. Von Geheimniskrämerei hält der Trainer nichts - in der Liga wisse man sowieso, wie der Gegner aufläuft. „Rein inhaltlich kenne ich jede Mannschaft in- und auswendig“, sagte er. Baum geht davon aus, dass auch die anderen Coaches wissen, wie der FCA spielt.
In der Tiroler Idylle bereiten sich die Augsburger auf die kommende Saison vor.Manuel Schwarz/dpa
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Die Fuggerstädter setzen wieder auf Mentalität und jene Eigenschaften, die sie seit eineinhalb Jahrzehnten in der Bundesliga verbleiben lassen. Baum pickt eine ganz besonders heraus: „Mut ist einer unserer Werte, dass wir in dem Spiel klar erkennbar und messbar machen, ob wir jetzt mutig sind oder nicht.“ Mutig und zielstrebig am Angriff, aber auch in der Abwehr, überall auf dem Feld.
Routinier Gregoritsch als Mentor
Mit solchem Manuel-Baum-Fußball schaffte es der FC Augsburg in der vorigen Saison trotz des verpatzten Saisonstarts unter Wagner auf den neunten Tabellenplatz, die Qualifikation für den Europacup wurde nur knapp verpasst. „Warum soll es nicht besser sein als letzte Saison?“, fragte der Coach schon vor wenigen Wochen. Stürmer-Routinier Michael Gregoritsch assistiert: „Ich glaube, die Truppe ist hungrig, und wenn man einmal so eine Rückrunde gespielt hat, dann möchte man die natürlich auf eine ganze Saison ausweiten“.
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Der Österreicher stieg nach seinem WM-Einsatz am Wochenende ins Training ein, vor der Montags-Einheit plauderte er auf der Tribüne ein Weilchen unter vier Augen mit Trainer Baum. Auch auf ihn wird es ankommen, auf seine Tore und Vorlagen, aber auch die Tipps für jüngere Teamkollegen. „Wenn mir was auffällt, dann spreche ich es an. Ich glaube, das ist auch mein gutes Recht“, sagte Gregoritsch (32). Dessen portugiesischer Sturmpartner Rodrigo Ribeiro (21) erzählte selbst, dass er von so einem erfahrenen Profi noch viel lernen könne.
Wer verlässt noch den Verein?
Die beiden könnten 2026/27 offensive Schlüsselspieler werden. Bei anderen wie Mert Kömür oder Alexis Claude-Maurice ist noch offen, ob sie im Sommer nicht doch noch von finanzstärkeren Clubs abgeworben werden. Ähnliches gilt für Flügelspieler Dimitrios Giannoulis oder Verteidiger Chrislain Matsima.
Unabhängig davon soll im malerischen Achenkirch bis Freitag der Grundstein gelegt werden für eine erfolgreiche Saison. Während bei teils sehr hohen Temperaturen auf dem Platz geschuftet wird, nutzen einige Profis die freien Phasen fürs Golfspielen. Andere drehen eine Runde im Tretboot im Achensee. Mit der Idylle soll es rein fußballerisch auf dem Feld dann aber spätestens am 22. August im kniffligen DFB-Pokal-Spiel bei Energie Cottbus vorbei sein.