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Atommüll-Endlager: Sachsen-Anhalt bleibt im Rennen

Wohin mit dem hoch radioaktiven Atommüll? Die Bundesgesellschaft für Endlagerung grenzt die Suche weiter ein. Auch in Sachsen-Anhalt werden Gebiete geprüft. Was macht den Untergrund dort interessant?

27.10.2026

In Sachsen-Anhalt werden weiter Salzstrukturen und Teile des Harzes geprüft. (Symbolbild) Guido Kirchner/dpa

In Sachsen-Anhalt werden weiter Salzstrukturen und Teile des Harzes geprüft. (Symbolbild) Guido Kirchner/dpa

© Guido Kirchner/dpa

In Sachsen-Anhalt werden weiterhin Gebiete für ein mögliches Endlager für hoch radioaktive Abfälle untersucht. Dazu zählen Steinsalzgebiete in flacher und steiler Lagerung sowie Teile des Harzes. Die Tongebiete des Landes seien bereits bewertet und nicht mehr im Fokus, teilte die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) mit.

Die Suche begann 2020 mit 90 Teilgebieten, die rund 54 Prozent der Bundesfläche umfassten. 2025 waren noch etwa 25 Prozent in der weiteren Prüfung; inzwischen betrachtet die BGE weniger als fünf Prozent weiter. Die verbliebenen Gebiete liegen in Süd- und Ostdeutschland sowie im Norden und Nordwesten. Nicht mehr in der laufenden Suche sind Gebiete in Rheinland-Pfalz, Hessen, Berlin, Sachsen und dem Saarland.

Rund 27.000 Kubikmeter hoch radioaktiver Abfälle lagern derzeit in oberirdischen Zwischenlagern. Gesucht wird ein Standort tief im Untergrund, an dem die Abfälle möglichst sicher eingeschlossen werden können – für eine Million Jahre.

Salz und Granit im Blick

Wegen der großen Salzstöcke und der Granitvorkommen im Harz werden im Land vergleichsweise viele Gebiete weiter untersucht. Im Süden etwa liegt eine größere Fläche zwischen Halle und Sangerhausen. Hinzu kommen ein Gebiet bei Bad Bibra und zwei Flächen im Landkreis Harz. Neu hinzugekommen sind Gebiete im Salzlandkreis, in der Börde und in der Altmark.

Bei den Salzstrukturen prüft die BGE unter anderem, wie mächtig sie sind, wie tief sie liegen und wie weit sie sich erstrecken. Besonders bei den steil stehenden Salzstrukturen habe es Fortschritte gegeben.

Möglichst „langweilige Geologie“

Gesucht würden Gegenden mit einer möglichst „langweiligen Geologie“, sagte Lisa Seidel, Bereichsleiterin Standortauswahl bei der BGE. Gemeint seien Gegenden, in denen sich der Untergrund über lange Zeit möglichst wenig verändert habe und die geologischen Verhältnisse gleichmäßig seien. Das erleichtere es, verlässlich einzuschätzen, wie sicher das Gestein die Abfälle einschließen könne.

Die BGE prüft die Gebiete in mehreren Schritten. Flächen, die die Anforderungen nicht erfüllen oder als wenig beziehungsweise gut, aber nicht bestgeeignet eingestuft werden, werden nicht weiter betrachtet. Auch die noch untersuchten Gebiete sind nicht automatisch für eine Erkundung gesetzt. Ob einzelne der in Sachsen-Anhalt weiter geprüften Gebiete später vorgeschlagen werden, ist offen.

Vorschlag für Regionen Ende 2027

Bis Ende 2027 will die BGE Regionen für eine Erkundung von der Oberfläche aus vorschlagen. Dabei sollen die bisherigen Einschätzungen zur Geologie mit Messungen vor Ort überprüft werden. Nach einer Prüfung durch das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung und einer Beteiligung der Menschen vor Ort entscheidet der Bundestag, welche Gebiete erkundet werden. Bis spätestens 2050 soll ein Standort gefunden sein. Bis erste Erkundungen beginnen können, dürften noch mehrere Jahre vergehen.

Für die Menschen in den weiter untersuchten Gebieten bedeutet der aktuelle Stand noch keine Vorentscheidung. Eine spätere Standortregion könnte nach Einschätzung der BGE auch wirtschaftliche Chancen bieten: etwa Arbeitsplätze, besonders während der Bauphase, Einnahmen für das Gewerbe und Investitionen in Straßen oder Schienenanbindungen.