Aschaffenburgs OB: Tat hat die Stadt verändert
Als ein Mann vor einem Jahr auf eine Gruppe Kindergartenkinder in einem Park in Aschaffenburg einstach, erschütterte die Tat Deutschland und auch den Oberbürgermeister der Stadt.
Herzing im vergangenen Jahr bei einer Kranzniederlegung am Tatort. (Archivbild) Daniel Löb/dpa
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Die Bluttat von Aschaffenburg mit zwei Toten hat die Stadt nach Ansicht ihres Oberbürgermeisters Jürgen Herzing (SPD) verändert. „Vielen Menschen ist bewusster geworden, dass Sicherheit keine Selbstverständlichkeit ist“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur vor dem Jahrestag des tödlichen Messerangriffs. „Gleichzeitig haben wir erlebt, wie groß die Anteilnahme, die Hilfsbereitschaft und das Bedürfnis nach Zusammenhalt sind. Das gemeinsame Gedenken, die vielen Rückmeldungen aus der Bürgerschaft und die klare Haltung vieler Akteure gegen Hass und Spaltung haben gezeigt, dass unsere Stadtgesellschaft in ihrer Mehrheit sehr gefestigt ist.“
Im vergangenen Jahr hatte es auch Kritik gegeben an den Äußerungen Herzings, der am Tatort gesagt hatte: „Ich fühle, als wäre mein eigenes Kind gestorben – oder mein Bruder gestorben oder verletzt worden.“ Und dass er glaube, dies sei auch bei vielen anderen so.
Herzing steht zu umstrittenen Äußerungen
„Zu meinen Äußerungen unmittelbar nach der Tat stehe ich nach wie vor. Die Emotionen, die ich damals beschrieben habe, waren real, und ich glaube, sie waren bei vielen Menschen vorhanden“, sagte er der dpa.
„Mir war und ist aber wichtig zu sagen: Gerade, weil diese Gefühle so stark sind, dürfen wir sie nicht in eine Spirale der Gewalt und des Hasses münden lassen. Ich verstehe, dass es Kritik an einzelnen Formulierungen gegeben hat, aber die Grundaussage halte ich für richtig: Eine Stadt wie Aschaffenburg darf sich nicht von Hass leiten lassen, sondern muss aus Schmerz und Trauer heraus Zusammenhalt, Mitmenschlichkeit und Rechtsstaatlichkeit stärken.“
Angriff auf Kindergartengruppe schockierte die Stadt
Der Anschlag jährt sich nun zum ersten Mal. (Archivbild).Jacob Schröter/dpa
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Der Angriff auf eine Kindergartengruppe in einem Park, bei dem ein kleiner Junge und ein Mann getötet wurden, gehe ihm immer noch nah. „Auch wenn im Alltag inzwischen wieder mehr Normalität eingekehrt ist, kommen die Bilder, die Gespräche mit den Angehörigen und Betroffenen und die ersten Tage nach dem Angriff gerade jetzt rund um den Jahrestag wieder hoch“, sagte Herzing. „Die Tat hat mich sensibler gemacht für die Verletzlichkeit unseres Zusammenlebens, aber auch dafür, wie stark Solidarität und demokratischer Zusammenhalt in Aschaffenburg sein können.“
Bei dem Messerangriff im Januar 2025 hatte ein Mann aus Afghanistan einen zwei Jahre alten Jungen marokkanischer Herkunft und einen 41-jährigen Deutschen umgebracht. Weitere Menschen wurden verletzt. Der Afghane ist laut Gerichtsurteil vom Oktober paranoid schizophren und gilt daher als schuldunfähig. Er wurde in einer Psychiatrie untergebracht. An diesem Donnerstag soll es zum Jahrestag der Tat eine Gedenkfeier geben.