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Arbeitgeberverband: Reformen greifen zu kurz

Viele mittelständische Unternehmen kämpfen nach Ansicht des neuen Vorsitzenden des Arbeitgeberverbands AVW ums Überleben. Er fordert tiefgreifendere Reformen – und warnt vor wachsender Enttäuschung.

28.07.2026

Der neue Vorsitzende des Allgemeinen Arbeitgeberverbands der Wirtschaft für Sachsen-Anhalt, Sven Polifka, fordert tiefgreifendere Wirtschaftsreformen. (Symbolbild) Hendrik Schmidt/dpa

Der neue Vorsitzende des Allgemeinen Arbeitgeberverbands der Wirtschaft für Sachsen-Anhalt, Sven Polifka, fordert tiefgreifendere Wirtschaftsreformen. (Symbolbild) Hendrik Schmidt/dpa

© Hendrik Schmidt/dpa

Der neue Vorsitzende des Allgemeinen Arbeitgeberverbands der Wirtschaft für Sachsen-Anhalt (AVW), Sven Polifka, hält die Reformen der Bundesregierung für unzureichend. „Diese Reformen – oder Reförmchen – greifen aus meiner Sicht zu kurz“, sagte der Speditionsunternehmer aus Schwanebeck der „Mitteldeutschen Zeitung“ und der „Volksstimme“. Man müsse weniger über Verteilung sprechen und mehr darüber, wie die Wertschöpfung steigt.

Mittelstand unter Druck

Polifka zeichnete ein schwieriges Bild der wirtschaftlichen Lage vieler mittelständischer Unternehmen im Land. Vor allem zahlreiche Speditionen könnten gestiegene Kosten nicht an ihre Kunden weitergeben. Manche bauten deshalb Kapazitäten ab oder gäben ganz auf. „Oft nehmen wir nur die Schwierigkeiten in der Automobilindustrie wahr und nicht das Sterben in der Fläche“, sagte er.

Der überwiegende Teil der Unternehmen befinde sich im „Modus Operandi: Mal gucken, wie es wird und wie lange es noch geht“, sagte Polifka. Als weitere große Probleme nannte er den Fachkräftemangel und Schwierigkeiten bei der Unternehmensnachfolge.

Hohe Kosten und Bürokratie

Zu den wichtigsten Herausforderungen für die Wirtschaft zählte der neue Verbandschef hohe Arbeitskosten, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Bürokratie, den Krankenstand und hohe Energiepreise. Die geplanten Steuerentlastungen für kleine und mittlere Einkommen bewertete er skeptisch. „Ich halte es für fraglich, ob das derzeit Geplante der Wirtschaft wirklich hilft“, sagte Polifka.

Zur Diskussion über eine Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag sagte der Unternehmer: „Wir müssen als Gesellschaft hier mit Augenmaß darauf Acht geben, dass unsere Systeme nicht ausgenutzt werden.“

Appell vor der Landtagswahl

Mit Blick auf die Landtagswahl äußerte Polifka die Hoffnung auf eine hohe Wahlbeteiligung und ein breites Parteienspektrum im Parlament. Den Erfolg der AfD erklärte er vor allem mit der Enttäuschung vieler Menschen über die bisherigen Regierungsparteien. „Man darf die Menschen, also die Wähler, nicht veralbern. Weniger reden, mehr ins „Machen“ kommen“, sagte er.