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Amthor soll in der Heimat vorübergehend CDU übernehmen

Das Wahldebakel der MV-CDU bleibt nicht ohne personelle Konsequenzen. Der Landesverband setzt zumindest kommissarisch auf einen, der schon zweimal zum Sprung hätte ansetzen können.

21.09.2026

Nach dem Debakel bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ist der CDU-Landesvorsitzende Peters zurückgetreten und Amthor übernimmt das Amt kommissarisch.Jens Büttner/dpa

Nach dem Debakel bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ist der CDU-Landesvorsitzende Peters zurückgetreten und Amthor übernimmt das Amt kommissarisch.Jens Büttner/dpa

© Jens Büttner/dpa

Nun also doch – zumindest kommissarisch. Seit Jahren ist Philipp Amthor der bekannteste CDU-Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern. Seit Jahren kommt regelmäßig sein Name ins Spiel, wenn es darum geht, wer die Christdemokraten im Nordosten anführen könnte. Zweimal schon schien der Bundestagsabgeordnete auf dem Sprung Richtung CDU-Landesvorsitz, zweimal kam es aber nicht dazu – aus unterschiedlichen Gründen.

Nach dem Desaster bei der Landtagswahl mit mickrigen 4,9 Prozent und dem damit verbundenen Gang in die außerparlamentarische Opposition greift Amthor nun aber zumindest vorübergehend zu. Bereits an einem der dunkelsten Wahlabende der CDU-Geschichte war es in Schwerin vor allem Amthor, der den TV-Sendern Rede und Antwort stand und zu erklären versuchte, warum die CDU erstmals in ihrer Geschichte aus einem Landesparlament geflogen ist. Sein Appell inmitten der Debatten um Kanzler Friedrich Merz: Bitte keine Fortsetzung der Personaldiskussionen. Denn: „Auf ihnen liegt kein Segen.“

Aber zumindest in seinem eigenen Landesverband waren schon am Wahlabend die Debatten um CDU-Landeschef Daniel Peters nicht mehr aufzuhalten. Bei einem nächtlichen Zweiergespräch im Schweriner Schloss steckten er und Peters – beide gelten als enge Weggefährten – den Kurs für den nächsten Tag ab. Ergebnis: Der glücklose Peters gibt den Parteivorsitz ab, Amthor übernimmt kommissarisch.

Amthor ist seit Jahren Bundestagsabgeordneter. Jens Büttner/dpa

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© Jens Büttner/dpa

2020, 2024, 2026: Beim dritten Mal setzt Amthor zum Sprung an

Es ist ein weiterer bemerkenswerter Punkt in der Karriere des gebürtigen Ueckermünders, der schon vor sechs Jahren vielen als Hoffnungsträger des Merkel-Landesverbands galt. Als die Nordost-CDU gut ein Jahr vor der Landtagswahl 2021 wegen des Rücktritts von Vincent Kokert einen neuen Parteichef suchte, war Amthor schon einmal logischer Nachfolge-Kandidat.

Doch bremsten ihn damals einflussreiche Parteigranden aus, weil ihnen die Erinnerung an die umstrittene Lobbyarbeit des Jungpolitikers für ein New Yorker Start-up noch zu frisch schien. Seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz zog er damals zurück. Er habe aus den Fehlern von damals gelernt, sagte Amthor später.

Und auch 2024 hätte er nach dem Rücktritt des damaligen Landesparteichefs Franz-Robert Liskow an die Parteispitze rücken können. Doch Amthor lehnte mit der Begründung ab, seinen politischen Platz in der Bundespolitik zu sehen.

Lange Karriere mit gerade einmal 33 Jahren

Amthor gilt schon lange als großes politisches Talent. Und er hat es geschafft, sich zu einer politischen Marke zu machen wie kaum ein anderer Politiker, der nicht in der allerersten Reihe steht. Der wortgewandte 33-Jährige hat bereits eine bemerkenswerte Karriere hinter sich und seit Sommer auch ein Büro im Kanzleramt, als Staatsminister für die Zusammenarbeit von Bund und Ländern. Zuvor war er Parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium.

Mit nur 24 Jahren war Amthor 2017 erstmals in den Bundestag eingezogen. Im Wahlkampf hatte er seine Handynummer auf Plakaten veröffentlicht mit dem Slogan: „Sie kochen den Kaffee. Ich bringe den Kuchen.“

Geschliffene Rhetorik und Deutschland-Pin am Revers

Amthor sucht das Gespräch und ist bekannt dafür, kaum einer Diskussion aus dem Weg zu gehen. Formate und Plattformen nutzt er geschickt, um gerade jüngere Wähler zu erreichen. Sein Stil mit Krawatte, Einstecktuch, Deutschland-Pin am Revers und markanter Brille fällt auf – und ist zum Markenzeichen geworden, ebenso wie seine geschliffene Rhetorik und lockeren Sprüche.

Amthor wurde 1992 in Ueckermünde geboren und wuchs bei seiner alleinerziehenden Mutter auf. Schon 2008 trat er in die CDU ein. Er studierte Jura in Greifswald, arbeitete für Bundestags- und Landtagsabgeordnete, kletterte die Karriereleiter in der Jungen Union und der CDU nach oben. In der Partei wird er eher zum konservativen Flügel gerechnet.