Alte Mühlen setzen auf Regionalität - keine Industrieware
In einer historischen Mühle in Bardowick bei Lüneburg wird das Mahlen noch als alte Handwerkskunst betrieben. Und am Montag das Mühlenfest gefeiert.
Müller Eckhard Meyer betreibt in Bardowick das Mahlen noch als Handwerkskunst.Sina Schuldt/dpa
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Die Nachfrage nach regionalen Produkten nimmt zu - auch nach traditionell gemahlenem Mehl. „Wir haben einen großen Zulauf, das Selbstbacken hat zugenommen“, sagt Eckhard Meyer, der die historische Mühle in Bardowick im Landkreis Lüneburg betreibt. „Viele kleine Bäckereien geben auf, die Menschen wollen aber nicht nur Industrieware kaufen.“
Die Handwerksmühle mit den großen Flügeln - ein sogenannter Galerieholländer - ist ständig in Betrieb. Zwei bis drei Tonnen Getreide am Tag werden dort verarbeitet. Gemahlen wird elektrisch und mit der Windkraft der nostalgischen Mühlenblätter. Ob Weizen, Dinkel oder die Nischenprodukte Buchweizen, Waldstaudenroggen und Lichtkornroggen - Meyer kauft das Korn bei den Landwirten in der Umgebung von Lüneburg.
Das Mahlen wird in der 1813 erbauten Mühle noch als alte Handwerkskunst betrieben, Sohn Juro hat im vergangenen Jahr die Meisterprüfung in Stuttgart bestanden. Der 25-Jährige will den Hof eines Tages in der siebten Generation fortführen.
Zweite historische Mühle im Gespräch
Um den Betrieb für die Zukunft zu sichern, diskutiert die Familie über den Aufbau einer zweiten historischen Mühle. Die Finanzierung ist geklärt, das Projekt ist aber ein Wagnis, sagt Meyer. Die Mühle von 1860 stammt aus Wiesmoor in Ostfriesland und stand nach ihrem Abbau jahrelang im deutschen Museum in München. Derzeit liegt sie in Einzelteilen in Containern.
Von Weitem ist sie zu sehen, die Windmühle der Familie Meyer in Bardowick.Sina Schuldt/dpa
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„Das wäre einmalig in Deutschland, zwei alte Mühlen in einem Betrieb, die gewerblich mit Wind mahlen.“ Einst habe es 15.000 Windmühlen in Deutschland gegeben, jetzt seien es nur noch fünf, die gewerblich in Betrieb seien, berichtet der 58-Jährige.
Tausende Besucher zum Mühlenfest erwartet
Derzeit sind alle Mitarbeiter im Hofladen und Café damit beschäftigt, das Mühlenfest am Montag vorzubereiten. Im vergangenen Jahr kamen an die 5.000 Besucher. Neben dem Café, für zwei Fachwerkhäuser zu einem modernen Ort mit großen Glasfenstern umgebaut wurden, gibt es zum Mühlenfest einige Attraktionen auf dem Gelände.
Aus Getreide Mehl mahlen wie in alten Zeiten: Darauf versteht sich Müller Eckhard Meyer in Bardowick bei Lüneburg.Sina Schuldt/dpa
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So wird mit Pferden demonstriert, wie die Acker in früheren Zeiten gepflügt wurden. Kinder dürfen Getreide mit ihren Händen mahlen, danach wird gemeinsam gebacken.
Internationales Mühlenmuseum lädt zum Mahlen per Hand ein
Neben vielen weiteren Wind-, Wasser- und Motormühlen mit Angeboten zum traditionsreichen Mühlentag setzt das Internationale Mühlenmuseum in Gifhorn für das komplette Pfingstwochenende auf besondere Aktionen. Zum Mühlentag am Montag soll es zudem Mahlvorführungen in der Tiroler Wassermühle geben. Kinder können auch dort selbst Mehl per Hand mahlen.
Alte Maschinen in der Windmühle der Familie Meyer in Bardowick bei Lüneburg geben Zeugnis ab von der Arbeit in früheren Jahrzehnten.Sina Schuldt/dpa
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Der Mühlentag sei mehr als ein Aktionstag, sagt Museumsleiter Philipp Oppermann. „Er ist eine Einladung, die Wurzeln unserer technischen Zivilisation zu entdecken und gleichzeitig über ihre Bedeutung für Gegenwart und Zukunft nachzudenken“. Das Mühlenmuseum in Gifhorn ist Bestandteil der Niedersächsischen Mühlenstraße mit Hunderten Standorten in zahlreichen Landkreisen.