Alfons‘ Appell gegen Extremismus: „Nicht einfach zuschauen“
Kabarettist Alfons spricht mit viel Jugendlichen über Extremismus – und lässt sich auch von schockierenden Ansichten nicht abschrecken.
Kabarettist Alfons sieht eine wachsende Radikalität unter Jugendlichen und wirbt bei Gesprächen mit ihnen weiter für Demokratie. (Archivbild) Britta Pedersen/dpa
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Kabarettist Alfons nimmt eine wachsende Radikalität unter Jugendlichen wahr und bleibt dennoch Optimist. Die gewaltsamen Ausschreitungen in seinem Heimatland Frankreich hält er in diesem Ausmaß in Deutschland für unwahrscheinlich. „Die Franzosen ticken anders. Sie haben das Gefühl, nur etwas zu bekommen, wenn sie auf der Straße Druck ausüben“, sagte der 59-Jährige im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.
In Deutschland gebe es den Begriff Kompromissbereitschaft. „Ich liebe dieses Wort. Es ist so etwas wie die DNA von Deutschland.“ Die Deutschen seien allerdings Weltmeister darin, sich selbst schlechtzureden.
Alfons wünscht sich differenzierten Blick auf Demos in Frankreich
Bei der Berichterstattung über die Ereignisse in Frankreich wünscht sich Alfons einen differenzierten Blick. Man dürfe sich nicht nur auf die furchtbaren Bilder konzentrieren, auf denen Barbaren und Idioten das Lebenswerk anderer Menschen zerstörten. „99 Prozent der Menschen haben friedlich demonstriert. Es gab es unglaublich schöne Szenen, viele Momente der Solidarität. Auf der Place de la Bastille in Paris haben 400 Musiker ein riesiges Orchester gebildet, Leute haben den Feuerwehrleuten applaudiert.“
Alfons - Markenzeichen orangefarbene Trainingsjacke und Puschel-Mikro - will optimistisch bleiben. „Wie werden gerade von negativen Nachrichten überflutet.“ Aber es gebe auch sehr schöne Geschichten, tolle Menschen. „Es gibt Dinge, die mich wirklich hoffen lassen“, sagte der Kabarettist und erinnerte an einen Ausspruch von Margot Friedländer (1943-2025), die genau wie Alfons‘ Großmutter das Vernichtungslager in Auschwitz überlebte: „Seid Menschen!“ Er fügte hinzu: „Wenn wir Menschen bleiben, können wir zusammen wunderbare Dinge schaffen.“
Alfons - mit bürgerlichem Namen Emmanuel Peterfalvi - ist nicht nur ein politischer Kabarettist, sondern engagiert sich mit seiner Grand-Mère Stiftung (grand-mère: Großmutter) für Demokratie. Dabei kommt er häufig mit Jugendlichen zusammen. Demnächst ist er wieder in Sachsen zu erleben - am 10. November in Görlitz und am Tag darauf in Hoyerswerda mit seinem Programm „Alfons - jetzt noch deutscherer“.
„Schockierende Diskussionen“
Vormittags geht er oft in Schulen, abends steht er auf der Bühne. „Ich habe auch in Sachsen gute Diskussionen gehabt, teilweise sehr kontroverse und schockierende Diskussionen. Aber genau deshalb suche ich das Gespräch. Die jungen Leute sollen sagen, was sie denken, auch wenn mich das schockiert. Ich mache das, damit ich sie besser verstehe und man sich gegenseitig zuhört.“
Einen Gewinn bei solchen Diskussionen sieht Alfons auch bei den anderen. „Wenn ein alter Sack ihnen mal ein paar Dinge klar sagt, ist das für sie eine neue Erfahrung. Wenn man nicht miteinander redet, wenn jeder für sich bleibt mit seinem Frust und seinen Überzeugungen, ist das der Anfang vom Ende.“ Er habe oft gespürt, dass aus einem Dialog Respekt entstehen könne.
„Am Ende ist man zwar noch nicht einer Meinung, aber das ist auch gar nicht das Ziel“, ergänzte Alfons. Eine Demokratie zeichne sich nun einmal durch Meinungsvielfalt aus. „Ich versuche den Jugendlichen klarzumachen, dass dies ein Riesengeschenk ist. Vorherige Generationen hatten das nicht. Deshalb darf man das nicht zerstören.“
Appell für das Gute zu streiten
Bei Diskussionen mit jungen Leuten erinnere er sie oft an einen Ausspruch des Auschwitz-Überlebenden Simon Wiesenthal, sagte Alfons. Der habe sich gefragt, warum eine Gesellschaft so unmenschlich werden könne. „“Damit das Böse gedeiht, braucht es nur gute Menschen, die nichts unternehmen“, sagte er. Deshalb ist mein Appell an alle Jugendlichen: Seid bitte nicht die guten Menschen, die nichts unternehmen.“ Deshalb habe er auch seine Stiftung ins Leben gerufen. „Wenn ich sehe, was passiert, kann ich nicht einfach zuschauen und nichts tun.“